Des Skispringers neue Kleider

Skispringen - die Prüfung der Anzüge führt zu Disqualifikationen Sportschau 01.12.2019 01:56 Min. Verfügbar bis 01.12.2020 Das Erste

Disqualifikationen

Des Skispringers neue Kleider

Von Andreas Böhmer, SWR

Beim ersten Springen in Kuusamo stand am Ende weniger der zweite Saisonsieg des Norwegers Daniel Andre Tande im Vordergrund, sondern vielmehr die Disqualifikation von fünf Topspringern.

Bereits nach ihrem ersten Sprung wurden Johann André Forfang (NOR) und Robert Johansson (NOR) bei der Überprüfung der Anzüge aus dem Verkehr gezogen, nach dem Springen dann der nächste große Knall. Auch die Anzüge der ursprünglich Zweit- und Drittplatzierten, Marius Lindvik (NOR) und Peter Prevc (SLO) sowie des Zehnten, Anže Semenič (SLO), entsprachen nicht dem Reglement. Doch welche Bestimmungen gelten für die Anzüge?

Form und Passgenauigkeit exakt vorgeschrieben

Die wohl bekannteste Regel schreibt vor, dass der Anzug so eng am Springer sitzt, dass im Schritt maximal 10 Zentimeter zwischen Anzug und Springer liegen. Doch auch die Dicke der Anzüge, die Breite der Beine und viele weitere Details sind im Reglement über mehrere Seiten genau festgelegt. Selbst die Form und Art der Unterwäsche ist im offiziellen FIS-Reglement genau beschrieben.

Norwegen-Trainer Stöckl: "Man erstellt die Stoffe am Limit" Sportschau 01.12.2019 00:58 Min. Verfügbar bis 01.12.2020 Das Erste

Damit soll verhindert werden, dass die Springer ähnlich wie Flughörnchen einen unzulässigen Vorteil bekommen und zu windanfällig werden. Bevor die Springer an auf den Balken dürfen, wird deshalb bei jedem überprüft, ob alles passt. Wer nach der Kontrolle nochmal etwas am Anzug verändert, wird disqualifiziert. Nach dem Springen werden die Top 10 ebenfalls noch einmal überprüft und beim Rest des Feldes stichprobenartige Kontrollen durchgeführt.

Skispringen - das Reglement zu den Anzügen Sportschau 01.12.2019 01:03 Min. Verfügbar bis 01.12.2020 Das Erste

Da sich der Stoff jedoch an den Knien und beim An- und Ausziehen dehnt, wird er teilweise jeden Abend neu zusammsammengenäht. So liegt er beim Wettkampf so eng wie möglich am Körper.

Die Anzüge dürfen nicht winddicht sein

Robert Johansson in Ruka (30.11.3019)

Robert Johansson

Die Disqualifikationen von Forfang und Johansson in Kuusamo war jedoch nicht in der Form oder Passgenauigkeit der Anzüge begründet, sondern in der Durchlässigkeit der Anzüge. Denn auch das Material der Anzüge ist genaustens festgelegt. Einerseits muss der Anzug zwischen sechs und vier Millimeter dick sein und andererseits sind auch die fünf verbundenen Schichten eines Anzugs genau festgelegt. Oberstoff, erste Lage Schaum, elastische Membran, Schaum und Futterstoff werden fest zu einem Stoff laminiert. Für diesen Stoff schreibt die FIS nun vor, dass das ungestreckte Gewebe eine mittlere Luftdurchlässigkeit von mindestens 40 Litern pro Quadratmeter und Sekunde bei 10 MillimeterWasserdruck aufweisen.

Neue Anzüge, neue Probleme

Exakt hier lag nun das Problem. Forfang und Johansson gingen in Kuusamo mit neuen Anzügen an den Start und wurden wegen mangelnder Durchlässigkeit der Anzüge disqualifiziert. Auch diese wird mittels einer Apparatur gemessen. Dabei wird der Anzug zwischen fixiert und Druckluft auf den Anzug geblasen, um so die Durchlässigkeit zu überprüfen.

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Alexander Stöckl, Trainer der Norweger, wollte nach dem Wettkampf mit dem Kontrolleuren sprechen, um zu analysieren, wo das Problem gelegen habe.

Klarer Wettbewerbsvorteil?

Das die Norweger mit den neuen Anzügen sehr gut zurechtkamen, konnte man bereits bei der Nordischen Kombination sehen, als Jarl Magnus Riiber dem Feld davonflog und dann auch den zweiten Saisonsieg einfahren konnte. Bei der Konkurrenz wachsen die Bedenken.

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So bezeichnete der Trainer der Deutschen Springer Stefan Horngacher die Leistungsexplosion der Norweger als „suspekt“. Bemerkenswerte Randnotiz in diesem Drama: Der siegreiche Norweger Tande sprang in seinem alten Anzug zum Sieg und konnte sich die Diskussionen somit ganz entspannt vom Siegertreppchen aus anschauen, während sich vor dem Büro des Kontrolleurs regelrecht eine Schlange bildete.

Es wird in den nächsten Tagen und Wochen nun spannend zu sehen sein, wie Offizielle und Nationen mit den neuen Anzügen umgehen und ob der Siegeszug der Norweger weitergeht. Denn ab und an springen Norweger zwar auch nackt von der Schanze, aber auch das erlaubt das Reglement sicher nicht.

Stand: 01.12.2019, 14:01

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