Skispringen Frauen - so läuft die kommende Saison

 Eva Pinkelnig aus Österreich in Aktion bei ihrem ersten Sprung.

Saisoncheck

Skispringen Frauen - so läuft die kommende Saison

Die Skispringerinnen können sich im Weltcup, der Nordischen Ski-WM, bei der RAW-Air- und Blue-Bird-Tour und auf der Großschanze messen. Die Elite liegt eng beieinander - und verspricht spannende Duelle.

Saisonauftakt

Die Skispringerinnen starten am 5. Dezember 2020 in den Weltcup 2020/21.

So lief die vergangene Saison aus deutscher Sicht:

Nur Katharina Althaus konnte wirklich überzeugen: Zwei Mal stand sie in der vergangenen Saison auf dem Podest. Platz fünf erreichte sie im Gesamtweltcup. Vom DSV wurde sie für ihre herausragende Saisonleistung mit dem Goldenen Ski ausgezeichnet. Juliane Seyfarth konnte sich dagegen nicht ganz so konstant präsentieren, war als Gesamtelfte dennoch die Nummer zwei im Team.

Mit Plätzen in den Top 20 bestätigten Selina Freitag und Luisa Görlich das Vertrauen der Trainer in ihr Potenzial. Görlich fuhr mit Platz zehn ihr bestes Weltcupergebnis ein und schloss als 20. des Gesamtweltcups ab. Svenja Würth hatte Formschwankungen und beendete die Saison als 24. Sie wechselt für die Weltcup-Premiere der Kombiniererinnen die Disziplin. Sotschi-Olympiasiegerin Carina Vogt verpasste nach einem Kreuzbandriss im Juli 2019 die komplette Saison. Gianina Ernst beendete ihre Karriere mit 21 Jahren überraschend.

So lief die Vorbereitung

Althaus glaubt, dass sie "noch mal einen Schritt weiter gekommen" ist. Vor allem am Absprung und der Skiführung habe sie gearbeitet, "damit ich die Ski in die perfekte Position bekomme, um weit zu fliegen". Ihre stärkste Konkurrentin im Team will dagegen beim Start noch stabiler antreten, "sodass jeder Sprung kommt", erklärt Seyfarth, die vor allem die Landung optmieren wollte.

Nicht ganz so gut sieht es bei den Teamkolleginnen Carina Vogt und Ramona Straub aus: Vogt konnte im August, über 400 Tage nach ihrem Kreuzbandriss, ihre ersten Trainingssprünge absolvieren. Allerdings verfolgt die 28-Jährige das Verletzungspech. "Nach dem ersten Trainingslager riss ihr das Außenband am Sprunggelenk", erzählt Bundestrainer Andreas Bauer.

Nach der Rückkehr ins Training sei ihr dann im Knie eine Zyste geplatzt. "Das Knie ist immer noch gereizt“, so Bauer. Auch Straub hob nach fast eineinhalbjähriger Pause wieder ab, laboriert aber immer noch an Problemen mit ihrem Knie. "Sie kann die Trainingsbelastungen noch nicht ganz wegstecken."

Einen ersten Einblick in den Leistungstand gab es Ende Oktober bei den deutschen Meisterschaften. Vorfliegerin Althaus setzte sich vor Seyfarth und Nachwuchsspringerin Agnes Reisch durch. Rang vier ging an Luisa Görlich, die vor Anna Rupprecht landete. Die sechstplatzierte Selina Freitag sicherte sich den Titel bei den Juniorinnen.

Die Top-Favoritinnen

Bereits zum vierten Mal geht Maren Lundby als Titelverteidigerin im Gesamtweltcup an den Start. Doch das österreichische Team hat mit Chiara Hölzl und Eva Pikelnig zwei heiße Anwärterinnen auf die Spitzenposition. Auch Sara Takanashi ist wieder eine Kandidatin fürs Podest.

Die Skisprung-Favoritinnen des Winters

Bei den Skispringerinnen dominiert die Norwegerin Maren Lundby. Doch zwei Österreicherinnen rütteln am Weltcupthron. In unserem Favoritencheck stellen wir die aussichtsreichsten Kandidatinnen auf den Gesamtweltcup-Sieg und die WM-Medaillen vor.

Maren Lundby

Maren Lundby (NOR) Die Norwegerin dominierte in der vergangenen Saison die Wettbewerbe - und das nicht zum ersten Mal. Sie hatte schon 2017/18 und 2018/19 gewonnen. Auch in der WM-Saison wird der Gesamtweltcup und die Medaillenvergabe nur über die 26-Jährige gehen.

Maren Lundby (NOR) Die Norwegerin dominierte in der vergangenen Saison die Wettbewerbe - und das nicht zum ersten Mal. Sie hatte schon 2017/18 und 2018/19 gewonnen. Auch in der WM-Saison wird der Gesamtweltcup und die Medaillenvergabe nur über die 26-Jährige gehen.

