Skispringen - so läuft die kommende Saison

Skispringer Andreas Wellinger springt in Oslo

Saisoncheck

Skispringen - so läuft die kommende Saison

Die Skispringer können sich im Weltcup und gleich bei drei Top-Events messen. Skiflug-Weltmeisterschaft, Vierschanzentournee und die Nordische Ski-WM versprechen spannende Schanzenduelle.

Saisonauftakt

Die Skispringer starten am Wochenende vom 20. bis 22. November 2020 in den Weltcup 2020/21.

So lief die vergangene Saison aus deutscher Sicht:

Karl Geiger und Stephan Leyhe waren unter dem neuen Bundestrainer Stefan Horngacher die Hauptakteure. Der 27-jährige Geiger sammelte vier Einzel-Siege und vier weitere Podestplätze. Vier Mal sprang er auch bei der Vierschanzentournee aufs Podest. Stephan Leyhe gelangen ein Weltcup-Sieg und vier Plätze unter den Top drei. Geiger kam im Gesamtweltcup auf Platz zwei, Leyhe wurde Sechster.

Auch Youngster Constantin Schmid holte einen Podestplatz und ließ immer wieder sein Potenzial für die Zukunft aufblitzen. Im Team konnten die deutschen Ski-Adler zwei Erfolge feiern. Markus Eisenbichler erlebte dagegen eine Saison zum Vergessen. Richard Freitag schien völlig von der Rolle.

Leyhe musste zum Saisonende noch eine bittere Pille schlucken: Bei der Raw-Air-Tournee verletzte er sich schwer und zog sich einen Kreuzbandriss zu.

So lief die Vorbereitung

Vorflieger Geiger ist dabei, "sich das letzte Feintuning zu holen". Im Kraftbereich und der Athletik habe er versucht, "noch eine Schippe draufzupacken". Coronabedingt sei es aber schwierig, im internationalen Vergleich zu wissen, wo man steht, da nach dem Saisonende keine Wettbewerbe mehr stattgefunden haben. Die Konkurrenten Stefan Kraft und Ryoyu Kobayashi "habe ich das ganze Jahr nicht mehr gesehen".

Teamkollege Eisenbichler hat die durchwachsene Leistung in der vergangenen Saison nach eigenen Angaben abgehakt und intensiv an der Fitness gearbeitet. Der 29-Jährige will insgesamt in der Form stabiler werden. Da der internationale Vergleich fehlt, vertraut der Siegsdorfer auf sein Körpergefühl und die Trainingsleistungen.

"Im Endeffekt entscheidet es der Kopf, ob man bereit ist oder nicht." Auch Stefan Horngacher ist zufrieden: "Er hat sich definitiv weiterentwickelt." Severin Freund kann noch nicht sagen, wie weit er aktuell von der Spitze weg ist. Es ist eine Weile her, dass ich "absolutes Top-Niveau hatte". Jetzt liege es an ihm, sich weiterzuentwickeln. Immerhin könne er sich darauf verlassen, dass "im Wettkampf die besseren Sprünge kommen".

Die Top-Favoriten

Gesamtweltcupsieger Stefan Kraft geht als Titelverteidiger in die Saison. Auch Karl Geiger gehört, wie der Vierschanzentourneesieger 2018/19 Ryoyu Kobayashi, zu den Top-Favoriten. Zu rechnen ist auch mit den Polen Dawid Kubacki und Kamil Stoch. Allerdings wird es sicher wieder Überraschungen und neue Überflieger geben.

Die Skisprung-Favoriten des Winters

Kann Stefan Kraft seine Erfolge aus dem Vorjahr wiederholen oder schaffen Geiger, Kubacki, und Co. den Sprung an die Spitze? In unserem Favoritencheck stellen wir die aussichtsreichsten Kandidaten auf den Gesamtweltcup-Sieg und die WM-Medaillen vor.

Stefan Kraft

Stefan Kraft (AUT): Der Österreicher kann auf eine sehr erfolgreiche Saison zurückblicken. Fünf Weltcupsiege im Einzel, einer im Team und der Sieg im Gesamtweltcup. Ist er fit, gehört er sicher auch in der WM-Saison im Kampf um Podest-Plätze und Medaillen zu den Topfavoriten.

Stefan Kraft (AUT): Der Österreicher kann auf eine sehr erfolgreiche Saison zurückblicken. Fünf Weltcupsiege im Einzel, einer im Team und der Sieg im Gesamtweltcup. Ist er fit, gehört er sicher auch in der WM-Saison im Kampf um Podest-Plätze und Medaillen zu den Topfavoriten.

Dawid Kubacki (POL): Der Pole hat einen rasanten Aufstieg hinter sich. Im Januar 2019 gewann er sein erstes Weltcupspringen und danach WM-Gold in Seefeld. Nur ein Jahr später dann die Vierschanzentournee. Mit diesen Erfolgen im Rücken geht er als Mitfavorit ins Rennen.

