Die Traumsaison des Thomas Dreßen

Ski Alpin

Die Traumsaison des Thomas Dreßen

Von Wolfram Porr

Abfahrt der Männer? Da hat man aus deutscher Sicht in den letzten Jahrzehnten wenig verpasst. In diesem Winter hat sich das fundamental geändert. "Schuld" daran ist Thomas Dreßen aus Mittenwald.

Kennen Sie noch Franz Vogler? Oder Max Rauffer? Vielleicht können Sie sich an Sepp Ferstl erinnern und ziemlich sicher an Markus Wasmeier. Diese vier deutschen Sportler - und nur diese vier - hatten bis Januar 2018 mindestens einen Weltcupsieg in der Abfahrt zu Buche stehen.

Dreßen holt Ferstl und Wasmeier ein

In diesem Winter ist ein neuer Name dazugekommen: Thomas Dreßen. Erst siegte der 24-Jährige auf der legendären Streif in Kitzbühel. Im März stand er dann im norwegischen Kvitfjell ganz oben auf dem Treppchen. Damit ist er schon jetzt gemeinsam mit Ferstl und Wasmeier im Weltcup der erfolgreichste deutsche Abfahrer aller Zeiten.

Deutsche Weltcupsieger in der Abfahrt

Mit dem Erfolg im norwegischen Kvitfjell hat Thomas Dreßen bereits sein zweites Abfahrtsrennen in dieser Saison gewonnen. Doch welchen deutschen Abfahrern gelangen noch Erfolge in der schnellsten Alpin-Disziplin?

Franz Vogler, Crystal Mountain 1972

26. Februar 1972: Franz Vogler in Crystal Mountain (USA)

26. Februar 1972: Franz Vogler in Crystal Mountain (USA)

21. Januar 1978: Sepp Ferstl in Kitzbühel (Österreich/zeitgleich mit Sepp Walcher)

20. Januar 1979: Sepp Ferstl in Kitzbühel

17. Januar 1987: Markus Wasmeier in Wengen (Schweiz)

11. Januar 1992: Markus Wasmeier in Garmisch-Partenkirchen

18. Dezember 2004: Max Rauffer in Gröden (Italien)

20. Januar 2018: Thomas Dreßen in Kitzbühel (Österreich)

10. März 2018: Thomas Dreßen in Kvitfjell (Norwegen)

Frontmann des DSV-Speedteams

Thomas Dreßen

Thomas Dreßen

Thomas Dreßen ist der Frontmann des aufstrebenden deutschen Männer-Speedteams, zu dem außer ihm auch noch Andreas Sander und Joseph Ferstl, Sohn der Streif-Legende Sepp Ferstl, gehören. Ferstl hat seine Stärken allerdings mehr im Super-G. Die Leistung aller drei Athleten kann nach Jahrzehnten der Flaute in den schnellen Disziplinen nicht hoch genug bewertet werden. Maßgeblichen Anteil daran hatte sicher auch Herren-Cheftrainer Mathias Berthold, den der DSV 2014 vom Österreichischen Skiverband abwarb und der das Speedteam wieder auf Vordermann brachte.

Inzwischen fährt das Trio in der Abfahrt und im Super-G regelmäßig in die Top Ten. Dreßen wurde in diesem Winter sogar Dritter in der Abfahrtswertung. So gut war seit der Einführung des Weltcups 1967 noch kein Deutscher in dieser Disziplin - auch nicht Olympiasieger Wasmeier.

Keine "Eintagsfliege"

Die Basis für diese Leistungsexplosion ist auch im Charakter des Oberbayern vom SC Mittenwald zu finden: "Was ich mir immer vornehme ist, dass ich mich immer weiter entwickle und jeden Tag einen Schritt nach vorne mache", sagte er der "Sportschau". Den Lohn für diese Akribie kann er jetzt ernten: "Es freut mich, dass ich das Kitzbühel-Ergebnis in Kvitfyell bestätigen konnte obwohl man weiß, dass es in Kitzbühel keine Eintagsfliegen gibt."

Und die Dreßen-Show geht weiter. Ein guter Grund, künftig wieder einzuschalten, wenn eine Männer-Abfahrt ansteht ...

Thema in: Sportschau, 14.03. 2018, 10.15 Uhr

Stand: 14.03.2018, 14:01

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