Die deutschen Skisprungtrainer und ihre Erfolge

Bundestrainer Stefan Horngacher

Skispringen

Die deutschen Skisprungtrainer und ihre Erfolge

Stefan Horngacher trat als Skisprung-Bundestrainer in große Fußstapfen. Vor allem Werner Schuster und viele DDR-Übungsleiter wie Reinhard Heß feierten große Erfolge. Ein Überblick.

Horngacher ist der zehnte deutsche Skisprung-Bundestrainer seit 1960. Während Ewald Roscher und später Reinhard Heß und Wolfgang Schuster große Erfolge aufweisen können, gab es zwischenzeitlich auch tiefe Täler, durch das deutsche Skispringen musste. Stefan Horngacher hat sich aufgemacht, sich unter den erfolgreichen Bundestrainern einzureihen.

Die bundesdeutschen Skisprungtrainer im Überblick:

Ewald Roscher (1960 bis 1968 und 1980 bis 1988)

Wichtigste Erfolge: Olympia-Gold 1960 (Georg Thoma) und 1968 (Franz Keller/beides Nordische Kombination)

Ein Mann im DSV-Outfit schaut in die Kamera

Der Skisprung-Professor aus dem böhmischen Städtchen Gottesgab prägte den deutschen Schanzensport in zwei langen Etappen, dazwischen arbeitete Roscher - nachdem er 1968 von den DSV-Bossen abgesetzt worden war - höchst erfolgreich in der Schweiz. In seiner zweiten Amtszeit stoppte Roscher die jahrelange bundesdeutsche Talfahrt. Sein Motto - "20 Prozent eines Springers sind Talent, 80 Prozent sind harte Arbeit" - sollten sich auch Teile der heutigen Generation gerahmt über das Bett hängen.

Alois Gorjanc (1968 bis 1975)

Wichtigste Erfolge: -

"Hab' ich gehabt schon viele schwarze Tage", sagte der Jugoslawe nach dem deutschen Olympia-Debakel 1972: "In Sapporo waren es die schwärzesten. Aber jetzt werden Köpfe rollen." Sein eigener purzelte erst drei Jahre später. Dabei nahm ihn selbst Vorgänger Roscher in Schutz: "Ihn trifft keine Schuld. In der Bundesrepublik scheitert jede vernünftige Arbeit an Verbands- und Vereinsquerelen."

Günther Göllner (1975 bis 1977)

Wichtigste Erfolge: -

Wie Vorgänger Gorjanc verwaltete Göllner vor allem den Mangel: Während die DDR mit Hans-Georg Aschenbach und Jochen Danneberg groß auftrumpfte, spielte das Skispringen in der BRD kaum eine Rolle. Bei Olympia 1976 war dennoch ein leiser Aufwärtstrend spürbar. Nach seiner kurzen Amtszeit arbeitete Göllner höchst erfolgreich mit dem Nachwuchs, noch 2012 wurde er als deutscher Skisprung-Coach des Jahres ausgezeichnet.

Helmut Kurz (1977 bis 1980)

Wichtigste Erfolge: -

Als Bundestrainer blieb Kurz wie Gorjanc und Göllner glücklos, seine Reputation als Coach erarbeite er sich danach - unter anderem als Heimtrainer von Michael Uhrmann.

Rudi Tusch (1988 bis 1993)

Wichtigste Erfolge: Vierschanzentournee-Sieg 1989/90, WM-Titel 1990 im Skifliegen (beides Dieter Thoma)

Ein Mann im DSV-Outfit und Brille

Als Roschers Nachfolger profitierte Tusch zunächst vor allem von der Leistungsexplosion des jungen Dieter Thoma. In seine Amtszeit Zeit fiel allerdings die Umstellung vom Parallel- auf den V-Stil, mit der die Deutschen wie kaum ein anderes Land zu kämpfen hatten. Den olympischen Absturz 1992 überstand Tusch noch, nach dem WM-Debakel von Falun 1993 musste er gehen - ein Jahr später holte der DSV angeführt von Jens Weißflog zweimal Olympia-Gold.

Die ostdeutschen Skisprungtrainer im Überblick

Hans Renner (1954-1970​)

Wichtigste Erfolge:
Bronze Olympische Spiele Cortina d'Ampezzo 1956 (Harry Glaß)
Sieger Vierschanzentournee 1957/58 (Helmut Recknagel)
Bronze Weltmeisterschaft Lahti 1958 (Helmut Recknagel)
Sieger Vierschanzentournee 1958/59 (Helmut Recknagel)
Gold Olympische Spiele Squaw Valley 1960 (Helmut Recknagel)
Sieger Vierschanzentournee 1960/61 (Helmut Recknagel)
Gold und Bronze Weltmeisterschaft Zakopane 1962 (Helmut Recknagel)
Silber Weltmeisterschaft Oslo 1966 (Dieter Neuendorf)
Sieger Vierschanzentournee 1969/70 (Horst Queck)

Ernst Tallowitz (1970-1971) 

Wichtigste Erfolge:

Dieter Neuendorf (1971-1976)    