Karl Geiger (GER): Der 27-Jährige ist aktuell erster Hoffnungsträger im DSV-Team. In der vergangenen Saison sammelte der Oberstdorfer vier Einzel-Siege und vier weitere Podestplätze. Vier Mal sprang er auch bei der Vierschanzentournee aufs Podest. Wenn er an seine Form vom Vorjahr anknüpfen kann, ist auch der ganz große Coup möglich.

Ryoyu Kobayashi (JPN): So dominant wie in der Saison 2018/19 mit dem Gewinn des Gesamtweltcups und der Vierschanzentournee konnte der Japaner in der vergangenen Saison nicht abspringen. Weite Sprünge und Weltcupsiege lieferte er dennoch ab. Deshalb sollte man den noch 23-Jährigen (8.11.1996) auch wieder auf dem Zettel haben.

Kamil Stoch (POL): Er hat zwar nicht mehr den Glanz seiner besten Tage, doch an einem Guten ist mit dem Polen ganz vorne zu rechnen. Im Gesamtweltcup war er 2019/20 immerhin in den Top fünf zu finden.

Stephan Leyhe (GER): Anfang 2020 gelang dem 28-Jährigen der erste Sieg seiner Karriere. Bei der Raw-Air-Tournee verletzte er sich dann schwer. Die Saison beendete er als Gesamtsechster. Ob er an die gute Form anknüpfen kann, wird sich nach der Reha zeigen.

Marius Lindvik: Mit dem 22-Jährigen wird zu rechnen sein. 2020 stellte er im Rahmen der Vierschanzentournee mit 143,5 Metern den Schanzenrekord auf der Großen Olympiaschanze in Garmisch-Partenkirchen ein. Auch das Springen in Innsbruck konnte er für sich entscheiden. Die Tour beendete er als Gesamtzweiter.

Deutsche Chancen

Karl Geiger ist der erster Hoffnungsträger im DSV-Team. Wenn er an seine Form vom Vorjahr anknüpfen kann, ist auch der ganz große Coup möglich. "Ich schau, dass ich beim Weltcupauftakt 'gscheit‘ dasteh'", kündigte der Oberstdorfer an.

Markus Eisenbichler, der Dreichfachweltmeister von 2019 und diesjährige deutsche Meister, fühlt sich nicht nur mental fit für die neue WM-Saison und bringt seine Ziele auf den Punkt: "Einfach gut Skispringen und die Fans begeistern - und mich auch." Dass er das schafft, glaubt auch der Bundestrainer: "Markus ist schon seit ganz langer Zeit auf hohem Niveau." Großes traut er zudem Constantin Schmid zu: "Der Constantin kann definitiv ein Vorflieger werden. Er ist auf einem guten Weg dahin."

Olympiasieger Andreas Wellinger will dagegen nach langer Verletzungspause wieder zurück in die Spitzengruppe. "Auf den Andi können wir im Winter sicher zählen", glaubt Horngacher, auch wenn Wellinger bei den Deutschen Meisterschaften Ende Oktober noch nicht überzeugen konnte. Hoffnungsträger Stephan Leyhe wird hingegen die komplette Saison verpassen: "In diesem Jahr springt der Stephan definitiv nicht", erklärte der Bundestrainer.

Höhepunkte

Mitte Dezember soll die wegen der Corona-Pandemie in der vergangenen Saison ausgefallene Skiflug-Weltmeisterschaft im slowenischen Planica nachgeholt werden. Die traditonelle Vierschanzentournee beginnt am 29. Dezember in Oberstdorf. Es folgen das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen und die Wettbwerbe in Innsbruck (3. Januar) und Bischofshofen (6. Januar). Vom 23. Februar bis zum 7. März 2021 findet in Oberstdorf die Nordische Skiweltmeisterschaft statt.

Auswirkungen der Corona-Pandemie

Nur ein Zehntel der Zuschauer, strenge Abstandsregeln und Maskenpflicht in der kompletten Audi-Arena: Beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee wurde das Kartenkontigent massiv eingeschränkt. Statt 25.000 Zuschauern dürfen dieses Jahr nur 2.500 ins Skisprungstation. In Garmisch-Partenkirchen wird komplett ohne Zuschauer geplant.

Die Veranstalter der Ski-Weltmeisterschaft planen derzeit mit Zuschauern auf Sitzplätzen an den Wettkampfstätten. Man gehe von "mindestens 2.500 Zuschauern im Skisprungstadion und 2.000 + X im Langlaufstadion aus", sagte Moritz Beckers-Schwarz, einer der Geschäftsführer der Nordischen Ski-WM GmbH, im November. "Wir haben das Thema Pandemie sehr ernst im Blick und gehen kein Risiko ein."

Stand: 02.11.2020, 08:01

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