Carina Vogt nach WM-Aus: "Eine sehr bittere Situation"

Carina Vogt entäuscht nach ihrem Sprung bei der WM in Oberstdorf

Skispringen | Interview

Carina Vogt nach WM-Aus: "Eine sehr bittere Situation"

Von Laura Schmitt

Nach langer Verletzungspause kehrte Deutschland beste Skispringerin Carina Vogt wieder in das Wettkampfgeschehen zurück. Doch bei der Heim-WM in Oberstdorf lief es für die 28-Jährige nicht. Jetzt droht nach dem WM-Aus wieder eine OP. Im Interview gibt sich Vogt kämpferisch.

Die Enttäuschung ist Skispringerin Carina Vogt ins Gesicht geschrieben. Für die fünfmalige Skisprung-Weltmeisterin ist die Heim-WM vorzeitig beendet – Bei der WM-Premiere des Springens der Frauen auf der Großschanze wird die zweimalige Weltmeisterin fehlen.

"Es ist schon eine sehr bittere Situation. Weil ich eigentlich in einem coolen Flow war vor der WM und das alles gut aussah", erklärt sie. "Dass es jetzt so abläuft, das habe ich so nicht erwartet. Ich kann es mir auch immer noch nicht erklären, wieso das so war."

"Dieser Sport ist so schön, aber auch so erbarmungslos", sagte Vogt nach dem Einzel von der Normalschanze vergangene Woche. Dort ist sie nicht über Rang 30 hinausgekommen und gehörte im Teamspringen und Mixed nicht mehr zum deutschen Aufgebot.

Ein langer Weg liegt hinter Carina Vogt

Ein steiniger Weg liegt hinter Carina Vogt. Nach einer langer Verletzungspause durch einen Kreuzbandriss im Jahr 2019 war sie erst kurz vor der Heim-WM ins Wettkampfgeschehen zurückgekehrt. "Es war mein Ziel hier in Oberstdorf dabei zu sein, dafür habe ich mir jeden Tag den Hintern aufgerissen. Das Ziel habe ich erreicht, natürlich wollte ich hier ganz anders Skispringen." Doch innerhalb von zwei Wochen habe sie das Feingefühl verloren, das Körpergefühl fehle.

Vogt: "Schon eine sehr bittere Situation" Sportschau 03.03.2021 06:02 Min. Verfügbar bis 03.03.2022 Das Erste

Vogt betont, dass das Knie in der letzten Woche nicht der ausschlaggebende Punkt war. "Das war nicht schuld daran, dass ich das Gefühl verloren habe." Trotzdem könnte nach der WM ein Eingriff am Knie notwendig sein. "Ich habe mich dazu entschieden, relativ zeitnah das Knie noch mal anschauen zu lassen. Weil es einfach sehr anstrengend ist nicht zu wissen, wie das Knie jetzt reagiert."

Vogt: "Ich habe den Kampfeswillen in mir wiedergefunden"

Doch Carina Vogt gibt sich kämpferisch: Über die Jahre hinweg sei sie so gefestigt, dass sie das nicht komplett aus der Bahn werfe. "Ich hatte sehr viel Spaß und habe den Kampfeswillen in mir wiedergefunden. Man hat auch in den ersten Weltcupspringen gesehen, dass ich die Voraussetzungen mit meinem kompletten Umfeld wieder erarbeitet habe.“

Dass es bei der WM so schief geht, das sei tatsächlich Skispringen, erklärt die 28-Jährige. "Das geht vom einen auf den anderen Tag, dass das Gefühl einfach schwindet. Das hat bei mir in der Anfahrtsposition angefangen und alles andere waren Folgefehler. Deshalb mache ich mir jetzt auch keine große Platte, das wird schon alles wieder. Ich bin mir sicher, dass die Bundespolizei und das Ärzteteam mich weiter unterstützen werden.

Vertrauen von Bundestrainer Andreas Bauer

Auch von Bundestrainer Andreas Bauer hat Vogt "einen unfassbaren Rückhalt erfahren. Das Vertrauen, dass er mir geschenkt hat, das hat mir Mut gegeben. Und das wird sich nicht geändert haben durch die letzten Tage."

Beim Blick in die Zukunft beginnt Carina Vogt wieder zu lächeln, denn im nächsten Jahr stehen ja auch die Olympischen Winterspiele in Peking 2022 an. "Für mich ist klar, dass ich jetzt weiter mache. Jetzt habe ich so viel über die letzten zwei Jahre investiert und war knapp davor wieder in die Top Ten zu springen, das ist ein gutes Niveau, mit dem man arbeiten kann. Und mir macht es einfach so viel Spaß zurzeit und das möchte ich mir nicht nehmen lassen."

Stand: 03.03.2021, 16:57

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