Wichtigste Erfolge:
Bronze Olympische Spiele Sapporo 1972 (Rainer Schmidt)
Sieger Vierschanzentournee 1972/73 (Rainer Schmidt)
Sieger Vierschanzentournee 1973/74 (Hans-Georg Aschenbach)
2x Gold, 2x Silber Weltmeisterschaft Falun 1974 (2x Hans-Georg Aschenbach, Heinz Wosioiwo, Dietrich Kampf)
Sieger Vierschanzentournee 1975/76 (Jochen Danneberg)
Gold, Silber und Bronze Olympische Spiele Innsbruck 1976 (Hans-Georg Aschenbach, Jochen Danneberg, Henry Glaß)

Gotthard Trommler (1976-1981)   

Wichtigste Erfolge:
Sieger Vierschanzentournee 1976/77 (Jochen Danneberg)
Gold, Silber, Bronze Weltmeisterschaft 1978 (Matthias Buse, Henry Glaß und Falko Weißpflog)
Silber Olympische Spiele Lake Placid 1980 (Manfred Deckert)

Hans-Dieter Grellmann (1981-1988)       

Wichtigste Erfolge:
Sieger Vierschanzentournee 1981/82 (Manfred Deckert)
Sieger Vierschanzentournee 1983/84 (Jens Weißflog)
Sieger Vierschanzentournee 1984/85 (Jens Weißflog)
Gold und Silber Olympische Spiele Sarajevo 1984 (Jens Weißflog)
Gold Weltmeisterschaft Seefeld )1985 (Jens Weißflog)

Reinhard Heß (1988-1990​)

Wichtigste Erfolge:
Gold und Silber Weltmeisterschaft Lathi 1989 (Jens Weißflog)
Sieger Vierschanzentournee 1989/90 (Jens Weißflog)

Die deutschen Skisprungtrainer im Überblick:

Reinhard Heß (1993 bis 2003)

Wichtigste Erfolge: Olympiasiege 1994 (Jens Weißflog und Team) und 2002 (Team), WM-Titel 1999 und 2001 (jeweils Martin Schmitt und Team), Vierschanzentournee-Sieg 2001/02 (Sven Hannawald)

Ein Mann im DSV-Outfit winkt mit Deutschlandfahne

Der Macher des deutschen Skispringens, als dessen Popularität um die Jahrtausendwende durch die Decke schoss. 2003 ging dann die WM in Val di Fiemme ziemlich in die Hose, im Team stimmte es nicht mehr - der verdiente Heß musste gehen. Lange konnte er seinen Ruhestand nicht genießen: 2007 starb er an Krebs.

Wolfgang Steiert (2003 bis 2004)

Wichtigster Erfolg: ein Weltcupsieg (Michael Uhrmann/17. Januar 2004 in Zakopane)

Ein Mann im DSV-Outfit steht an Sprungschanze

Als Heß-Assistent ein Erfolgsgarant, als Chef ein Missverständnis, das nach nur einem Jahr beendet wurde: Die "Ära" Steiert stand für Erfolgslosigkeit, autokratischen Stil und öffentliche Zerwürfnisse mit Springern.

Peter Rohwein (2004 bis 2008)

Wichtigster Erfolg: WM-Silber 2005 (Martin Schmitt)

Unter Rohwein, zuvor erfolgreicher Sprungcoach der DSV-Kombinierer, wurde die Stimmung zunächst besser, die Leistung nicht. 2005 trat Hannawald zurück, Schmitt stürzte in die Krise. Bei Olympia 2006 blieben die DSV-Adler wie zuletzt 1992 ohne Medaille. Rohwein vermisste den Rückhalt, rieb sich im Kompetenzgerangel vor allem mit Rudi Tusch, mittlerweile Technischer Direktor, auf. Nach der Saison 2007/08 warf Rohwein hin.

Werner Schuster (2008 bis 2019)

Größte Erfolge: WM-Titel 2015 (Severin Freund) und 2019 (Markus Eisenbichler), Gesamt-Weltcupsieg 2014/15 (Freund), Olympia-Gold 2018 (Andreas Wellinger), Olympia-Gold 2014 (Team) und WM-Gold 2019 (Team)

Werner Schuster

Werner Schuster

Vater Willy Schuster war bis 2005 deutscher Bundestrainer bei den Frauen. Während Schuster Senior dabei eher unbeachtet arbeitete, stand der Junior in seinen elf Jahren als Bundestrainer umso mehr im Rampenlicht: Unter dem Kleinwalsertaler, als Österreicher erster "Gastarbeiter" auf diesem Posten seit Alois Gorjanc, flogen die deutschen Adler wieder in die Weltklasse - und räumten bis auf die Tournee alles ab.

Stefan Horngacher (seit 2019)

Größte Erfolge: WM-Gold Skifliegen 2020 (Karl Geiger), WM-Gold 2021 (Mixed-Team). Zuvor als polnischer Nationalcoach: WM-Gold 2017 (Team), Olympia-Gold 2018, Tournee-Sieg 2016/17 und 2017/18 (jeweils Kamil Stoch), WM-Gold 2019 (Dawid Kubacki (alles als polnischer Nationaltrainer)

Der "Stef" trat im Frühjahr 2019 nach drei erfolgreichen Jahren in Polen das Erbe von Werner Schuster an, unter dem er beim DSV schon als Assistent gearbeitet hatte. Dabei knüpfte er nahtlos an die Erfolge seines Vorgängers an. Vorläufiger Höhepunkt: Karl Geigers WM-Titel im Skifliegen und die WM-Goldmedaille im Mixed-Teamwettbewerb bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf.

sid | Stand: 03.03.2021, 14:13

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