Auch im Einzel kein Treppchen für deutsche Springer

Geiger über Windbedingungen: "Man kann eh nichts dran ändern" Sportschau 24.11.2019 08:51 Min. Verfügbar bis 24.11.2020 Das Erste

Weltcup in Wisla

Auch im Einzel kein Treppchen für deutsche Springer

Die deutschen Skispringer sind beim ersten Einzel-Wettkampf der Saison vom Wind verweht worden und haben das Podest klar verpasst. Dabei sah es nach dem ersten Sprung noch sehr gut aus, denn Quali-Sieger Karl Geiger lag zu diesem Zeitpunkt noch in Führung.

Anze Lanisek, Sieger Daniel Andre Tande und Kamil Stoch

Anze Lanisek, Sieger Daniel Andre Tande und Kamil Stoch

Der Norweger Daniel Andre Tande hat den ersten Einzel-Wettkampf des Weltcup-Winters 2019/20 im polnischen Wisla für sich entschieden. Bei wechselhaften und teils unfairen Bedingungen kam er am besten zurecht und holte sich seinen sechsten Weltcup-Sieg. Komplettiert wurde das Podest vom Slowenen Anze Lanisek und dem Lokalmatadoren Kamil Stoch.

Geiger und Freitag vom Winde verweht

Mit den schwierigen äußeren Voraussetzungen kam von den deutschen Springern Karl Geiger am besten zurecht. Er setzte sich im ersten Durchgang mit einem Sprung auf 127 Metern an der Spitze fest. "Ich hab gleich gemerkt, dass das ein guter Sprung wird. Natürlich hatte ich auch etwas Glück", so der Vize-Weltmeister vom Bergisel nach Durchgang eins. Beim zweiten Sprung hatte er weniger Wind als sein direkter Kontrahent Tande und fiel noch auf Rang sieben zurück.

Auch Richard Freitag erwischte es im zweiten Durchgang nach einem Sprung auf nur 106 Meter. Er wurde bis auf Platz 24 durchgereicht. Dabei hatte er im ersten Versuch im entscheidenden Abschnitt Aufwind erwischt und war mit den besten Bedingungen aller deutschen Starter bis auf 131,5 Meter und Rang sieben gesegelt. "Der Sprung war gar nicht so gut, deswegen war ich froh über den Wind", sagte der Sachse noch nach seinem ersten Sprung im ZDF. Mit Pius Paschke schaffte es noch ein dritter deutscher Springer als 26. (118 m/ 106,5 m) unter die besten 30.

Deutsche Adler fliegen zu Saisonbeginn am Podest vorbei Sportschau 24.11.2019 03:26 Min. Verfügbar bis 24.11.2020 Das Erste

Horngacher sieht viel Gutes

Stefan Horngacher

Bundestrainer Stefan Horngacher

Dennoch fiel das Fazit von Bundestrainer Stefan Horngacher nach dem Weltcup-Auftakt gar nicht mal so negativ aus: "Es waren bei uns ein paar gute Sprünge dabei. Wir haben aber noch viel Wettkämpfe und vielleicht dann auch das Glück auf unserer Seite. Wir gehen aber mit einem guten Gefühl hier weg. Karl springt sehr stabil, Markus Eisenbichler hat sich wieder erholt, er hatte eine kleine Verletzung. Der Ritschi ist gut unterwegs. Stephan Leyhe hat auch gute Sprünge gezeigt. Sieben Leute haben sich qualifiziert. Es gibt viele positive Dinge. Aber nach wie vor ist es sehr schwer hier zu springen. Wir haben keine andere Möglichkeit als mitzumachen."

Kraft kritisiert Jury: "Wie Fußball elf gegen fünf"

Das österreichische Team, das am Samstag noch den Teamwettbewerb gewinnen konnte, hatte am Sonntag ebenfalls kein Glück mit dem Wind. Jan Hoerl war als bester ÖSV-Springer Zwölfter der Endabrechnung. Stefan Kraft landete gar nur auf Rang 21 und war danach spürbar bedient. "Von fair sind wir heute sehr weit weg. Das ist wie Fußballspielen elf gegen fünf“, sagte Österreichs Vorzeigespringer. Er hätte sich gewünscht, wenn die Jury im ersten Durchgang länger gewartet hätte, um zumindest einen gleichwertigen Durchgang über die Bühne zu bekommen.

Letzter Platz für Eisenbichler

Im von wechselnden Winden und einigen Pausen geprägten ersten Durchgang brauchte der Schweizer Andreas Schuler mit Startnummer 6 besonders viel Konzentration. Gleich dreimal wurde er wieder vom Startbalken gebeten, bevor er sich ins Tal stürzen konnte. Stephan Leyhe musste ebenfalls vom Balken und kam bei Seitenwind nicht in ein gutes Flugsystem. Somit war schon bei 110 Meter Schluss. "Es ist doof gelaufen heute", lautete seine kurze Analyse im Anschluss. Noch schlimmer erwischte es von den DSV-Topspringern Markus Eisenbichler. Der Weltmeister hatte extremen Rückenwind und wurde im oberen Drittel bereits bei 73 Metern auf den Hang gedrückt. In der Abrechnung bedeutete das den letzten Platz. "Mich hat es einfach nur zu Boden gedrückt. Das war ein Griff ins Klo", sagte Deutschland erfolgreichster Weitenjäger der Vorsaison. Bitter für ihn: Nur eine Minute später ging es für den Norweger Robert Johansson bei deutlich besserem Wind bis auf 130,5 Meter.

"Man braucht schon etwas Glück beim Sprung", fand auch Pius Paschke nach seinem ersten Sprung (118 m). Constantin Schmid erwischte bei seinem Sprung kein Luft-Polster und verpasste nach einem Satz auf 109,5 Meter das Finale der besten 30 Springer. Moritz Bär kam mit den widrigen äußeren Umständen ebenfalls nicht zurecht und landete bereits bei 93 Metern. Auch für ihn war damit bei seinem fünften Weltcup-Einsatz nach nur einem Sprung Schluss.

Das Thema im Programm: Sportschau, Das Erste, 24.11.2019, 18.00 Uhr.

rho | Stand: 24.11.2019, 13:40

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