Das müssen Sie zur neuen Skisprung-Saison wissen

Nordische Ski-WM, Skispringen Herren Normalschanze

Favoriten, Höhepunkte, Neuerungen, deutsche Medaillenchancen

Das müssen Sie zur neuen Skisprung-Saison wissen

Wann geht's los? Wer sind die Favoriten? Wie gut sind die Deutschen? Welche Neuerungen gibt es? Was sind die Höhepunkte? Springt Noriaki Kasai noch? Was machen die Frauen? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt's hier kompakt.

Wann und wo geht’s los?

Dieses Wochenende im polnischen Wisla. Am Freitag (16.11.2018, 18 Uhr) steht die erste Weltcup-Qualifikation des Winters an. Samstag, 17.11., 16 Uhr, gibt es ein Teamspringen, Sonntag, 18.11., 15 Uhr, den Einzelwettkampf von der Großschanze.

Was sind die Höhepunkte der Saison?

Nordische Ski-WM, Vierschanzentournee, sowie im März Skiflug-WM und RAW-Air-Tour. Im nacholympischen Winter dürften vor allem Weltmeisterschaft und Tournee die Springer motivieren. Die WM findet vom 19. Februar bis 3. März im österreichischen Seefeld statt, die Tour traditionell um den Jahreswechsel.

Wie stehen die Chancen für die Deutschen?

Bei den vergangenen sechs Weltmeisterschaften stand immer mindestens ein deutscher Springer oder eine deutsche Springerin auf dem Podest. Hoffnungen, dass die Serie auch in Seefeld fortgesetzt wird, machen die starken Vorjahres-Auftritte von Olympiasieger Andreas Wellinger und dem Weltcup-Gesamt-Zweiten Richard Freitag sowie das Comeback von Vorzeigespringer Severin Freund. Die bislang letzten Titelkämpfe ohne deutsche Medaille liegen schon fast 14 Jahre zurück, 2005 in Sapporo ging das DSV-Team komplett leer aus.

Andreas Wellinger und Markus Eisenbichler

Bei der letzten WM 2017 gab es u.a. Medaillen für Andreas Wellinger (li.) und Markus Eisenbichler (re.)

Noch länger liegt sogar der letzte deutsche Tourneesieg zurück. 2002 konnte Sven Hannawald triumphieren. Da war Andreas Wellinger gerade sechs Jahre alt. Ob ein Deutscher die Tournee gewinnen kann, hängt wohl vor allem davon ab, wie gut Vorjahres-Dominator Kamil Stoch in diesem Winter ist.

Wie gut ist Kamil Stoch?

Gute Frage. Im Sommer schwächelte Stoch nach gutem Beginn ein wenig. Zwei starke Jahre in Folge sind im Skispringen ohnehin selten: Keiner der vergangenen zehn Gesamtweltcup-Gewinner verteidigte seinen Titel erfolgreich. Freitag, Wellinger oder Freund dürfen also hoffen. Zumal Stoch inzwischen auch schon 31 ist...

Allerdings sind die statistischen Vorzeichen für Wellinger auch nicht gerade rosig. Seit 1985 hat es kein Einzel-Olympiasieger geschafft, im Jahr darauf die Tournee zu gewinnen. Das gelang zuletzt niemand geringerem als Jens Weißflog.

Teamspringen Nordische Ski-WM Lahti

Im vergangenen Winter war er der Triumphator: Kamil Stoch

Wer sind die Favoriten in diesem Winter?

Kamil Stoch ist der Top-Anwärter. Der Pole gewann vergangenes Jahr alle vier Springen bei der Tournee, wurde Einzel-Olympiasieger und gewann deutlich den Gesamtweltcup. Heiße Rivalen sind Stochs Landsmann Piotr Zyla, der sich im Sommer stärker präsentierte, der Norweger Robert Johansson, und Richard Freitag, der im vergangenen Winter Gesamtzweiter wurde. Deutlich der Beste im Sommer war übrigens der Russe Jewgeni Klimow. Mal sehen, ob sein System auch im Winter funktioniert.

Wie ist das deutsche Team aufgestellt?

Sehr ausgeglichen und mit einigen Trümpfen. Bundestrainer Werner Schuster zeigte sich "zuversichtlich, dass wir im Winter wieder eine schlagkräftige Truppe stellen". Neben Freitag und Olympiasieger Wellinger wollen auch Markus Eisenbichler, Stephan Leyhe und der im Sommer starke Karl Geiger in die Spitze stoßen. Mit Severin Freund kehrt zudem der jahrelange Leader zurück. "Die Mannschaft ist breiter denn je aufgestellt", erklärt Schuster.

