Von Mausefalle bis Zielsprung - so funktioniert die "Streif"

Von Mausefalle bis Zielsprung - so funktioniert die "Streif"

Mausefalle? Gschöss? Hausbergkante? Wollen Sie endlich mitreden, wenn's um einen der größten Abfahrtsklassiker im alpinen Skisport geht? Sportschau.de erklärt vor dem Klassiker am Wochenende die wichtigsten Streckenabschnitte der "Streif".

Die "Streif" in Kitzbühel

Die höchste Beschleunigung erleben die Abfahrer unmittelbar nach dem Start. Die ersten 160 Meter bis zur "Mausefalle" absolvieren die Starter in 8,5 Sekunden. Insgesamt ist die Strecke 3.312 Meter lang. In den Anfangsjahren der Hahnenkammrennen war sie rund ein Drittel länger (4.500 Meter).

Die höchste Beschleunigung erleben die Abfahrer unmittelbar nach dem Start. Die ersten 160 Meter bis zur "Mausefalle" absolvieren die Starter in 8,5 Sekunden. Insgesamt ist die Strecke 3.312 Meter lang. In den Anfangsjahren der Hahnenkammrennen war sie rund ein Drittel länger (4.500 Meter).

Von der Mausefalle hätten die Läufer einen herrlichen Blick ins Tal auf Kitzbühel. Doch dafür ist keine Zeit: Mit fast 86 Prozent Gefälle müssen die Abfahrer nur kurz nach dem Start gleich die steilste Stelle der gesamten "Streif" überstehen. Bis zu 120 Stundenkilometer schnell sind die Topläufer hier bereits.

Die Karusselkurve bremst die Fahrer auf 60 bis 80 Stundenkilometer ab, dafür wirken Fliehkräfte von über 3g. Und gleich danach wird's wieder schneller: Der Steilhang wartet.

Der Steilhang ist die eisigste Passage der "Streif", aber nicht die schnellste. Mit rund 90 bis 100 Stundenkilometern geht's durch den Steilhang und am Ende mit rund 110 Stundenkilometern in den Brückenschuss, die schmalste Stelle der "Streif". Apropos Eis: Natürlich wird auch die "Streif" für die Abfahrt vereist, 2015 mit rund zwei Millionen Litern Wasser.

Es gibt tatsächliche eine "ruhige" Passage auf der "Streif": Gschöss nennt sich das mit 650 Metern längste Gleitstück der Strecke nach dem Brückenschuss. Doch schon unmittelbar danach wird's wieder ruppig.

Die Alte Schneise fordert die Fahrer mit unruhigen Passagen und raschen Geländewechseln. Die Geschwindigkeit liegt hier wieder bei rund 120 Stundenkilometern. Die Durchschnittsgeschwindigkeit für die gesamte Abfahrt steigerte sich seit den 60er-Jahren von etwa 88 auf heute rund 103 Stundenkilometer.

Kein Einkehrschwung zur Halbzeit der Fahrt: Den Seidlalmsprung nehmen die Starter mit rund 80 bis 90 Stundenkilometern, in diesem Tempo geht's auch durch eine S-Kurve, die schwierige Seidlalmkurve, an der gleichnamigen Hütte vorbei.

Ein zweites Gleitstück wartet beim Lärchenschuss. Dieses nehmen die Fahrer mit bis zu 110 Stundenkilometern. Entlang der Strecke sind knapp zehn Kilometer Fangnetze auf 5.500 Stangen montiert.

Fast wie eine Schikane in der Formel 1: Am Oberhausberg gibt es scharfe Richtungsänderungen in kurzer Abfolge, die Geschwindigkeit sinkt auf 60 bis 80 Stundenkilometer.

Der Sprung über die Hausbergkante zählt zu den spektakulärsten Stellen der "Streif" - weil die Zuschauer im Zielstadion die Fahrer ab diesem Moment live sehen. Mit rund 100 Stundenkilometern geht's in die Luft.

Nach dem Sprung über die Hausbergkante folgen die gleichnamige Kompression und die Traverse. Hier herrschen die größten Fliehkräfte der gesamten Abfahrt von bis zu 3,5g. Und mit über 100 Stundenkilometern geht's allmählich dem Ziel entgegen.

Für die Zuschauer spektakulär, für die Fahrer extrem aufreibend - im Zielschuss lassen die Kräfte langsam nach und hier erreichen die Topfahrer die Höchstgeschwindigkeit von über 140 Stundenkilometern. Das Gefälle im Zielhang beträgt bis zu 63 Prozent.

Und noch warten zwei Schwierigkeiten: Immer noch 140 Stundenkilomter schnell geht's durch die Zielkompression dem Zielsprung entgegen. Geschwindigkeitsrekordhalter in Kitzbühel ist übrigens der Österreicher Michael Walchhofer mit 153 Stundenkilometern bei der Abfahrt 2006.

Mit Geschwindigkeiten zwischen 120 und 140 Stundenkilometern geht's über den Zielsprung. Legendär diese Einlage aus dem Jahr 2004 vom Italiener Kristian Ghedina. Bei 138 Stundenkilometern zeigte der italienische Spaßvogel einen tollkühnen Spagat - und wurde am Ende Sechster.

Geschafft! Jeder, der die "Streif" bezwingt, wird im Ziel nach knapp zwei Minuten mit tosendem Jubel empfangen. Rekordhalter auf der Streif ist seit 1997 der Österreicher Fritz Strobl mit einer Zeit von 1:51,57 Minuten. Die meisten Siege - sechs - feierte der Schweizer Didier Cuche. Rund 45.000 Zuschauern pilgern zur jährlichen Weltcupabfahrt nach Kitzbühel.

Stand: 23.01.2019, 10:52 Uhr

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