Paris feiert "Streif"-Triple, Ferstl starker Siebter

Die Hahnenkamm-Abfahrt von Josef Ferstl Sportschau 25.01.2019 02:10 Min. Verfügbar bis 25.01.2020 Das Erste

Hahnenkamm-Abfahrt

Paris feiert "Streif"-Triple, Ferstl starker Siebter

Der Italiener Dominik Paris hat zum dritten Mal den Abfahrtsklassiker auf der "Streif" in Kitzbühel gewonnen. Josef Ferstl fuhr sensationell auf Platz sieben - so stark war der Traunsteiner bisher erst einmal in einer Abfahrt.

Die Hahnenkamm-Abfahrt 2019 bot einmal mehr Wintersport-Unterhaltung vom Feinsten. Als Ferstl mit der Startnummer vier nach einem furiosen Ritt über die "Streif" die Ziellinie querte, gab es vor allem bei den österreichischen Zuschauern ungläubige Gesichter - wie im Vorjahr bei der Zieleinfahrt von Thomas Dreßen.

Die "1" leuchtete auf der Anzeigetafel auf - wieder war ein deutscher Rennläufer, den so niemand richtig auf der Rechnung hatte, ganz vorne. Und das auch noch vor zwei Österreichern. Eine Hundertstel lag Ferstl im Ziel vor Hannes Reichelt, dem Gewinner von 2014. Sieben Hundertstel vor Matthias Mayer, dem Abfahrts-Olympiasisger von 2014. Der Bayer - das war zu diesem Zeitpunkt schon klar - hatte eine sensationelle Zeit auf der vermeintlich schwersten Piste des gesamten Winters vorgelegt.

Das Duell Beat Feuz vs. Dominik Paris

Was zu diesem Zeitpunkt aber die wenigsten ahnten: Die Hahnenkamm-Abfahrt 2019 hatte noch lange nicht ihre Höhepunkte erreicht. Denn die vorab zu den Topfavoriten auserkorenen Beat Feuz aus der Schweiz und Dominik Paris aus Italien lieferten sich das erhoffte Duell um den Kitzbühel-Sieg 2019.

Der aktuelle Abfahrts-Weltmeister Feuz mit der Startnummer sieben kam nach 1:57,02 Minuten ins Ziel. 90 Hundertsel war er schneller als der bis dahin führende Ferstl. Doch die vermeintliche Fabelzeit reichte nicht. Denn mit der Startnummer 13 kam ja noch Paris.

Die Hahnenkamm-Abfahrt von Dominik Paris Sportschau 25.01.2019 03:03 Min. Verfügbar bis 25.01.2020 Das Erste

Anders als der Schweizer konnte Paris in Kitzbühel bereits gewinnen, 2013 und 2017. Und 2019 fuhr er unbeirrt seinem persönlichen "Triple" entgegen. Paris kreuzte die Ziellinie nach 1:56,82 Minuten - er war noch einmal zwei Zehntel schneller als Feuz. Auf Platz drei schob sich mit der späten Startnummer 27 noch der Österreicher Otmar Striedinger, 37 Hundertstel hinter dem Sieger, 17 Hundertstel hinter Feuz.

Deutsche Fahrer überzeugen auf anspruchsvoller "Streif"

Ferstls "Streif"-Auftritt 2019 wurde am Ende mit Platz sieben belohnt. Ferstl, dessen stärkste Disziplin der Super-G ist, stellte damit seine bisher beste Abfahrts-Weltcuplatzierung ein: Siebter war er erst einmal, 2014 in Santa Catarina, besser noch nie. Die weiteren Starter des Deutschen Skiverbands (DSV) waren nicht ganz so stark wie Ferstl, erzielten auf einer an diesem Tag aber anspruchsvollen "Streif" dennoch ordentliche Ergebnisse.

Dominik Schwaiger mit der Startnummer 31 legte bei der ersten Zeitmessung sogar die Bestzeit vor. Ein Fehler direkt danach kostete aber eine Topplatzierung. Im Ziel hatte er 1,58 Sekunden Rückstand auf Sieger Paris und wurde 17. Manuel Schmid kam mit einem Rückstand von 2,46 Sekunden ins Ziel und landete auf Platz 28.

Schwede Köll stürzt und bleibt unverletzt

Der Schwede Alexander Köll stürzte kurz vor dem Ziel und musste mit dem Helikopter abtransportiert werden. Nach Angaben seines Trainers blieb der gebürtige Tiroler aber von schweren Verletzungen verschont und soll bei der WM im Februar fahren können.

Von Mausefalle bis Zielsprung - so funktioniert die "Streif"

Mausefalle? Gschöss? Hausbergkante? Wollen Sie endlich mitreden, wenn's um einen der größten Abfahrtsklassiker im alpinen Skisport geht? Sportschau.de erklärt vor dem Klassiker am Wochenende die wichtigsten Streckenabschnitte der "Streif".