Wann kehrt Severin Freund zurück?

Freund startet nach zwei Kreuzbandrissen mit einwöchiger Verspätung in Ruka/Kuusamo in die Saison. Die fast zwei Jahre ohne Wettkampf haben Spuren hinterlassen. „Ich werde ein paar Wettkämpfe brauchen, um Topleistungen zu bringen“, sagt der 30-Jährige, der inzwischen Vater geworden ist. Freunds Hauptaugenmerk gilt daher auch nicht der Vierschanzentournee, sondern der WM im Februar. Hochmotiviert ist Freund jedenfalls: "Ich habe gemerkt, dass noch etwas in mir ist - Leidenschaft, Freude, wie auch immer man es nennen mag", sagte er.

Severin Freund

Will bis zur WM wieder in Form sein: Severin Freund

Welche Neuerungen gibt es für die Saison?

Die Skispringer werden künftig ohne Schuhe - statt wie bisher mit Schuhen - gewogen. Um ihre ursprüngliche Skilänge behalten zu können, müssen die Athleten also bis zu zwei Kilo zunehmen. "Wenn man das nicht schafft, kürzt man den Ski", sagte Schuster.

Zudem soll eine neue Sensortechnik an den Bindungen der Athleten den Sport vergleichbarer machen. den TV-Zuschauern werden künftig noch mehr Daten angeboten. Neben der Geschwindigkeit beim Absprung werden auch der Speed nach 20 Metern Flug sowie bei der Landung gemessen, gleiches gilt für die Flughöhe. "Wir können so das Geheimnis eines guten oder schlechten Sprunges lüften", sagte FIS-Renndirektor Walter Hofer. Inwiefern der Zuschauer davon profitiert, ist ungewiss, weil die Werte der Sprünge unter verschiedenen Windbedingungen nur schwer vergleichbar sind.

Ist Noriaki Kasai noch immer dabei?

Na klar! Auch mit 46 Jahren hat der "Flugsaurier" aus Japan noch lange nicht genug, auch wenn er im vergangenen Winter nur Rang 26 im Gesamtweltcup belegte. Seit 1988 fliegt Kasai im Weltcup, sein Fernziel lautet Olympia 2022. Und danach? Erst kürzlich kündigte er an, dass er Olympia 2026 durchaus noch im Blick hat.

Noriaki Kasai mit der Startnummer 500

Er will noch mindestens bis 2022 springen, der 46-jährige Japaner Noriaki Kasai.

Und was ist mit den Österreichern?

Mit dem neuen Cheftrainer Andreas Felder soll alles besser werden, zumal Ende Februar die Heim-WM in Seefeld ansteht. Das ist auch dringend nötig: Die einstigen Überflieger holten vergangenen Winter keinen einzigen Sieg, nur Stefan Kraft schaffte es als Vierter unter die besten 20 der Gesamtwertung. Die Hoffnungen ruhen auf dem 25-jährigen Daniel Huber, der im Sommer bester Österreicher war und erst kürzlich auch den österreichischen Meistertitel von der Großschanze gewann. Aber ob es tatsächlich wieder zu Siegen reicht?

Nordische Ski-WM, Skispringen Herren Normalschanze

Springt Stefan Kraft nach einem eher durchwachsenen Jahr wieder ganz nach vorn?

Und die Frauen?

Auf eine Vierschanzentournee müssen die Frauen weiter warten, beim norwegischen Pendant sind Olympiasiegerin Carina Vogt und Co. künftig dagegen mit dabei. Bei der "Raw-Air-Tour" in Norwegen mit Stationen in Oslo, Lillehammer und Trondheim gehen die Weitenjägerinnen im März 2019 erstmals gemeinsam mit den Männern an den Start. Einzig das abschließende Skifliegen in Vikersund bleibt den Männern vorbehalten. Bei der WM in Seefeld steht erstmals ein Teamwettkampf der Frauen auf dem Programm. Und am Ende der Saison gibt es eine gänzlich neu ins Leben gerufene "Bluebird Tour", die vom 15. bis 24. März zwei Springen auf der Normalschanze in Nischni Tagil und einen Wettkampf auf der Großschanze in Tschaikowski umfasst.

Damen-Skipspringen Nordische Ski-WM Lahti

Für die Skispringerinnen um Carina Vogt gibt es in dieser Saison einige Neuerungen.

dh/dpa/sid | Stand: 15.11.2018, 07:48

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