Kobayashi vs. Eisenbichler - Krimi um den Tournee-Gesamtsieg

Vierschanzentournee - das Duell Eisenbichler gegen Kobayashi Sportschau 01.01.2019 08:11 Min. Verfügbar bis 01.01.2020 Das Erste

Halbzeit bei der Vierschanzentournee

Kobayashi vs. Eisenbichler - Krimi um den Tournee-Gesamtsieg

Nur 1,28 Meter trennen bei Halbzeit der Vierschanzentournee den Spitzenreiter aus Japan und seinen deutschen Herausforderer. Wer gewinnt die Tournee? Das einstmals schlampige Talent aus Fernost oder der Spätzünder aus Siegsdorf? Für beide Szenarien gibt es gute Argumente.

Halbzeit bei der Vierschanzentournee. Oberstdorf und Garmisch liegen hinter den Athleten, die Schanzen in Innsbruck und Bischofshofen warten auf den Tour-Tross. Alles deutet auf einen Krimi um den Gesamtsieg hin. Und mittendrin: Markus Eisenbichler. Der Siegsdorfer, der es im Weltcup sieben Mal auf das Podest, aber noch nie zu einem Sieg schaffte, greift nach einem der wichtigsten Titel der Skispringer.

Nur 2,3 Punkte Abstand

Eisenbichler liegt nach zwei von vier Springen der Tournee auf Rang zwei. Nur umgerechnet 1,28 Meter trennen den 27-Jährigen von der Spitze. Und damit von Ryoyu Kobayashi, dem japanischen Überflieger der bisherigen Saison. Der 22-Jährige Weltcupspitzenreiter hat 548,9 Punkte, Eisenbichler 546,6 Zähler. Auf Rang drei mit deutlichem Abstand folgt Dawid Kubacki aus Polen (526,0).

Kobayashi: Training statt Porsche

Favorit auf den Gesamtsieg ist Kobayashi. Nicht nur, weil er mit sechs Siegen aus neun Springen den besten Saisonstart seit Thomas Morgenstern vor elf Jahren (sechs Siege in den ersten sechs Wettbewerben) hinlegte. Bei Kobayashi, der lange als schlampiges Talent galt, hat es sein finnischer Trainer Janne Väätäinen geschafft, einen Schalter umzulegen. Statt auf Disko, schnelle Autos und Videospiele hat sich Kobayashi im vergangenen Sommer vor allem aufs Training konzentriert. Mit Folgen. "Als Ryoyu Kobayashi verstanden hat, mehr machen zu müssen als nur Porsche zu fahren, ist er gut geworden", sagte Väätäinen der Tiroler Tageszeitung.

Schuster: "Es war zu befürchten ..."

Ryoyu Kobayashi nach seinem Sieg in Engelberg

Gewohnte Pose in dieser Saison: Ryoyu Kobayashi jubelt.

Der deutsche Bundestrainer Werner Schuster beschreibt es so: "Er ist mit den Skiern unfassbar schnell am Körper. Es war zu befürchten, dass er irgendwann schnallt, wie er gut springen kann. Der wird noch länger lästig sein." Nach seinen beiden Siegen in den ersten beiden Springen in Oberstdorf hat der Japaner nun sogar die Chance, als dritter Springer überhaupt den Grand Slam perfekt zu machen und alle vier Tourneespringen zu gewinnen.

Schuster: "Wenn man zur Halbzeit 1:0 führt"

Doch noch ist es nicht soweit. "Es ist Halbzeit. Und wenn man beim Fußball zur Halbzeit 1:0 führt, hat man noch lange nicht gewonnen", weiß Schuster, der darauf hofft, dass sein Schützling Eisenbichler noch erfolgreich angreifen kann. "Man hat gesehen: Ryoyu Kobayashi ist wahnsinnig gut, aber im ersten Durchgang von Garmisch waren es nur noch zwei Zehntel. Wenn es knapp wird, muss auch Kobayashi alles zeigen. Wir werden alles versuchen, damit Markus in Innsbruck den Druck aufrechterhält", verspricht Schuster.

Eisenbichler: "Habe eine geile Form"

Angriffslustig ist auch Eisenbichler: "Ich bin in einer Verfassung, in der ich auch gewinnen kann. Ich habe eine geile Form", sagt Hobby-Pokerspieler Eisenbichler voller Zuversicht. Und fügt hinzu: "Ich kann nur hoffen, dass Ryoyu einen Fehler macht. Oder, noch besser, ich einfach weiter springe als er."

DSV-Team im Sommer in Innsbruck

Markus Eisenbichler

Eisenbichler: "Weiß, dass ich dort extrem gut springen kann."

Gleich das Springen in Innsbruck (Quali Donnerstag, 3.1., 14 Uhr; Springen Freitag, 4.1., 14 Uhr) bietet Eisenbichler die Gelegenheit zum Angriff. "Ich weiß, dass ich dort extrem gut springen kann. Wir hatten dort mehrere Einheiten im Sommer, die waren immer traumhaft", sagte Eisenbichler. Im Vorjahr wurde er dort trotz Föhn und Formschwäche immerhin Achter.

Hannawald und Funaki werden gejagt

So sehr Kobayashi und Eisenbichler auch Konkurrenten um den ersehnten Goldadler sind, der dem Tourneesieger winkt. Eins verbindet die beiden auch: Beide hecheln einem großen Landsmann hinterher. Eisenbichler könnte nach Sven Hannawald der erste Deutsche seit 2002 sein, der die Tour gewinnt. Japans einziger Triumphator war 1998 Kazuyoshi Funaki, ebenfalls ein Ausnahme-Luftgleiter. Es bleibt spannend bei der Tournee.

dh mit dpa/sid | Stand: 02.01.2019, 17:45

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