Stefan Luitz - der Überraschungsmann

Riesenslalom-Sieg in Beever Creak

Stefan Luitz - der Überraschungsmann

Von Vera Siebnich

Stefan Luitz ganz oben auf dem Podest! Als erster deutscher Skirennläufer seit Felix Neureuther 2014 gewinnt er im Riesenslalom. Und das in seinem zweiten Rennen nach seinem Kreuzbandriss.

Als Stefan Luitz in Beaver Creek sein erstes Weltcup-Rennen gewinnt, sitzt Petra Luitz zuhause vor dem Fernseher – und schreit. "Und dann hab ich eigentlich geheult. Da ist alles so abgefallen. Ich hatte glaub ich einen Puls, der nicht mehr messbar war."

Dass Petra Luitz den Sieg ihres Sohnes im Riesenslalom überhaupt im Fernsehen mitverfolgt hat, ist gar nicht selbstverständlich. Früher ist die Skilehrerin dann oft spazieren oder "hinunter in den Keller gegangen", um sich bloß von Stefans Rennen abzulenken. Doch diesmal hat sie vor dem Fernseher mitgefiebert. "Wenn ich jetzt nicht zuschaue, dann sehe ich ihn gar nicht mehr", habe sie sich gedacht.

Zweites Rennen nach dem Kreuzbandriss

Dass Luitz den Riesenslalom in Beaver Creek gewinnt, war eine Überraschung. Bis zu diesem Sonntag stand als beste Platzierung der zweite Platz in Val d’Isère zu Buche. Und: Der Wettkampf in den USA war für ihn erst das zweite Rennen nach einer langen Verletzungspause. Im vergangenen Dezember riss ihm bei einem Sturz in Alta Badia das linke Kreuzband. Deshalb hatte mit einem Sieg so früh in der Saison wohl niemand gerechnet – auch Petra Luitz nicht. "Ich hab da schon kein schlechtes Gefühl gehabt, aber das es für ganz oben reicht, das hat mich doch überrascht."

Bereits mit fünf Jahren ist klar: Er wird Skifahrer

Stefan Luitz nach seinem Sieg im Riesenslalom

Stefan Luitz nach seinem Sieg im Riesenslalom

Am Erfolg des Sohnes hat die Familie einen großen Anteil. Als Stefan Luitz drei Jahre alt ist, nimmt Mutter Petra ihn mit, wenn sie in Bolsterlang Skikurse gibt. Auf der kleinen Piste mit Sessellift, keine 500 Meter von seinem Elternhaus entfernt, kann Stefan sich stundenlang beschäftigen. Dementsprechend früh ist für ihn klar, was er später einmal werden möchte. Schon mit fünf Jahren antwortet Luitz auf diese Frage: "Ich werde mal Skifahrer." Mitglied des SC Bolsterlang, für den er auch heute noch startet, war er schon immer. "Da hab ich ihn eigentlich bei seiner Geburt angemeldet", sagt Petra Luitz und lacht. Der Klub selbst ist sehr stolz auf sein berühmtes Mitglied, es gibt sogar einen eigenen Mini-Fanklub, der Luitz 2017 zum Weltcuprennen in Garmisch begleitet hat.

Gratulation von den Legenden

Seine Mutter sagt, Luitz sei "zielstrebig und ehrgeizig". Aber: "Er gönnt’s auch mal einem anderen. Wenn er selbst nicht das erreicht hat, was er sich vorgestellt hat und ein anderer hat gewonnen, dann gönnt er ihm das eigentlich auch." Dass seine Leistung viel Anerkennung findet, zeigt sich nach seinem Sieg in Beaver Creek. Unter den Fotos von sich auf dem Siegerpodest, die Luitz auf Instagram gepostet hat, finden sich zahlreiche Glückwünsche von Fans, Kollegen und Legenden. Olympiasieger Markus Wasmeier kommentiert, er sei "mächtig stolz" auf Luitz, den er auch menschlich für einen ganz Großen hält.

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Wenn die Saison mit so einem großen Erfolg beginnt, wie geht es dann weiter? Petra Luitz weiß, dass noch viele Rennen vor ihrem Sohn liegen. "Ich hoffe, dass er das jetzt abhakt und die nächsten Rennen genau so eingestellt ist und fährt." Sie hofft, dass ihr Sohn den Rummel, den der Sieg ausgelöst hat, nicht zu sehr an sich heranlässt. "Aber ich glaube, das macht er ganz gut", gibt sie sich zuversichtlich.

Stand: 03.12.2018, 15:08

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