Die Erfolgsformel von Skispringer Markus Eisenbichler

Markus Eisenbichler in Ruka

Führung im Gesamtweltcup

Die Erfolgsformel von Skispringer Markus Eisenbichler

Coronabedingt konnte Skispringer Markus Eisenbichler im Frühjahr und Sommer nicht wie gewohnt trainieren. Doch genau das scheint den 29-Jährigen zu beflügeln.

Ein langgezogenes "Jaaa!", dann ein kurzer Ausflug ins Bayerische: "Zwoater is aa geil", schrie Markus Eisenbichler ins Zielstadion der Rukatunturi-Schanze im finnischen Kuusamo und streckte die Victory-Finger Richtung Fernsehkamera.

Dabei hatte Eisenbichler gerade einen seiner schwächeren Saisonsprünge abgeliefert und musste den Norweger Halvor Egner Granerud noch vorbeiziehen lassen. Im dritten Einzelspringen des Winters stand Eisenbichler erstmals nicht ganz oben auf dem Podest.

Eisenbichler bleibt "im Arbeitsmodus"

Geschenkt. Skispringer sind es gewohnt, zwischen den Extremen zu wandeln. So schnell es nach oben geht, ist man wieder ganz unten. "Wir bleiben im Arbeitsmodus, arbeiten das jetzt wieder auf. Ich genieße den Moment, aber dann wird sich wieder auf das Wesentliche konzentriert, nämlich: Skispringen", sagte er nach dem Ruka-Wochenende.

Eisenbichler weiß, wie schnelllebig sein Sport sein kann. Er galt nach drei Weltmeistertiteln 2019 schon als der neue Überflieger, im vergangenen Winter 2019/20 glückte ihm dann nicht viel.

Skispringen: Eisenbichler holt unter schwierigen Bedingungen Platz zwei Sportschau 29.11.2020 02:49 Min. Verfügbar bis 29.11.2021 Das Erste

Bundestrainer Horngacher lobt Sommertraining

Woher der plötzliche Leistungsschub kommt? Bundestrainer Stefan Horngacher hat eine ganz simple Erklärung: Der 29-Jährige habe von den Corona-Beschränkungen profitiert - keine Wettkämpfe, dafür mehr Zeit für gezieltes Training.

"Der Sommer ganz ohne Wettkämpfe hat ihm geholfen. Er hat konsequent an seinen Dingen gearbeitet", sagt Horngacher.

Die Kraft der bayerischen Heimat

Und das auch noch mit Spaß. Weil in den ersten Monaten der Coronakrise an Schanzentrainining nicht zu denken war, ging's eben in der bayerischen Heimat mit Rad oder zu Fuß in die Berge oder zum Klettern.

Daneben sorgten Familie und Umfeld für die nötige Frische im Kopf. "Drei Monate am Stück zu Hause war ich vorher in meiner sportlichen Karriere noch nie", erzählte er im Sommer: "Das war sehr angenehm, mal ein bisschen Zeit mit meiner Freundin, meiner Familie und, als das wieder möglich war, auch mit meinen Freunden zu verbringen."

Die neue Frische im Kopf

Die wegen Corona ungeplant ungewöhnliche Sommervorbereitung hat bei Eisenbichler einiges bewirkt. "Der Kopf spielt immer eine Rolle", das wusste er schon länger. Aber im Sommer hatte er auch die Zeit, die richtigen Lehren aus der verkorksten letzten Saison zu ziehen.

"Man hat daraus gelernt, ich möchte nun nicht mehr besser springen als damals, sondern mich eher darauf konzentrieren, meine Stärken noch weiter zu verbessern", sagte er zwei Wochen vor dem Saisonstart. Da war er gerade deutscher Meister geworden, zum ersten Mal in seiner Karriere.

Der nationale Titel - in einem starken deutschen Team durchaus keine Selbstverständlichkeit. Denn "ich war oft in einer richtig guten Form vor einer deutschen Meisterschaft und dann habe ich es immer vermasselt", sagte der frischgebackene Champion.

Diesmal wollte er einfach nur "seinem Konzept treu bleiben" und genau das abrufen, was er im Sommer trainiert hat. Das klappte. Und nach den ersten Weltcups deutet vieles darauf hin, dass er auch international erstmal weiter für Furore sorgen kann - wenn er weiter an seinen Defiziten feilt, damit schwächere Sprünge immer seltener werden.

Demut statt Überheblichkeit

Schon nach dem Saisonauftakt und Sieg in Wisla hatte er nüchtern festgestellt: "Ich muss jetzt echt an der Landung arbeiten. Da vergebe ich einen Haufen Punkte und das möchte ich nicht."

Überheblich wird er trotz des starken Saisonauftakts also sicher nicht. Zudem ist der Bayer ohnehin zu geerdet: "Ich bin eher ein bisschen demütig. Ich weiß: Es geht schnell nach oben und schnell nach unten. Ich muss jeden Tag weiter hart arbeiten."

beb/dpa/sid | Stand: 30.11.2020, 16:30

Skispringen | Weltcupstand Herren

NameP
1.Halvor Egner Granerud948
2.Markus Eisenbichler684
3.Kamil Stoch622
4.Dawid Kubacki473
5.Piotr Zyla469
Darstellung: