Lucas Braathen

Wintersport | Ski alpin

Von 29 auf 1: Braathen zündet bei Slalom in Wengen den Turbo

Stand: 16.01.2022, 14:32 Uhr

Lucas Braathen hat den völlig verrückten Weltcup-Slalom in Wengen gewonnen. Als 29. nach dem ersten Lauf rollte der Norweger das Feld von hinten auf. Linus Straßer fädelte im zweiten Lauf ein, dafür sorgte ein anderer Deutscher für Aufsehen.

Von Wolfram Porr

Freudentränen und Tränen der Wut - die Emotionen gingen mit den Läufern beim vierten Weltcup-Slalom des Winters durch. Während der Norweger Lucas Braathen sein Glück nicht fassen konnte, war sein Landsmann Henrik Kristoffersen am Boden zerstört.

Braathen feierte nach dem Triumph beim Riesenslalom von Sölden im Oktober 2020 erst den zweiten Weltcupsieg seiner Karriere - und das, nachdem er im ersten Lauf mit sage und schreibe 2,04 Sekunden Rückstand auf den führenden Kristoffersen nur auf Rang 29 lag.

Im Finaldurchgang nutzte er als zweiter Fahrer die noch jungfräuliche Piste und zündete in einem wahren Slalom-Krimi den Turbo. Volles Risiko, kein Fehler - Braathens Mut wurde belohnt. Nacheinander bissen sich alle vor ihm liegenden Fahrer die Zähne an seiner Fabelbestzeit aus.

Leichtsinnsfehler kostet Kristoffersen den Sieg

Einer stand aber noch oben: Henrik Kristoffersen. Der Routinier, der im ersten Lauf fehlerfrei geblieben war, sah bis vier Tore vor dem Ziel wie der sichere Sieger aus; bei der letzten Zwischenzeit hatte er noch mehr als eine Sekunde Vorsprung vor seinem sechs Jahre jüngeren Landsmann. Doch dann unterlief Kristoffersen ein Leichtsinnsfehler, eine kurze Unkonzentriertheit - er fädelte ein. Aus der Traum vom Sieg in Wengen.

Zweiter wurde der Schweizer Daniel Yule (+ 0,22 Sekunden) vor dem Italiener Giuliano Razzoli (+ 0,29). Das heißt: Auch andere Mitfavoriten wie der Schweizer Ramon Zenhäusern (+ 1,45) oder Manuel Feller (+ 0,39), der nach dem ersten Lauf noch auf Rang zwei gelegen hatte, verpassten das Podium.

Straßers Risiko nicht belohnt

Linus Straßer, beim letzten Slalom in Adelboden hervorragender Dritter, zeigte in Wengen einen kontrollierten ersten Lauf. Auf dem letzten Geländeübergang rutschte er allerdings leicht weg und lag zunächst auf Rang 14. Im zweiten Lauf riskierte er deutlich mehr, war mit Zwischenbestzeit unterwegs, fädelte dann aber ein. Keine Weltcuppunkte heute also für den Münchner.

Schmid schreibt Weltcup-Geschichte: Mit Startnummer 67 auf Platz 14

Dafür sorgte Alexander Schmid für ein Novum in der Geschichte des Weltcups: Als letzter der 67 Starter ins Rennen gegangen, fuhr der Riesenslalomspezialist auf Platz 28 und qualifizierte sich als zweiter DSV-Fahrer für den Finaldurchgang, in dem er sich noch einmal bis auf Rang 14 vorarbeitete.

Alexander Schmid

Alexander Schmid auf der Piste.

Eine Glanzleistung des 27-Jährigen vom SC Fischen, der dem DSV damit einen zusätzlichen Startplatz im Slalom bescherte und sich für die Olympischen Winterspiele in Erinnerung brachte. Noch nie zuvor war einem Athleten das Kunststück gelungen, vom Ende des Feldes so weit nach vorne zu fahren.

Neben Straßer und Schmid hatte der DSV drei weitere Fahrer am Start. Sie kamen allesamt nicht unter die besten 30: Anton Tremmel (+ 2,69) kam immerhin noch ins Ziel, Julian Rauchfuss und Fabian Himmelmann schieden aus.

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