"König" Stoch greift nach dem dritten Adler

Der Pole Kamil Stoch in Innsbruck.

Vierschanzentournee

"König" Stoch greift nach dem dritten Adler

Skispringer Kamil Stoch hat der Konkurrenz die Flügel gestutzt. Der Pole blieb unbeeindruckt vom Corona-Wirbel und der starken Konkurrenz bei der Vierschanzentournee auf Kurs und zeigt, dass man auch mit 33 Jahren noch konstant auf Topniveau performen kann. Für den deutschen Bundestrainer Stefan Horngacher ist er "der Chef im Ring."

Zweimal konnte Kamil Stoch schon die Vierschanzentournee gewinnen, 2017/18 gelang ihm sogar der Sieg auf allen vier Schanzen. Pünktlich zur aktuellen Tournee zeigte sich der Routinier in Topform und davor schon als Top-Ten-Garant.

Als Dritter in der Gesamt-Weltcup-Wertung hinter Halvor Egner Granerud und Markus Eisenbichler war mit ihm bei der 69. Auflage des Vierschanzenspektakels durchaus zu rechnen. Auch DSV-Bundestrainer Stefan Horngacher, der die Tourneesiege von Stoch noch als dessen Coach begleitete, hatte seinen ehemaligen Top-Athleten immer auf dem Zettel: "Der wird bei der Tournee eine ziemlich große Rolle spielen", orakelte er noch vor dem Tourneeauftakt.

Deutsche Tourneehoffnungen wieder in Innsbruck verloren, Stoch vorne Morgenmagazin 04.01.2021 01:27 Min. Verfügbar bis 04.01.2022 Das Erste

Corona kann Polens Nationalhelden nicht stoppen

Nur ein positiver Corona-Test konnte kurz vor dem Start in Oberstdorf einen Schatten auf die Ambitionen des starken Teams um den polnischen Nationalhelden legen. Die Mannschaft wurde wegen des Corona-Falls kurzzeitig ausgeschlossen und kehrte erst nach 22 turbulenten Stunden und zwei weiteren Tests, die negativ ausfielen, zurück. Die Qualifikation hatte noch ohne Stoch und Co. stattgefunden.

Erst kurz vor dem Auftaktspringen bekam die Mannschaft grünes Licht. Der Modus wurde umgestellt, die Qualifikation für gegenstandslos erklärt und der Wettkampf ohne die K.o.-Duelle kurzerhand mit 62 Starten ausgetragen.

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Morgenecho 05.01.2021 02:08 Min. Verfügbar bis 04.01.2022 WDR 5 Von Michaela Sachenbacher


Skisprung-Nation Polen im Glück

Nicht nur die Mannschaft, sondern auch die Skisprung-Nation Polen atmete auf. Und Stoch bedankte sich eindrucksvoll für das Vertrauen und den Einsatz aller Beteiligter, die die Teilnahme doch noch möglich gemacht hatten: Er wurde Zweiter in Oberstdorf, Vierter in Garmisch-Partenkirchen, und in Innsbruck flog er zum Sieg - und befeuerte die Hoffnungen in seiner Heimat auf einen jetzt möglichen vierten polnischen Tourneesieg innerhalb der vergangenen fünf Jahre.

"Skispringen als Heilmittel gegen alles Böse", titelte der polnische Boulevard nach dem unverhofften Sieg von Stoch euphorisch. "Draußen ist es grau und traurig, aber schalten Sie einfach Skispringen im Fernsehen ein, und es ist wunderschön", schwärmte die Tageszeitung "Fakt".

Stoch springt mit Konstanz an die Spitze

"Ich fühle mich fantastisch", freute sich der 33-jährige Stoch nach seinem 37. Weltcupsieg. Im Gegensatz zu den hochfavorisierten Konkurrenten Karl Geiger und Halvor Egner Granerud offenbarte der dreimalige Olympiasieger bislang keine Schwächen und stieg dadurch zum Topfavoriten auf den Gesamtsieg auf. "Kamil hat gezeigt, dass er der Chef im Ring ist", sagte Bundestrainer Stefan Horngacher nach der überragenden Flugshow des Polen.

Nach 2017 und 2018 ist er auch 2021 auf dem besten Weg, sich den Tournee-Adler zu greifen. Die Vorzeichen stehen gut für ihn: "In Bischofshofen gefällt's ihm normalerweise", weiß Horngacher. Und fügt an: "Ich habe ihnen wahrscheinlich schon viel Know-How hinterlassen und gezeigt, wie man es machen kann."

mla/sid/dpa | Stand: 04.01.2021, 15:10

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