Karl Geiger – vom "Geiger Sturzflug" zum Tournee-Mitfavoriten

Vierschanzentournee - Geiger und Eisenbichler mit gutem Start Sportschau 30.12.2019 02:45 Min. Verfügbar bis 30.12.2020 Das Erste

Vor der zweiten Station der Vierschanzentournee

Karl Geiger – vom "Geiger Sturzflug" zum Tournee-Mitfavoriten

Nach dem Tournee-Auftakt in Oberstdorf haben noch vier Skispringer realistische Chancen auf den Gesamtsieg. Mit dabei Karl Geiger – der Bayer will einen Serienrekord des Japaners Kobayashi verhindern, hat noch eine Rechnung mit Garmisch offen und bekommt viel Lob von der Konkurrenz.

Vor zwei Jahren Richard Freitag, im vergangenen Jahr Markus Eisenbichler – und auch in diesem Jahr haben die deutschen Skispringer nach dem Auftakt der Vierschanzentournee einen Favoriten auf den Gesamtsieg in ihrem Team: Karl Geiger.

"Der Karl kann das durchziehen"

Platz zwei Platz im Tournee-Auftaktspringen am Sonntag (29.12.2019) auf seiner eher ungeliebten Oberstdorfer Heimschanze – dieses Podest könnte für den 26-Jährigen der entscheidende Brustlöser im Kampf um den größten Einzelerfolg seiner Karriere gewesen sein. "Der Karl kann das durchziehen, der kann mit ums Podest springen", glaubt Werner Schuster, bis zum Frühjahr noch Bundestrainer der deutschen Skiadler. Österreichs Cheftrainer Andreas Felder lobt: "Karl Geiger hat das Potenzial, er ist konstant und wettkampfstark. Der Stockerlplatz wird ihm Auftrieb geben." Und Geigers aktueller Bundestrainer Stefan Horngacher weiß: "Wenn Karl weiter so Sprünge macht wie heute, und der Kobayashi Fehler, dann ist der Karl sicher da".

Quartett greift nach großem Adler

Karl Geiger in Obersdorf

Geiger - rund 5 Meter Rückstand auf Kobayashi

Geiger, der sich in den vergangenen anderthalb Jahren von einem Top-20-Springer zu einem Dauer-Podest-Kandidaten wandelte, ist einer von nur noch vier Springern, die noch Chancen auf den Gesamtsieg haben. Ganz vorn thront Vorjahressieger Ryoyu Kobayashi aus Japan. Der medienscheue Weltcup-Gesamtsieger des Vorjahres ist mit dem Erfolg von Oberstdorf fünf Springen in Serie ungeschlagen und könnte mit einem Sieg Neujahrstag in Garmisch-Partenkirchen zum alleinigen Sechsfach-Seriensieger aufsteigen. Geiger und der Pole Dawid Kubacki liegen rund zehn Punkte dahinter, Viertplatzierter mit knapp 14 Punkten Rückstand ist der Österreicher Stefan Kraft. Die weitere Konkurrenz hat dann schon rund 25 Punkte Abstand zu Kobayashi.

Kobayashi – "Cooler Hund mit Selbstvertrauen"

Ryoyu Kobayashi

Kobayashi - "Diese Kaltschnäuzigkeit, diese Geschwindigkeit"

Vorjahressieger Kobayashi hat nach einem eher holprigen Saisonstart rechtzeitig in die Spur gefunden und sich mit siegen in Klingenthal und Engelberg rechtzeitig vor der Tournee in Form gebracht. Während der 23-Jährige auch im Siegesjubel nur wortkarg bleibt, lobt die Konkurrenz den Japaner mit seinem aggressiven Sprungstil umso mehr. Norwegens Cheftrainer Alexander Stöckl erklärt: "Kobayashi gewinnt extrem schnell Kontakt zum ersten Ski. Und egal was passiert, er macht einfach weiter. Diese Kaltschnäuzigkeit, diese Geschwindigkeit mitzunehmen, ist ein entscheidender Punkt." Tournee-Konkurrent Stefan Kraft beobachtet staunend: "Wenn ihm der Absprung optimal gelingt, ist er nach nur zwei Metern schon in der idealen Flugposition. Wir arbeiten daran, es genauso zu machen." Für Bundestrainer Horngacher ist der 16-fache Weltcupsieger ein "cooler Hund mit einem wahnsinnigen Selbstvertrauen."

Horngacher: Werden Kobayashi den Rekord vermiesen

In das Lob von Horngacher mischt sich aber auch eine Kampfansage: "Auch er ist nicht unschlagbar. Es ist schwierig, noch einmal viermal hintereinander zu gewinnen - und das werden wir ihm wahrscheinlich auch vermiesen." Die nächste Chance bietet sich dazu am Dienstag (31.12.2019) und Mittwoch (1.1.2020) in Garmisch-Partenkirchen. Und mit dieser Schanze hat Karl Geiger noch eine Rechnung offen. Wie auf seiner Heimschanze in Oberstdorf, wo es Geiger erst im 24. Anlauf erstmals auf das Podest schaffte, zählt auch Garmisch nicht gerade zu den Lieblingsschanzen des Bayern.

Geiger: Freundschaft mit Garmisch geschlossen

Auf der Großen Olympiaschanze wurde Geiger im vergangenen Jahr nur 19., damals schmierte er in einem "Geiger Sturzflug" regelrecht ab. Doch jetzt blickt er mit Vorfreude auf das Springen: "Vor einigen Jahren hatte ich da noch richtig Probleme. Die Schanze hat einen eigenen Radius, der ist ein bisschen knackiger. Aber im Sommer hatte ich dort einen sehr guten Lehrgang. Ich freu mich drauf", so Geiger. Laut Horngacher hat sein derzeit bester Springer "seit dem letzten Training Freundschaft geschlossen" mit der Anlage am Gudiberg. Die Hoffnung des Bundestrainers speist sich aus dem gewachsenen Selbstbewusstsein und der stabilen Form des dreifachen WM-Medaillengewinners: "Für Karl ist es egal, welche Schanze. Er hat eine stabile, gute Technik." Und Geiger selbst ergänzt grinsend: "Mit so einem guten Gefühl bin ich noch nie aus Oberstdorf abgereist. Jetzt ist viel drin, auch Ryoyu ist schließlich kein Zauberer."

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Dieses Thema im Programm: ARD-Mittagsmagazin, 30.12.2019

Dirk Hofmeister (mit dpa/sid) | Stand: 30.12.2019, 13:29

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