Slalomkönigin Petra Vlhová - der Gesamtweltcup ist das Ziel

Petra Vlhová

Ski-alpin-Weltcup

Slalomkönigin Petra Vlhová - der Gesamtweltcup ist das Ziel

Von Bernd Eberwein

Petra Vlhová führt nach drei Saisonrennen souverän den Gesamtweltcup an. Ihre Slalomvorstellung in Levi: eine Machtdemonstration. Doch die einstige Technikspezialistin ist längst auch Allrounderin und ernstzunehmende Kandidatin auf den Gesamtweltcup.

Als Petra Vlhová nach ihrem Erfolgs-Wochenende mit zwei Siegen im Slalom zurückblickte, schickte sie ein deutliches Signal an die Konkurrenz: "Ich verlasse Levi mit großem Selbstvertrauen. Ich fühle, dass ich in diesem Jahr viel Kraft habe."

DIe 25-jährige Slowakin war in Finnland so souverän zu zwei Siegen gefahren, als hätte es die Sommerpause bei den Alpinen gar nicht gegeben. Fünf Slaloms in Folge hat sie saisonübergreifend gewonnen - und nach dem fast perfekten Saisonauftakt ist sie für Größeres bereit: den Gesamtweltcup.

Sportschau-Experte Neureuther: Vlhová hat ein klares Ziel

"Sie arbeitet extrem akribisch, hat ein eigenes Team aufgebaut und ein klares Ziel vor Augen: die beste Skifahrerin der Welt zu sein." Sportschau-Alpinexperte Felix Neureuther verfolgt Vlhovás Weg in die Weltspitze schon lange und traut ihr den Sprung nach ganz oben auf jeden Fall zu.

Erst recht nach der "Machtdemonstration" von Levi. "Man hat nie das Gefühl gehabt, dass ihr was passieren kann. Das war schon ein Zeichen", sagt Neureuther: "Die Ruhe, die sie ausstrahlt im Oberkörper - das ist es, was sie ausmacht."

Die Analyse des 2. Slalom-Weltcups der Frauen mit Felix Neureuther Sportschau 22.11.2020 05:12 Min. Verfügbar bis 22.11.2021 Das Erste

Der zähe Weg in die Weltspitze

Abzusehen war Vlhovás Höhenflug nicht. Zwar sorgte sie schon als Juniorenweltmeisterin 2014 für Furore. Doch nach dem noch früheren Weltcupdebüt 2012 folgten harte Lehrjahre im Europacup. Erst in der Saison 2016/17 schaffte sie den Durchbruch im Weltcup und feierte dort ihren ersten Sieg.

Doch selbst da war noch nicht abzusehen, dass sich Vlhová auch dauerhaft in der Weltspitze halten könnte. Denn sie kommt aus einem Land, in dem der Alpinsport - trotz bester Trainingsmöglichkeiten in der Tatra - nur ein Stiefkind ist. Mit einem kleinen Skiverband und ohne professionelle Strukturen, die regelmäßig Topskifahrer hervorbringen.

Igor Vlha und Livio Magoni - die Macher hinter Vlhová

Gemeinsam mit Vater Igor Vlha ging Petra Vlhová in jungen Jahren den steinigen Weg: Mit einem Privatteam wollte sie sich durchsetzen. Regelmäßige Streits zwischen Vater Igor und dem slowakischen Verband waren programmiert.

Doch dass der Weg in die Weltspitze vielleicht nur so klappen könnte, zeigte die Geschichte einer anderen Topläuferin aus der Slowakei: Auch Veronika Velez-Zuzulová hatte es mit Privatteam, losgelöst vom Verband, in den Weltcup geschafft.

Slalom - die Zusammenfassung der Frauen in Levi am Sonntag Sportschau 22.11.2020 02:34 Min. Verfügbar bis 22.11.2021 Das Erste

Der Erfolgstrainer von Tina Maze

Der wohl entscheidende Baustein im Vlhová-Erfolgspuzzle kam 2016: Sie verpflichtete den Italiener Livio Magoni als Individualtrainer, mittlerweile ist er der Erfolgsmacher schlechthin.

