Nach Gisins Gröden-Sturz: Das Leben der Speedfahrer am Limit

Alpiner Ski-Weltcup

Nach Gisins Gröden-Sturz: Das Leben der Speedfahrer am Limit

Ein schwerer Sturz überschattet die Herrenabfahrt in Gröden. Wie schwer Marc Gisin verletzt ist, ist immer noch nicht bekannt. Immerhin meldete der Verband: Sein Zustand sei "so stabil", dass er zu weiteren Untersuchungen in die Schweiz transportiert werden kann.

Dem deutschen Speedfahrer Andreas Sander blieb "fast das Herz stehen", als Marc Gisin beim Abfahrtsklassiker auf der Grödener "Saslong" durch die Luft flog und anschließend reglos im Schnee liegen blieb: "So etwas will man nicht sehen." Gisins Teamkollege Beat Feuz wendete den Blick ab, der führende Norweger und spätere Sieger Aleksander Aamodt Kilde schlug die Hands vors Gesicht. Der Sport rutschte in den Hintergrund, der zweitplatzierte Österreicher Max Franz sagte: "Das Wichtigste ist, wie es dem Marc geht."

ORF: Lungenriss und Wirbelbruch

Nach der Erstversorgung auf der Strecke war Gisin ins Krankenhaus nach Bozen geflogen worden. Der schweizerische Skiverband "Swiss Ski" gab dann am Abend ein Update zu Gisins Gesundheitszustand heraus. Sein Zustand sei "so stabil", dass er noch am Abend für weitere Untersuchungen in die Schweiz zurückgeflogen werden soll. Die genauen Diagnosen erwartet der Verband für den Sonntagnachmittag. Laut ORF soll Gisin einen Lungenriss erlitten und sich einen Wirbel gebrochen haben. Verschiedene Medien hatten bereits vermeldet, dass sich Gisin einen Beckenbruch zugezogen habe. Der Verband äußerte sich zu solchen Meldungen allerdings nicht.

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Gisin einen Tag vor dem Rennen: "Stürze sind Berufsrisiko"

Marc Gisin in Gröden

Marc Gisin in Gröden

Der schwere Sturz von Marc Gisin überschattete die sportliche Seite der 2018er-Auflage des Abfahrtsklassikers in Gröden auf der "Saslong" fast vollständig. Bei den "Kamelbuckeln" hatte es ihm die Ski verschlagen, er überkreuzte, hob ab und schlug mit dem Kopf voraus auf die eisige Piste.

Besonders makaber: In seiner Kolumne in der "Neuen Zürcher Zeitung" hatte Gisin erst am Freitag (15.12.18) geschrieben, wie sich ein Sturz in Körper und Kopf anfühlt. "Stürze gehören im Skirennsport zum 'Berufsrisiko'", schrieb Gisin. Zuletzt war der Schweizer 2015 in Kitzbühel schwer gestürzt und musste die Saison mit einem Schädel-Hirn-Trauma vorzeitig beenden. 

"Als Leistungssportler muss man immer und immer wieder an seine Grenzen gehen, um Fortschritte zu machen. Grenzen, die in unserem Fall teilweise auch durch Stürze aufgezeigt werden", ist ebenfalls in der Gisin-Kolumne zu lesen. Und genau das ist das aktuelle Problem in den Speedrennen.

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Ferstl: Einfache Fahrfehler können sich böse auswirken

Die Abfahrt in Gröden zeigte einmal mehr: In der schnellsten Alpindisziplin geht es in der Spitze so eng zu, dass die Fahrer ihre Grenzen immer mehr ausreizen müssen. Oder wie es Josef Ferstl, als Zwölfter bester Starter des Deutschen Skiverbands (DSV) formulierte: "Das heißt für uns alle: Man muss einfach ans Limit gehen. Es passieren dann einfach Fahrfehler, und das kann sich sehr böse auswirken." Und dann ergänzte Ferstl: "Das ist ein Grenzsport. Man geht noch mehr ans Limit, macht die Kanten noch schärfer, fährt noch gerader. Aber deswegen sind wir auch keine Schachspieler."

Thema in: B5 Sport, 15.12.2018, 18.55 Uhr

red | Stand: 16.12.2018, 09:40

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