Ski alpin - so läuft die kommende Saison

Kjetil Jansrud

Saisoncheck

Ski alpin - so läuft die kommende Saison

Von Sanny Stephan

Mit dem Weltcup auf dem Gletscher in Sölden eröffnen die Skirennfahrer am Samstag (17.10.2020) traditionell den Winter. Wie die Chancen der Deutschen stehen, wer die Top-Favoriten sind, und wie die Vorbereitung lief, erfahren Sie im Saisoncheck.

Saisonauftakt

Als erste Wintersportler starten traditionell die alpinen Skifahrer in den neuen Sport-Winter. Traditionell in Sölden und wie immer mit einem Riesenslalom der Frauen und einem Riesenslalom der Männer (Sonntag, 10 Uhr im Ticker bei sportschau.de).

So lief die vergangene Saison aus deutscher Sicht:

Sagen wir mal so: Die Saison war durchwachsen und hatte einige positive "Ausreißer". Dafür sorgten fast ausschließlich Viktoria Rebensburg und Thomas Dreßen. Rebensburg gewann zwei Mal, allerdings nicht auf ihrer Schokoladenstrecke, sondern in der Abfahrt und im Super-G.

Thomas Dreßen und das deutsche Alpinteam in Garmisch-Partenkirchen

Ehre, wem Ehre gebührt: Thomas Dreßen wird vom deutschen Alpinteam in Garmisch-Partenkirchen auf den Schultern getragen.

Dreßen war bei den Abfahrten in Lake Louise, Garmisch-Partenkirchen und Saalbach-Hinterglemm der Schnellste – und holte noch drei weitere Podiumsplätze. Zumindest einmal auf dem Treppchen standen Stefan Luitz und Alexander Schmid. Bei den Frauen klaffte hinter Rebensburg (Gesamt-Neunte) eine große Lücke. Kira Weidle landete in der Gesamtwertung als Zweitbeste vom DSV-Team auf Rang 30.

So lief die Vorbereitung

Ganz anders als gewohnt. Statt Trainingslager in Chile, Argentinien und Neuseeland hieß es diesmal: Schweizer Gletscher in Saas-Fee (Techniker) und Zermatt (Abfahrer). Dort drängelten sich die Deutschen mit anderen Nationen. DSV-Alpinchef Wolfgang Maier sprach von einem “krassen Qualitätsverlust“, wollte sich aber nicht beschweren: "Gemessen an den Umständen war es okay."

Die Top-Favoriten

Alle jagen Mikaela Shiffrin, oder? Die Amerikanerin ist die beste Ski-Rennläuferin der Gegenwart. Bleibt sie fit, geht die Trophäe nur über sie. Gleich zu Saisonbeginn wird Shiffrin noch ausgebremst. Nach einer Rückenverletzung verzichtet sie sicherheitshalber auf einen Start in Sölden. Ab November soll für sie dann die Jagd auf die Siegrekorde von Lindsey Vonn (USA/82) und Ingemar Stenmark (Schweden/86) starten.

Mikaela Shiffrin mit kleiner Kristallkugel

Mikaela Shiffrin ist die Topfavoritin auf die große Kristallkugel.

Bei den Männern ist das Feld nach dem Rücktritt von Marcel Hirscher vor einem Jahr deutlich enger zusammengerückt. Vergangene Saison schnappte sich Aleksander Aamodt Kilde aus Norwegen die große Kristallkugel, allerdings saßen ihm Alexis Pinturault (FRA) und Landsmann Henrik Kristoffersen im Nacken. Diese drei dürften auch diesmal ein heißes Wörtchen um den Gesamtsieg mitreden.  

Deutsche Chancen

Thomas Dreßen ist nicht nur der frischgebackene "Skisportler des Jahres", sondern auch der große Hoffnungsträger im DSV-Team. Im vergangenen Winter gewann der 26-Jährige drei Rennen und fuhr dreimal auf Rang drei. Unvergessen ist dabei sein Comeback: Im ersten Rennen nach einer Kreuzbandriss-Pause donnerte Dreßen beim Abfahrtsrennen in Lake Louise prompt zum Sieg. Nach dem Rücktritt von Rebensburg ist er zunächst der einzige, der für Siege oder Podiumsplatzierungen infrage kommt.

In den technischen Disziplinen ruhen die Hoffnungen auf Stefan Luitz. Der Allgäuer hat eine schwere Saison hinter sich und will versuchen, wieder in den "Drecksau"-Modus zu kommen. Dass er gewinnen kann, hat er schon gezeigt. Allerdings liegt der Sieg zwei Jahre zurück. Auch Alexander Schmid hat sich ehrgeizige Ziele gesteckt und hofft auf einige Top-Ten-Platzierungen. Mehr wäre eine faustdicke Überraschung.

Bei den Frauen fehlt nach Rebensburgs Abschied die "Frontfrau". Die neuen Hoffnungsträgerinnen um Marlene Schmotz, Lena Dürr und Kira Weidle spielen international noch keine große Rolle. Maier ist aber optimistisch, dass man in den nächsten zwei Jahren auch im Frauenteam "wieder konkurrenzfähig für die Top-Platzierungen" sein wird.

Höhepunkte

Der Fokus gilt natürlich der Weltmeisterschaft vom 8. bis 21. Februar in Cortina d'Ampezzo, der Königin der Dolomiten. Erstmals seit 65 Jahren steht Cortina wieder im Mittelpunkt des alpinen Skiweltzirkus und darf die alpine Ski-WM ausrichten. Zwei Wochen lang werden mehr als 600 Athleten aus 70 Nationen um 11 Weltmeistertitel kämpfen.

Einmal wird der Weltcup in Deutschland gastieren. Am 30./31. Januar fahren die Frauen in Garmisch-Partenkirchen, eine Woche später finden am 5./6. Februar die Rennen der Männer auf der Kandahar statt.

Regeländerungen

Viel wurde nicht geändert. Einzig der Modus Parallel-Wettbewerb wurde angepasst und soll die Rennen fairer machen. So wird über das Weiterkommen künftig in zwei Läufen entschieden. Hintergrund: Häufig war eine Seite der Piste schneller. Damit die Rennen nicht zu lange dauern, wird die K.o.-Phase auf 16 Teilnehmer beschränkt.

Auswirkungen der Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie beeinflusst den Weltcup-Kalender. Es gibt keine Rennen in Nordamerika, stattdessen mehr in Europa. Diese finden aber zum Teil ohne Zuschauer statt. Die Schweiz hat als erstes Land erklärt, sämtliche alpinen Skirennen vor einer Geisterkulisse auszutragen.

Neureuther: "Der ganze Wintersport muss stattfinden" Sportschau 15.10.2020 00:33 Min. Verfügbar bis 15.10.2021 Das Erste

Stand: 16.10.2020, 14:04

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