Die Entscheidung damals war durchaus mutig. Magoni hatte zwar einerseits jahrelang die Slowenin Tina Maze betreut und zu einer Ausnahmefahrerin geformt - mit dem bis heute gültigen Punkterekord von 2.414 in der Saison 2012/13. Danach im italienischen Verband war er aber gescheitert. Der Vorwurf: Magoni trainiere "zu hart".

Der Beginn einer perfekten Beziehung

Doch die junge Petra Vlhová, die unbedingt die beste Skifahrerin der Welt sein will, und Magoni, der perfektionistische Trainer, dem kein Detail zu klein ist - das passte.

Nach dem ersten Weltcupsieg im Dezenber 2016 ging's kontinuerlich bergauf. 16 Siege hat Vlhová heute auf dem Konto, bei Weltmeisterschaften ein Mal Gold, zwei Mal Silber, ein Mal Bronze und als vorläufiger Höhepunkt: die Gesamtsiege im Slalom- und Parallelweltcup im vergangenen Winter, ihrem bisher besten.

Unkonventionelle Trainingsmethoden

"Halleluja - was die für eine Entwicklung genommen hat in den letzten Jahren: gewaltig", sagt Neureuther. Und es ist vor allem Magoni, der seine Athletin in immer neue Höhen pusht - mit teilweise unorthodoxen Trainingsmethoden.

Vlhová spielt beispielsweise Schlagzeug, weil dies die Koordination zwischen Händen und Füßen verbessert. Beim Tennis oder Kajakfahren soll sie vor allem die Bewegungen des Oberkörpers beim Skifahren simulieren, beim Motocross instinktiv die richtige Linie finden, beim Eislaufen den explosiven Start verinnerlichen.

Vlhová: Starts in allen Disziplinen angepeilt

"Ich denke ständig daran, was wir noch tun könnten, um das Optimum herauszuholen für Petra", sagte Magoni in einem Gespräch mit der "Neuen Zürcher Zeitung" Anfang des Jahres. Der Trainer führte die ursprünglich reine Slalomfahrerin auch an den Riesenslalom heran, wo sie 2019 den Weltmeistertitel gewann.

Livio Magoni

Livio Magoni im Januar 2020 beim Slalom in Flachau

In der vergangenen Saison wagte sie sich erstmals im Weltcup auch an die schnellen Disziplinen - und war gleich eine Top-Ten-Kandidatin. "Wenn sie dem Weg folgt, den ich ihr zeige, wird sie im nächsten Winter schwer zu schlagen sein", sagte Magoni vor der neuen Saison. Geht es nach ihm, startet sie im Winter 2020/21 in allen Disziplinen - und greift tatsächlich erstmals den Gesamtweltcup an.

Vlhová scheint bereit, den nächsten Schritt zu geehen. "Livio hat mir zu einer anderen Mentalität verholfen, ich bin viel selbstbewusster geworden", sagt sie über ihren Coach.

Der hat seinen Vertrag gerade um zwei Jahre verlängert. Neben dem Gesamtweltcup sind Medaillen bei der WM 2021 in Cortina d'Ampezzo und bei den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking das große Ziel. Denn Olympiagold, das fehlt beiden noch in der Vita - Vlhová und Magoni.

Stand: 23.11.2020, 13:25

Ski Alpin | Weltcupstand Damen

NamePkt
1.Petra Vlhová699
2.Michelle Gisin575
3.Mikaela Shiffrin485
4.Katharina Liensberger460
5.Marta Bassino423

Ski Alpin | Weltcupstand Herren

NamePkt
1.Alexis Pinturault689
2.Aleksander Aamodt Kilde560
3.Marco Odermatt501
4.Filip Zubcic455
5.Henrik Kristoffersen371
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