Deutscher Alpinchef will FIS-Disqualifikation nicht hinnehmen

Sauerstoff-Affäre um Stefan Luitz

Deutscher Alpinchef will FIS-Disqualifikation nicht hinnehmen

Bleibt Stefan Luitz Sieger des Riesenslaloms von Beaver Creek oder nicht? Der deutsche Alpindirektor Wolfgang Maier deutete an, die Disqualifikationsüberlegungen des Weltskiverbands FIS nicht so einfach hinnehmen zu wollen.

Der Deutsche Skiverband (DSV) hatte am Freitag (14.12.18) bestätigt, dass der Weltskiverband FIS Stefan Luitz nach dessen Sieg in Beaver Creek nachträglich disqualifizieren will. Der DSV forderte zunächst eine deutsche Übersetzung des ursprünglich englischen Schreibens an, um für eine mögliche juristische Auseinandersetzung gewappnet zu sein. Auch die Übersetzung ist mittlerweile beim DSV.

"Die Übersetzung gibt uns oder auch dem Stefan (Luitz, Anm.d.Red.) zwei Möglichkeiten", erklärte DSV-Alpindirektor am Samstag im Interview mit dem ZDF: "Entweder er erkennt das an, dann wird er disqualifiziert und das Thema ist damit erledigt. Oder - das hat man ihm auch zugestanden: Er hat die Möglichkeit, Einspruch einzulegen und wird dann entsprechend bei der FIS angehört, was seine Position zu diesem Vorgang ist."

Obwohl das Verbot von Sauerstoff - Luitz hatte vor dem zweiten Lauf des Riesenslaloms von Beaver Creek Sauerstoff inhaliert - eindeutig in den FIS-Regeln definiert ist, gebe es laut Maier durchaus noch Spielraum. Dieser liege in den Unterschieden zwischen dem Code der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA und dem Code der FIS. Der Code der FIS, "und das war ja auch unser Problem, stammt aus dem Jahr 2016", erklärte Maier: "Und der aktuelle WADA-Code, der ja bereits Gültigkeit hatte bei den Olympischen Spielen in Südkorea, kommt aus dem Jahr 2018."

Maier: "Jetzt haben wir eine Bombe gefunden"

"Jetzt haben wir eine Bombe gefunden unter Tausenden, die es in diesem Thema gar nicht geben dürfte", so Maier weiter: "Unsere Verbandsärzte sagen - und die waren ausschlaggebend, dass wir diesen Sauerstoff überhaupt verwendet haben -, dass es keine Regulierung gibt, dass der WADA-Code nicht über dem Code der FIS steht. Die ganze Problematik liegt nur an der Definition, welcher Code hat Vorrang."

WADA erlaubt Sauerstoffeinnahme, FIS-Regeln seit 2016 nicht aktualisiert

In den Regeln der WADA ist die Einnahme von Sauerstoff seit dem 1. Januar erlaubt, die FIS hat ihre Regeln aber noch nicht nachgezogen. Auch FIS-Generalsekretärin Sarah Lewis hatte am Freitagabend nicht bei Doping von Luitz gesprochen, sondern von einem "Verstoß gegen das Reglement". Auf den Einwand, ob es auch ein Verstoß gegen das Anti-Doping-Reglement sei, sagte sie: "Es ist ein Verstoß gegen das Reglement. Das ist es."

"Unsere Ärzte waren der Meinung, dass der WADA-Code Vorrang hat, wir auch", sagte Maier weiter, "und die FIS sagt: Nein, es zählt der alte Code von 2016." Normalerweise werden die Regeln und Codes laut Maier jährlich aktualisiert und dann die Informationen an die Verbände herausgegeben - was aber seit 2016 nicht passiert ist. "Wir wollen uns da vom Sport nicht aus der Schuld nehmen. Aber wir fragen bei den Experten nach, die Experten sagen, sie haben keine andere Vorgabe als den WADA-Code. Und da sagt die FIS: Nein, es gibt doch noch etwas anderes, es gibt unseren Code. Der ist zwar zweieinhalb Jahre alt, aber der zählt noch", so Maier.

Maier: Keine klaren Definitionen

Zwar sei die FIS der maßgebliche Weltcupveranstalter. Allerdings sage diese, so Maier, dass sie sich in Anti-Doping-Fragen nach der WADA ausrichte: "Und hier gibt's im Endeffekt unser Problem." Maier erzählte, dass er sich beispielsweise mit dem französischen Verband ausgetauscht habe. Auch die dortigen Ärzte hätten so gehandelt wie die deutschen Mediziner, "weil sie davon ausgegangen sind, dass der WADA-Code über dem FIS-Code steht."

Und wie geht's jetzt weiter? "Es ist die Frage: Akzeptieren wir es so, wie es ist, oder erheben wir Einspruch, weil von beiden Seiten die Dinge nicht klar definiert sind."

Die Entscheidung wird wohl auch oder vor allem im Sinne des Athleten getroffen. "Stefan gewinnt ein Rennen. Und das gewinnt er nicht durch Manipulation." Trotzdem sei die aktuelle Situation natürlich eine psychologische Belastung für Luitz. Die Entscheidung, ob der DSV Einspruch erheben wird, soll gemeinsam zwischen den Verantwortlichen und Luitz getroffen werden. Das letzte Wort habe dann Luitz selbst.

Thema in: Blickpunkt Sport, BR Fernsehen, 15.12.2018, 17.15 Uhr

br | Stand: 15.12.2018, 13:05

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