Die "Streif" in Kitzbühel

Die höchste Beschleunigung erleben die Abfahrer unmittelbar nach dem Start. Die ersten 160 Meter bis zur "Mausefalle" absolvieren die Starter in 8,5 Sekunden. Insgesamt ist die Strecke 3.312 Meter lang. In den Anfangsjahren der Hahnenkammrennen war sie rund ein Drittel länger (4.500 Meter).

Die höchste Beschleunigung erleben die Abfahrer unmittelbar nach dem Start. Die ersten 160 Meter bis zur "Mausefalle" absolvieren die Starter in 8,5 Sekunden. Insgesamt ist die Strecke 3.312 Meter lang. In den Anfangsjahren der Hahnenkammrennen war sie rund ein Drittel länger (4.500 Meter).

Von der Mausefalle hätten die Läufer einen herrlichen Blick ins Tal auf Kitzbühel. Doch dafür ist keine Zeit: Mit fast 86 Prozent Gefälle müssen die Abfahrer nur kurz nach dem Start gleich die steilste Stelle der gesamten "Streif" überstehen. Bis zu 120 Stundenkilometer schnell sind die Topläufer hier bereits.

Die Karusselkurve bremst die Fahrer auf 60 bis 80 Stundenkilometer ab, dafür wirken Fliehkräfte von über 3g. Und gleich danach wird's wieder schneller: Der Steilhang wartet.

Der Steilhang ist die eisigste Passage der "Streif", aber nicht die schnellste. Mit rund 90 bis 100 Stundenkilometern geht's durch den Steilhang und am Ende mit rund 110 Stundenkilometern in den Brückenschuss, die schmalste Stelle der "Streif". Apropos Eis: Natürlich wird auch die "Streif" für die Abfahrt vereist, 2015 mit rund zwei Millionen Litern Wasser.

Es gibt tatsächliche eine "ruhige" Passage auf der "Streif": Gschöss nennt sich das mit 650 Metern längste Gleitstück der Strecke nach dem Brückenschuss. Doch schon unmittelbar danach wird's wieder ruppig.

Die Alte Schneise fordert die Fahrer mit unruhigen Passagen und raschen Geländewechseln. Die Geschwindigkeit liegt hier wieder bei rund 120 Stundenkilometern. Die Durchschnittsgeschwindigkeit für die gesamte Abfahrt steigerte sich seit den 60er-Jahren von etwa 88 auf heute rund 103 Stundenkilometer.

Kein Einkehrschwung zur Halbzeit der Fahrt: Den Seidlalmsprung nehmen die Starter mit rund 80 bis 90 Stundenkilometern, in diesem Tempo geht's auch durch eine S-Kurve, die schwierige Seidlalmkurve, an der gleichnamigen Hütte vorbei.

Ein zweites Gleitstück wartet beim Lärchenschuss. Dieses nehmen die Fahrer mit bis zu 110 Stundenkilometern. Entlang der Strecke sind knapp zehn Kilometer Fangnetze auf 5.500 Stangen montiert.

Fast wie eine Schikane in der Formel 1: Am Oberhausberg gibt es scharfe Richtungsänderungen in kurzer Abfolge, die Geschwindigkeit sinkt auf 60 bis 80 Stundenkilometer.

Der Sprung über die Hausbergkante zählt zu den spektakulärsten Stellen der "Streif" - weil die Zuschauer im Zielstadion die Fahrer ab diesem Moment live sehen. Mit rund 100 Stundenkilometern geht's in die Luft.

Nach dem Sprung über die Hausbergkante folgen die gleichnamige Kompression und die Traverse. Hier herrschen die größten Fliehkräfte der gesamten Abfahrt von bis zu 3,5g. Und mit über 100 Stundenkilometern geht's allmählich dem Ziel entgegen.

Für die Zuschauer spektakulär, für die Fahrer extrem aufreibend - im Zielschuss lassen die Kräfte langsam nach und hier erreichen die Topfahrer die Höchstgeschwindigkeit von über 140 Stundenkilometern. Das Gefälle im Zielhang beträgt bis zu 63 Prozent.

Und noch warten zwei Schwierigkeiten: Immer noch 140 Stundenkilomter schnell geht's durch die Zielkompression dem Zielsprung entgegen. Geschwindigkeitsrekordhalter in Kitzbühel ist übrigens der Österreicher Michael Walchhofer mit 153 Stundenkilometern bei der Abfahrt 2006.

Mit Geschwindigkeiten zwischen 120 und 140 Stundenkilometern geht's über den Zielsprung. Legendär diese Einlage aus dem Jahr 2004 vom Italiener Kristian Ghedina. Bei 138 Stundenkilometern zeigte der italienische Spaßvogel einen tollkühnen Spagat - und wurde am Ende Sechster.

Geschafft! Jeder, der die "Streif" bezwingt, wird im Ziel nach knapp zwei Minuten mit tosendem Jubel empfangen. Rekordhalter auf der Streif ist seit 1997 der Österreicher Fritz Strobl mit einer Zeit von 1:51,57 Minuten. Die meisten Siege - sechs - feierte der Schweizer Didier Cuche. Rund 45.000 Zuschauern pilgern zur jährlichen Weltcupabfahrt nach Kitzbühel.

br | Stand: 25.01.2019, 13:02

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