Skispringen in Klingenthal

Skispringen | Weltcup Ryoyu Kobayashi – Von der Quarantäne zum Tournee-Favoriten

Stand: 13.12.2021 08:43 Uhr

Der japanische Skispringer Ryoyu Kobayashi hat zehn ziemlich einsame Tage in einem finnischen Qurantäne-Hotel hinter sich. Umso beeindruckender seine Leistung beim Weltcup in Klingenthal.

Von Dirk Hofmeister

Stefan Horngacher hatte es bereits vorausgeahnt, als er vor dem Weltcup-Wochenende in Klingenthal warnte: "Ryoyu Kobayashi kommt zurück, er ist in diesen Tagen einer der besten Springer." Horngacher sollte recht behalten: Der 25-jährige Japaner präsentierte sich im Vogtland in bestechender Form, gewann die Qualifikation am Freitag (10.12.2021) und am Sonntag Qualifikation und Weltcupspringen. In der ausgeglichenen Weltspitze ist der Gesamt-Weltcupsieger von 2019 nun nach sieben Wettkämpfen der einzige Springer mit zwei Saisonsiegen – und damit schon jetzt einer der Topfavoriten für die in gut zwei Wochen beginnende Vierschanzentournee.

Positiver Test nach Weltcupsieg in Ruka

Dabei hat Kobayashi turbulente Wochen hinter sich – oder genauer gesagt: ereignisarme und frustrierende Tage in einem finnischen Quarantäne-Hotel. Einen Tag, nachdem Kobayashi in Ruka noch von Weihnachtsmann und Weihnachtsfrau persönlich die Glückwünsche zum ersten Weltcupsieg des Winters erhalten hatte, zeigte der PCR-Test des Japaners eine Corona-Infektion an. So knapp am Schwellenwert, dass mehrere Schnelltests beim geimpften Kobayashi negativ ausfielen. Aber so ausreichend positiv, dass Kobayashi in zehntägige Corona-Quarantäne musste. "Was soll ich machen?", fragte Kobayashi einigermaßen verzweifelt seine Fans bei Twitter und präsentierte die negativen Schnelltests.

Zehn Tage Quarantäne - "Habe versucht, zu entspannen"

Die Auswahl an Tätigkeiten war nicht gerade groß. "Es war nicht erlaubt, das Hotel in Finnland zu verlassen", erklärt Kobayashi rückblickend. Kein Training an der Schanze, kein Wettkampf in Wisla. Was hat er stattdessen gemacht? "Ich habe versucht, zu entspannen", so die wortkarge Auskunft des 21-fachen Weltcupsiegers. Umso größer die Freude, in Klingenthal wieder am Start zu stehen: "Ich bin froh, dass ich nach längerer Zeit überhaupt wieder etwas machen durfte", sagte Kobayashi und entschuldigte sich nach Rang sieben von Samstag: "Ich konnte nach der langen Quarantäne heute einfach keinen perfekten Sprung zeigen."

Hannawald: "Atemberaubend"

Dieser gelang dafür am Sonntag gleich dreifach. Kobayashi war in der Quali und in beiden Wertungsdurchgängen jeweils nicht zu schlagen. "Ich habe oft in ungünstigen Wetterverhältnissen trainiert und komme daher damit gut klar", erklärte der 25-Jährige mit Verweis auf die nassen äußeren Bedingungen mit Schneeregen und wenig Wind. Sportschau-Experte Sven Hannawald war in seiner Einschätzung weniger zurückhaltend: "Das war atemberaubend", freute sich Hannawald über Kobayashis Performance. "So ein unheimliches Feingefühl. Was er daraus macht, ist Wahnsinn. Ich mag diesen Typen", lobte der 47-Jährige die Sprünge des Japaners.

Nächster Torunee-Sieg nach 2019?

Mit der Leistung von Klingenthal untermauerte Kobayashi zudem seine Mitfavoritenrolle für die 70. Vierschanzentournee. Bereits 2019 gewann der Japaner die Tour und siegte dabei als dritter Springer überhaupt nach Hannawald und Kamil Stoch bei allen vier Stationen. Sollte nicht wieder ein positiver PCR-Test dazwischenkommen, stehen Kobayashis Chancen auf den nächsten Coup außerordentlich gut.

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Sportschau, 12.12.2021 09:00 Uhr