Alpine Ski-WM: Das deutsche Team darf optimistisch sein

Felix Neureuther und Fritz Dopfer bei derm alpinen Ski-WM in Vail/ Beaver Creek 2015

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Alpine Ski-WM: Das deutsche Team darf optimistisch sein

Von Bernd Schmelzer

Die Alpine Ski-WM in Cortina d’Ampezzo steht im Zeichen der Pandemie. Aus sportlicher Sicht darf das deutsche Team jedoch hoffnungsvoll auf das Turnier blicken. Der WM-Blog.

Cortina nennen sie die Königin der Dolomiten. Mit Recht. Das Panorama ist einzigartig. Dieser kleine Zipfel Venetiens ist etwas ganz Besonderes. Ein mondäner Wintersport-Ort. Einst entdeckt vom österreichisch-ungarischen Adel, inzwischen die erste Adresse der italienischen Upper-Class. Und nun zum vierten Mal Schauplatz einer alpinen Ski-Weltmeisterschaft.

Corona d´Ampezzo

Das omnipräsente Coronavirus hat aus Cortina d’Ampezzo nun aber "Corona d’Ampezzo" gemacht. Heißt: Viele Berichterstatter werden nicht vor Ort sein. Sicherheitsgründe.

Meine 14. alpine Skiweltmeisterschaft ist deshalb zu einer Stay-at-home-Challenge geworden. Das Telefon wird heiß laufen. Eine andere Möglichkeit, an Informationen heranzukommen, gibt es prinzipiell ja nicht. Spektakulär werden die nächsten zwei Wochen so oder so.

Die Aussichten des deutschen Teams sind ziemlich gut. Gab es vor zwei Jahren in Åre/Schweden eine Medaille durch Viktoria Rebensburg im Riesenslalom (Silber), könnten es in Cortina vielleicht sogar zwei werden.

Optimismus berechtigt

Was der Grund für den Optimismus ist? Bei den Herren sind die Abfahrts- und Super-G-Spezialisten jederzeit in der Lage, aufs Podium zu fahren. Ihre starke Form haben sie in den vergangenen Monaten mehrfach unter Beweis gestellt - selbst wenn der Sprung aufs "Trepperl" nicht gelungen ist. Aber den kann man sich ja für den Saison-Höhepunkt aufsparen.

Bei den Technikern gelang das Linus Straßer gleich zwei Mal. Warum also nicht erneut? Die Frauen stellen mit drei Läuferinnen zwar nur ein kleines Team, doch gerade Kira Weidle ist in der Abfahrt einiges zuzutrauen.

Für Lena Dürr wird es im Slalom schwer. Doch der Parallel-Wettbewerb liegt ihr. Und beim Team-Event kann aus deutscher Sicht alles passieren. Von daher ist der Tipp doch gar nicht so unrealistisch, oder?

nicht-sportliche WM-Erinnerungen

Wenn ich auf die vergangenen 13 Weltmeisterschaften zurückblicke, sind aber auch viele nicht-sportliche Ereignisse in Erinnerung geblieben, die das Großereignis geprägt haben. 1995 etwa der Schneemangel in der Sierra Nevada, die WM musste um ein Jahr verschoben werden. 1997 die Windlotterien von Sestriere. Vail 1999, diverse Höhenkrankheiten.

Eine der launigsten Pressekonferenzen, die ich je erlebt habe, fand in St. Anton statt, 2001, als Florian Eckert Bronze in der Abfahrt gewann. Zwei Jahre später erblickte Felix Neureuther das WM-Licht und freute sich über "die feschen Hasen" am Hotel-Eingang.

Schweden-Pulli

2005 in Bormio gewann Deutschland beim neu geschaffenen Team-Wettbewerb gleich Gold. Im beschaulichen Are/Schweden, 2007, ging das DSV-Team komplett leer aus, den warmen Schweden-Pulli habe ich aber heute noch. Lindsey Vonn verletzte sich beim Öffnen der Champagnerflasche am Daumen, 2009 in Val d´Isere - Wahnsinn.

Traumwetter 2015

Stimmungsvoll und sehr emotional dann die Heim-WM 2011. Ich durfte die Eröffnungsfeier in Garmisch-Partenkirchen kommentieren. 2013 in Schladming mussten wir uns durch die unglaublichen Menschenmassen tagtäglich durch den Ort "wühlen".

Im Gegensatz dazu fanden die Wettkämpfe in Beaver Creek 2015 vor deutlich weniger Zuschauern statt. Dafür bei Traumwetter - vom Slalom der Herren mal abgesehen. Dafür holten die Herren Dopfer und Neureuther Silber und Bronze am letzten WM-Tag.

Tränen in St. Moritz

Bewegende Momente dann erneut in St. Moritz. Felix Neureuther kämpft nach Platz drei im Slalom mit den Tränen, wir haben alle mitgeschluchzt. Und schließlich wieder mal Are, 2019. Einer meiner Lieblingsorte. Eine CO2-freundliche WM. Ausschließlich Elektro-Autos, keine Plastik-Becher und -Verpackungen mehr. Von daher bin ich sehr gespannt auf Cortina. In der Hoffnung, dass nicht nur Corona das Geschehen abseits der Pisten beherrschen wird. Die Königin der Dolomiten hat doch so viel zu bieten.

Stand: 07.02.2021, 12:25

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