Engelberg – mehr als ein normales Weltcup-Springen

Skispringen in Engelberg

Vor dem Weltcup

Engelberg – mehr als ein normales Weltcup-Springen

Von Sanny Stephan & Vera Siebnich

Nach der Zwangspause am letzten Wochenende gastiert der Skisprung-Tross ab Freitag auf der größten Naturschanze der Welt. Wer beim Weltcup in Engelberg zum Sieg fliegt, hat gute Chancen auch bei der Vierschanzen-Tournee abzuräumen. Das verrät ein Blick in die Statistik.

In den letzten 17 Jahren stand sieben Mal einer der Sieger von Engelberg auch bei der prestigeträchtigen Tournee ganz oben. Zuletzt gelang das Peter Prevc 2015. Sein jüngerer Bruder Domen hält mit 144 Metern übrigens den Schanzenrekord. Aufgestellt 2016.

Neun deutsche Siege in Engelberg

Doch auch die Deutschen haben beste Erinnerungen an die Groß-Titlis-Schanze, die seit dem Umbau 2016 den steilsten Anlauf im gesamten Weltcup hat. Sieben deutsche Tagessiege stehen in den Geschichtsbüchern. Den Anfang machte in der Saison 1981/82 Klaus Ostwald. Jens Weißflog gewann 1984/85 und 1987/88. Es folgten Martin Schmitt (1999/2000, beide Springen), Stephan Hocke (2001/02), Sven Hannawald (2002/03) und Richard Freitag (2014/15, 2017/18). Für Freitag war es der bislang letzter Weltcup-Sieg. Der Wahl-Oberstdorfer springt gerne in der Schweiz. "Ich mag Engelberg, das winterliche Flair in den Schweizer Bergen", sagte Freitag. Auch am kommenden Wochenende wird er wieder dabei sein – und sich hoffentlich Selbstvertrauen für die Tournee holen.

"Die wettkampffreien Tage konnten wir dann aber doch sehr gut zu Regeneration und Athletiktraining nutzen. Darüber hinaus absolvierten wir auch zwei Sprungeinheiten auf der WM-Schanze in Seefeld. Dieser kurzfristig anberaumte Lehrgang passte ideal in die Vorbereitung, da wir einerseits noch vor den Weltmeisterschaften auf der Anlange trainieren wollten und andererseits damit den Sprungrhythmus der letzten Wochen aufrechterhalten konnten", sagte Bundestrainer Werner Schuster. Richard Freitag trainierte mit seinem Heimtrainer Bernhard Metzler zwei Tage in Lillehammer, um wieder Stabilität und Sicherheit in seine Sprünge zu bringen.

Wer stoppt den Japaner Kobayashi?

Ryoyu Kobayashi

Ryoyu Kobayashi sorgte bisher für Furore.

Die Saison verlief für den Sachsen bisher holprig. Als 26. der Gesamtwertung mit nur 37 Weltcuppunkten  hinkt Freitag den eigenen Erwartungen hinterher. Freitag nutzte die Zwangspause am letzten Wochenende zum Training. Mit seinem Heimtrainer Bernhard Metzler war er zwei Tage in Lillehammer, um wieder Stabilität und Sicherheit in seine Sprünge zu bringen, erklärte Bundestrainer Werner Schuster. Die anderen Athleten absolvierten zwei Sprungeinheiten auf der WM-Schanze in Seefeld. "So sind wir im Rhythmus geblieben und nun bestens für den Weltcup in Engelberg vorbereitet", sagte Stephan Leyhe am Mittwoch. Als Gesamtfünfter ist der Schwarzwälder stark in die Saison gestartet, sieht aber durchaus noch Problemzonen: "Ich möchte die Zeit bis Weihnachten nutzen, um meine Technik weiter zu stabilisieren. Zuletzt ist es mir leider nicht gelungen, zwei gleichwertige Sprünge im Wettkampf abzurufen. Das will ich in Engelberg besser machen." Leyhe gehört wie Karl Geiger und Andreas Wellinger zu den Mitfavoriten.

Der Gejagte im Weltcup ist überraschend der Japaner Ryoyu Kobayashi, der einen Traumstart erwischt hat. Sollte er auch im Kanton Obwalden vorn mitfliegen, fährt nach den vielen Jahren der Dominanz der Polen, Norweger, Österreicher und Deutschen ein Japaner als Top-Favorit zur Vierschanzen-Tournee, die am 30. Dezember in Oberstdorf beginnt.

Weltcup gesichert

Nach der Absage des Weltcups von Titisee-Neustadt schauten die Skispringer gebannt ins gut 200 km entfernte Engelberg. Wie überall in Europa ist es auch in der Schweiz für die Jahreszeit zu warm, doch pünktlich zum Skisprung-Event fielen die Temperaturen in den Keller. Für das Wochenende sind weiter Minusgrade prognostiziert. "Die ganze Schanzenmannschaft rund um Schanzenchef Bini Amstutz leistet großartige Arbeit. Die Anlaufspur ist fertig eingebaut und kann gefräst werden. Der Naturschnee aus dem Gotthardgebiet wird kontinuierlich im Auslauf eingebaut", lobte der Schweizer Skisprung-Trainer Berni Schödler das Schanzenteam. Rund 4.000 Kubikmeter Schnee werden zur Präparation der Weltcup-Anlage benötigt.

Zeitplan
Freitag, 18 UhrQualifikation
Samstag, 16 UhrSpringen - 1. Durchgang/danach FinaldurchgangTicker
Sonntag, 14.15 UhrSpringen - 1. Durchgang/danach FinaldurchgangTicker

Thema in: MDR aktuell - das Nachrichtenradio, 15.12.2018, 16.40 Uhr

Stand: 12.12.2018, 10:20

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