Der Kampf der Skisprung-Frauen um Wettkämpfe

"Ich will Skifliegen" - der Kampf der Frauen um Wettkämpfe Sportschau 30.12.2020 03:27 Min. Verfügbar bis 30.12.2021 Das Erste

Keine Tournee und Flugverbot

Der Kampf der Skisprung-Frauen um Wettkämpfe

Keine Vierschanzentournee, kein Skifliegen, weniger Geld: Die Skispringerinnen fühlen sich gegenüber den männlichen Kollegen zurückgesetzt. Bis zu einer Gleichbehandlung ist es noch ein weiter Weg.

Für die Skispringer läuft zur Zeit die Vierschanzentournee vor einem Millionen-Publikum am Fernseher - die Skispringerinnen gucken in die Röhre. Die Skispringer kürten gerade Karl Geiger zum Weltmeister im Fliegen - die Skispringerinnen haben Flugverbot. In keiner Wintersport-Disziplin ist die Gleichberechtigung derart auf der Strecke geblieben wie in der spektakulärsten.

Skispringerinnen kämpfen für Gleichberechtigung

Und deshalb begehren die Springerinnen immer lauter auf. "Wir kämpfen dafür. Wir sprechen es immer wieder an, und wir hoffen, dass es spätestens im nächsten Jahr soweit ist. Aber wir wissen noch nichts Konkretes", sagt Katharina Althaus der Sportschau. Tournee-Präsident Johann Pichler glaubt indes nicht daran, dass die Frauen bereits nächstes Jahr eine Vierschanzentournee austragen werden. "Aufgrund der Corona-Situation wird sich eine Frauen-Tournee um das eine oder andere Jahr nach hinten verschieben. So wie es jetzt ausschaut, wird es auch für das kommende Jahr sehr schwierig werden", sagte Pichler der Nachrichtenagentur APA. 

Auch Skisprung-Renndirektor Sandro Pertile vom Weltverband FIS zeigt sich für eine Vierschanzentournee für Frauen grundsätzlich offen. "Die ersten Schritte müssen die nationalen Verbände wie der ÖSV und der DSV machen. Ich glaube aber, dass man bald eine Vierschanzentournee für Frauen sehen kann."

Erstmals sind die Frauen bei der WM den Männern gleichgestellt

Einen kleinen Erfolg in Sachen Gleichberechtigung können die Skispringerinnen immerhin schon verbuchen: Bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf gehen die Frauen erstmals von der Großschanze auf Titeljagd. "Wir sind zum ersten Mal bei den Medaillenentscheidungen den Männern gleichgestellt. Es hat sich in den letzten Jahren schon etwas getan. Aber die Vierschanzentournee und das Skifliegen sind die beiden Dinge, die noch fehlen", stellt Andreas Bauer, Skisprungtrainer der Frauen, gegenüber der Sportschau fest.

Erst ein Weltcup für die Frauen bislang in dieser Saison

Doch gerade die laufende Saison verdeutlicht das Randdasein des Frauenspringens: Coronabedingt waren die ersten drei Weltcup-Stationen abgesagt worden, anders als bei den Männern ist die Suche nach Ersatzausrichtern maximal schwierig - dass Ramsau Mitte Dezember kurzfristig einsprang, war ein Segen. Andernfalls hätten die Springerinnen erst am 23. Januar ihren ersten Weltcup bestritten - zwei Monate nach den Männern.

Umso lauter werden die Forderungen, den Frauen-Kalender wie im Biathlon mit jenem der Männer zu synchronisieren - inklusive Frauen-Vierschanzentournee. "Ein praktikabler Weg bei der Tournee wäre am Qualifikationstag der Männer zwei Durchgänge der Damen anzuschließen", sagt Bauer. Bei der Raw Air in Norwegen, der zweiten großen Sprungserie, sind die Frauen bereits seit 2019 mit dabei.

Skispringerinnen kassieren deutlich weniger

Doch mit einer Frauen-Tournee alleine wäre es nicht getan. Da wären die Preisgelder - die Frauen kassieren nur ein Drittel der Männer-Prämien. "Die Frauen machen genauso einen Wettkampf wie wir, sie bringen die gleiche Leistung und sollten dafür eigentlich das gleiche kriegen", fordert Karl Geiger.

Der unerfüllte Traum vom Fliegen

Und schließlich bleibt da noch der unerfüllte Traum vom Fliegen. Vor 18 Jahren flog die Österreichein Daniela Iraschko-Stolz als Vorspringerin am Kulm auf 200 Meter. Danach war Skifliegen für Frauen lange sogar verboten. Der Ski-Weltverband FIS wehrt sich vehement gegen Frauen-Wettbewerbe auf Flugschanzen. "Die FIS hat offenbar Angst davor, dass die Frauen zu stark werden", sagt Althaus: "Auf den Monsterbakken wäre nämlich deutlich geworden, dass die Besten den ganz großen Schanzen absolut gewachsen sind. Vielleicht würde sich dort zeigen, dass Frauen gegenüber Männern sogar Vorteile haben und weiter fliegen."

nho/sid/dpa | Stand: 02.01.2021, 11:33

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