Juliane Seyfarth träumt von der 200-Meter-Marke

Juliane Seyfarth

Interview

Juliane Seyfarth träumt von der 200-Meter-Marke

Von Jens Daniel

Skispringerin Juliane Seyfarth ist in der Weltspitze angekommen. In der vergangenen Saison ließ die 29-Jährige von der TSG Ruhla mit vier Weltcup-Siegen aufhorchen und kam mit zwei Goldmedaillen von der WM zurück. Zuletzt holte sie sich den Deutschen Meistertitel. Sportschau.de sprach mit ihr über Ziele, die Konkurrenz und den Traum von der 200-Meter-Marke.

Ihr Opa und Vater waren Skispringer, sie standen mit neun Jahren erstmals auf der Schanze. War das ein vorgezeichneter Weg?

Julian Seyfarth: "Schon als kleines Kind war ich von den Skispringern beeindruckt, deshalb wollte ich es selbst einmal ausprobieren. Mit neun Jahren habe ich dann die Langlaufski an den Nagel gehängt und bin zum Skispringen gewechselt. Allerdings konnte ich es damals noch nicht nachvollziehen, dass es Opa und Papa auch gemacht haben. Ich wollte es einfach ausprobieren."

Sie haben einmal gesagt: "Fliegen ist für mich beim Skispringen wie der kurze Moment von Schwerelosigkeit." Würden Sie gern mal auf einer Skiflugschanze die 200-Meter-Schallmauer durchbrechen?

Seyfarth: "Es ist leider noch nicht von der FIS erlaubt, dass Frauen an so einem Wettbewerb teilnehmen dürfen. Ich persönlich würde mich gern beim Skifliegen beweisen. Die 200-Meter-Marke zu knacken wäre ein Wunsch in meiner Karriere. Das würde ich sehr gern erleben."

In der letzten Saison gelang Ihnen mit zwei Goldmedaillen bei der WM, vier Weltcupsiegen und einem dritten Platz im Gesamtweltcup der große Durchbruch. Zuletzt holten Sie sich überlegen den Deutschen Meistertitel vor Katharina Althaus. Was haben Sie sich für diese Saison vorgenommen?

Seyfarth: "Das ist ganz einfach zu beantworten. Ich möchte in jedem Wettkampf meine besten Sprünge machen. Wenn ich zeige, was ich kann und mir im Training erarbeitet habe, dann kommen die Titel von alleine."

Wo liegt Ihre Bestweite?

Seyfarth: "Meinen besten Sprung habe ich im Training in Klingenthal mit 142 Metern gezeigt. Beim Wettkampf wurden im letzten Winter in Tschaikowski offiziell 141 Meter gemessen."

Es könnte für Bundestrainer Andreas Bauer ein schwieriges Jahr werden. Ramona Straub, Carina Vogt und Anna Rupprecht sind verletzt. Auch Gianina Ernst und Svenja Würth, beide aus dem 1b-Kader, sind nach Verletzungen noch nicht wieder hundertprozentig fit. Viel lastet auf den Schultern von Katharina Althaus und Ihnen. Wie gehen Sie mit dem Druck um?

Seyfarth: "Einen besonderen Druck verspüre ich dabei nicht. Wir springen ja nicht anders als sonst. Ich kann jetzt auch nichts anderes machen, als mein Bestes zu geben."

Skispringen Porträtbild Bundestrainer Damen Andreas Bauer

Bundestrainer Damen Andreas Bauer

Ende März 2019 war großer Empfang in Ruhla, da brachten Sie es auf den Punkt: "Das ist der Lohn für die gute Arbeit der letzten Jahre. Manchmal dauert es halt länger." Hatten Sie in den nicht so erfolgreichen Jahren jemals daran gedacht, die Sprungski in die Ecke zu stellen?

Seyfarth: "Nein, gar nicht. Auch wenn es mal nicht so richtig lief, habe ich keinen Moment gezweifelt. Ich liebe diesen Sport."

Die Schanzen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen wurden oder werden umgebaut. Wie sehr störte das den täglichen Trainingsbetrieb in der Vorbereitung?

Seyfarth: "Es war schwierig, weil wir im Sommer sehr viel reisen mussten und etliche Trainingslager woanders stattfanden. Wir sind aber trotzdem auf unsere Sprünge gekommen. Wir hoffen, dass es nächstes Jahr in Oberstdorf wieder klappt, denn diese Schanze ist eher relevant für uns. Garmisch-Partenkirchen ist dann doch zu weit weg von uns."

Der Weltcup-Kalender ist diese Saison etwas dünner, auch ein angedachtes Springen in den USA wurde wieder gestrichen. Woran liegt es, dass die Entwicklung etwas zu stocken droht?

Seyfarth: "Da muss ich widersprechen. Die Entwicklung stockt nicht. Es ist ganz normal, dass der Wettkampfkalender etwas kleiner ist, da auch keine WM stattfindet. Wir haben viele große Schanzen, auf die wir uns freuen."

Blicken wir weiter auf die kommende Saison: Mit welchen Konkurrentinnen ist zu rechnen?

Seyfarth: "Die Frage ist momentan nicht so leicht zu beantworten, denn der Weltcup-Start bringt immer etwas Eigenes mit sich. Ich habe gesehen, dass die Maren Lundby aus Norwegen die nationale Meisterschaft mit einem ähnlich großen Vorsprung gewonnen hat wie ich. Mit ihr und der Japanerin Sara Takanashi rechne ich auf jeden Fall. Zum Favoritenkreis zählen auch die Sportlerinnen aus Slowenien und Russland, die immer für einen Podestplatz gut sind."

Sie sind jetzt 29 Jahre alt, sicherlich im besten Skisprungalter. Sind die Olympischen Spiele 2022 in Peking das nächste große Ziel für Sie oder blicken Sie nur noch von Saison zu Saison?

Seyfarth: "Noch ist es eine Weile hin, aber das bleibt ein Thema. Natürlich ist es mein Wunsch, an den Olympischen Spielen 2022 teilzunehmen."

Sie machen nicht nur auf der Schanze eine sehr gute Figur, die Fotos auf ihrem Instagram-Profil verdeutlichen es. Wäre das eine Richtung, beispielsweise als Model, was Sie sich für die Zukunft vorstellen könnten?

Seyfarth: "Die Sache mit dem Fotoshooting ist mein Hobby. Was nach der sportlichen Karriere passiert, wird sich dann zeigen. Nebenbei studiere ich jetzt schon 'International Management'."

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Vielen Dank für das Interview

Stand: 20.11.2019, 10:12

Skispringen | Weltcupstand Herren

NameP
1.Daniel-André Tande260
2.Stefan Kraft196
3.Karl Geiger192
4.Ryoyu Kobayashi190
5.Philipp Aschenwald164

Skispringen | Weltcupstand Damen

NameP
1.Maren Lundby200
2.Chiara Hölzl140
3.Eva Pinkelnig125
4.Ema Klinec100
5.Sara Takanashi89

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