Skiurlaub in Tirol - "Ein Verbot träfe unser Land hart"

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Skiurlaub in Tirol - "Ein Verbot träfe unser Land hart"

Österreich hält nichts von den Plänen in anderen Ländern, den Skiurlaub zumindest vorerst zu verbieten. Im Interview spricht Bettina Sax von der Tiroler Landesregierung über Corona-Maßnahmen und darüber, wie wichtig Gäste aus Deutschland sind.

Kanzlerin Angela Merkel und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder forderten in der vergangenen Woche, die Skigebiete in diesem Winter EU-weit zu schließen - und wurden aus Italien und Frankreich unterstützt. Finnland und Österreich reagierten dagegen empört. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz erklärte auf den deutschen Vorstoß, dass sein Land selbst entscheiden werde, ob es Skigebiete öffne. Und so hoffen die Tiroler Skigebiete auf eine Skisaison unter Corona-Bedingungen, erklärt Bettina Sax von der Landesregierung.

Sportschau: Frau Sax, wie ist die aktuelle Situation in den Skigebieten in Tirol?

Bettina Sax: Die Tiroler Skigebiete sind - so wie alle Sportstätten in Österreich - seit dem 3. November für den Freizeitsport geschlossen. Lediglich Profisport ist erlaubt. Dafür sind aktuell einige wenige Skigebiete wie etwa der Kaunertaler Gletscher in eingeschränktem Ausmaß in Betrieb. Maßgeblich für ein Aufsperren für den Freizeitsport wird die Entwicklung der Infektionszahlen sein. Die Vorbereitungen für dieses Öffnen laufen - von den Sicherheitskonzepten bis zur Beschneiung.

Sportschau: Wie haben sich die Skigebiete auf den Start der Skisaison vorbereitet?

Sax: Tirols Skigebiete haben sich umfassend auf diesen Winter vorbereitet. Basis bildet ein detailliertes Sicherheitskonzept für Seilbahnen. Dessen wesentliche Inhalte sind eine MNS-Pflicht (Mund-Nasen-Schutz, Anm. der Red.) bei der Liftbenutzung, in sämtlichen Wartebereichen und geschlossenen Räumen sowie das Einhalten eines Mindestabstandes von einem Meter. Darauf machen vielfältige Maßnahmen aufmerksam: regelmäßige Durchsagen, Bodenmarkierungen, Videos oder Hinweise des Liftpersonals.

Darüber hinaus setzen die Seilbahnen, angepasst an regionale Gegebenheiten, zusätzliche Maßnahmen. Dazu zählen beispielsweise das Forcieren des Online-Ticketverkaufs, das Erhöhen der Förderkapazitäten, um Wartesituationen zu vermeiden oder das Ausdehnen der Öffnungszeiten. Auch der Sportartikelhandel, die Skischulen und Berggastronomie haben sich mit umfassenden Sicherheitskonzepten vorbereitet.

Sportschau: Bundeskanzlerin Angela Merkel will in der EU über ein europaweites Skiverbot diskutieren. Der Deutsche Skiverband kritisiert das scharf. Wie reagiert man in Tirol auf Merkels Vorschlag?

Sax: Landeshauptmann Günther Platter hat hierzu bereits klar Stellung bezogen. Tirol wird demnach aufsperren, sobald es die Infektionszahlen und die Verordnungslage des Bundes zulassen. Immerhin habe sich die Branche gut auf den Start der Wintersaison vorbereitet, um die Sicherheit aller garantieren zu können. Bei der aktuellen Diskussion geht es nicht nur um den Tourismus, sondern vor allem auch um Einheimische, um Kinder, Jugendliche und Familien, die über Weihnachten Skifahren wollen.

Sportschau: Welche Folgen hätte ein komplettes Skifahr-Verbot für Tirol?

Ein Schild im Skigebiet in Ischgl

Ein Schild im Skigebiet in Ischgl

Sax: Ein solches Verbot träfe unser Land hart. Für die Tirolerinnen und Tiroler, für die das Skifahren zu den zentralen Sportarten zählt, wäre das ein massiver Verlust an Freizeitqualität. Auch touristisch hätte das weitreichende Folgen, denn Skifahren ist die mit Abstand wichtigste Aktivität der Wintergäste in Tirol und damit ein zentrales Urlaubsmotiv. Rund 80 Prozent gehen während ihres Aufenthalts in unserem Land Skifahren. Eng damit verbunden ist die Wirtschaft. Die Skigebiete sind die Kernleistungsträger in den Regionen und damit Motor für die wirtschaftliche Entwicklung. Wenn sie längerfristig zugesperrt bleiben, würde sich das insbesondere auf die Täler und peripheren Gebiete Tirols auswirken, für die der Tourismus die wirtschaftliche Basis bildet.

Sportschau: Welche Rolle spielen die deutschen Gäste für die Region Tirol?

Sax: Gäste aus Deutschland spielen eine wesentliche Rolle für unser Land und seinen Tourismus. Im Winter 2018/19 - vor Ausbruch der Corona-Pandemie - kamen 3,1 Millionen deutsche UrlauberInnen nach Tirol und nächtigten 13,9 Millionen Mal. Damit stammt üblicherweise jede zweite Übernachtung in Tirol im Winter von einem deutschen Gast. Hinzu kommen noch zahlreiche Tagesgäste, die unser Land vor allem zum Skifahren besuchen.

Sportschau: Mit welchen Verlusten rechnet der Tourismus in Tirol jetzt schon?

Sax: Eine seriöse Einschätzung ist aktuell nicht möglich. Fix ist, dass der November aufgrund des Lockdowns einem kompletten Ausfall gleichkommt. In diesem Monat werden üblicherweise vier Prozent der gesamten Winternächtigungen erzielt. Die weitere Entwicklung hängt davon ab, wann die Gesundheitssituation ein Aufsperren möglich macht, und wie lange die Reisewarnungen aus unseren wichtigen Herkunftsländern aufrecht bleiben.

Das Interview führte Sanny Stephan

Stand: 01.12.2020, 09:30

Ski Alpin | Weltcupstand Damen

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