Chiara Hölzl (AUT): Sie lieferte sich auf der Schanze ein enges Duell mit Lundby. Sechs Siege gingen auf ihr Konto. Am Ende fehlten ihr nur 65 Punkte auf Platz eins im Gesamtweltcup.

Eva Pinkelnig (AUT): Sie bildete mit Hölzl das erfolgreichste Doppelzimmer des Winters 2019/20. Die 32-Jährige sammelte drei Siege im Einzel ein und knackte wie Hölzl und Lundby die 1.000-Punkte-Marke in der Gesamtwertung.

Sara Takanashi (JPN): Die Japanerin kann immer einen Platz unter den Top drei herausholen. Zum Abschluss der Saison feierte sie ihren 57. Weltcup-Sieg und machte damit 100 Podestplätze voll.

Katharina Althaus (GER): Die 24-jährige Oberstdorferin wurde in der Gesamtwertung zwar Fünfte, doch in der vergangenen Saison war noch Luft nach oben: Nur zwei Mal stand sie auf dem Treppchen. Die 2021 anstehende Heim-WM in Oberstdorf gibt sicher den nötigen Motivationsschub, um öfter bei der Podestvergabe mitzumischen.

Mit Marita Kramer reift beim ÖSV ein Ausnahmetalent heran. Auch Norwegen hat laut Bauer eine junge Kandidatin mit viel Potential: Eirin Maria Kvandal setzte sich bei den nationalen Meisterschaften durch. Die Topfavoritinnen, glaubt Bauer, werden aber wieder "die alten Bekannten" um Lundby, Hölzl, Takanashi und Co sein, "die sich dort vorne matchen".

Deutsche Chancen

"Die Konkurrenz ist stark", sagt Bauer. Aber "ich denke, wir können gut mithalten". Katharina Althaus ist die Hoffnungsträgerin auf Podestplätze und Medaillen. Dass die WM vor ihrer Haustür stattfindet, wird der 24-Jährigen sicher den nötigen Motivationsschub für Edelmetal geben. "Ich möchte natürlich wieder vorne mitmischen“, sagt sie selbstbewusst. Juliane Seyfarth ist die zweite Konstante im Team: Die 30-Jährige kann von ihrer Erfahrung profitieren, in die Top Ten und vielleicht auch aufs Treppchen fliegen. Ihr Ziel: "Bei der WM gute Sprünge zeigen."

Danach sieht Bauer allerdings ein großes Loch. Dem Bundestrainer fehlen noch die Leistungsträgerinnen Carina Vogt und Ramona Straub in Topform. Mit der 19-jährigen Selina Freitag und der 21-jährigen Luisa Görlich sind immerhin zwei Nachwuchsathletinnen dabei, die sich wieder für einen Platz in der Top-Gruppe empfehlen können.

Agnes Reisch zeigte bei den Deutschen Meisterschaften ihre Qualität: "Agnes hatte schon immer angedeutet, dass sie vorne in die Top 15 reinstechen kann." Noch fehle ihr aber die Konstanz. Doch Bauer ist zuversichtlich: "Sie macht mir eine sehr stabilen Eindruck und könnte eine feste Stütze im Weltcup-Team werden." Bis zum Saisonhöhepunkt sind es noch ein paar Monate, die man nutzen will. Denn "ein schlagkräftiges Team für die WM habe ich noch nicht“, räumt Bauer ein.

Höhepunkte

Großes Ziel ist die vom 23. Februar bis zum 7. März 2021 in Oberstdorf ausgetragene Nordische Skiweltmeisterschaft. Dort krönen die Skispringerinnen zum ersten Mal eine Weltmeisterin auf der Großschanze. Auch die RAW-Air- und die Blue-Bird-Tour sind seit 2019 Highlights im Kalender.

Regeländerungen

Die Skispringerinnen haben bei ihren Bemühungen um Gleichberechtigung einen weiteren Etappensieg gefeiert und dürfen bei der Nordisch-WM in Oberstdorf erstmals ihre Weltmeisterin von der Großschanze ermitteln.

Auswirkungen der Corona-Pandemie

Die Veranstalter der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft planen derzeit mit Zuschauern auf Sitzplätzen an den Wettkampfstätten. Man plane mit "mindestens 2.500 Zuschauern im Skisprungstadion" und "2.000 + X im Langlaufstadion", sagte Moritz Beckers-Schwarz, einer der Geschäftsführer der Nordischen Ski-WM GmbH, im November. "Wir haben das Thema Pandemie sehr ernst im Blick und gehen kein Risiko ein."

mla/DSV | Stand: 02.11.2020, 08:25

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