Nur die Bauern in einem Schachspiel im Schnee

Parallel-Riesenslalom in Chamonix

Kritik am Parallel-Riesenslalom

Nur die Bauern in einem Schachspiel im Schnee

Von Bernd Eberwein

Die Weltskiverband FIS will mit Rennen wie dem Parallel-Riesenslalom den Weltcup-Kalender modernisieren. Doch die Umsetzung des neuen Formats sorgt für schlechte Stimmung bei den Skirennfahrern und auch bei ARD-Experte Felix Neureuther - weil die Show und nicht der Sport im Vordergrund stehen.

Die deutlichsten Worte nach dem Weltcup am vergangenen Wochenende, einem Parallel-Riesenslalom in Chamonix, fand der zweimalige französische Weltmeister Alexis Pinturault.

"Heute habe ich Wut, den Eindruck, dass ich zum Narren gehalten wurde." Zweisprachig in französisch und englisch ließ Pinturault in den sozialen Netzwerken seinem Frust freien Lauf: "Wir Athleten werden als Bauern in einem Live-Spektakel verwendet, nicht als sportliche Hauptdarsteller."

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Ursprünglich sollten die Parallel-Rennen im Ski-Weltcup einmal die Kombination ersetzen. Die Mischung aus einem Speed- und einem Technikrennen fand immer weniger Anhänger, es gab immer weniger Allrounder im Weltcup-Zirkus, die sowohl in den technischen wie auch in den schnellen Disziplinen stark waren.

In den Parallel-Rennen, mal als Slalom, mal als Riesenslalom ausgetragen, sah die FIS dagegen Potential. Seit der Saison 2010/11 gehören Parallel-Rennen fest zum Weltcupkalender, bei einer WM gab's erstmals in Bormio 2005 Medaillen - im Teamwettbewerb. Seit dieser Saison sind die Parallel-Rennen erstmals eine eigenständige Weltcupdisziplin, das WM-Debüt im Einzel sollen Parallel-Rennen 2021 feiern.

Ski Alpin der Herren - der Parallel-Slalom aus Chamonix Sportschau 09.02.2020 01:15:07 Std. Verfügbar bis 09.02.2021 Das Erste

Fairness? Nur noch ein Final-Lauf sorgt für Frust

Die Krux - und der Punkte, der die meisten Athleten ärgert: Die FIS experimentiert munter mit der Austragunsgweise. Wurde ursprünglich Parallel-Slalom gefahren, hat sich derzeit der Parallel-Riesenslalom etabliert. In den Finalrunden wird seit dieser Saison nur noch ein Lauf gefahren.

Bei zwei Pisten, die praktisch nie identisch präpariert werden können, eine Farce, ein Glücksspiel. Gleichzeitig wurden die Parallel-Wettbewerbe durch die eigene Weltcupdisziplin aber aufgewertet - obwohl, in diesem Winter, nur zwei Rennen stattfinden. "Es ist schön eine Kugel zu gewinnen, aber mit zwei Rennen hat das nicht so viel Wert", sagte der Schweizer Loic Meillard, der nach den Rennen von Alta Badia und Chamonix als erster Gewinner des neuen Disziplinen-Weltcups feststeht.

Für mehr als zwei Parallel-Rennen findet sich derzeit kaum Platz im Weltcup-Kalender - weil ja weiter auch an der Kombination festgehalten wird. Der Schweizer Daniel Yule, einer der Top-Slalomfahrer des Winters und Athletensprecher, fragte: "Sollen wir einen Boykott lancieren?"

Heftige Kritik von ARD-Experte Felix Neureuther

Auch ARD-Ski-Experte Felix Neureuther kann sich mit dem Parallel-Wettbewerb nicht anfreunden. "Das hat nichts mit diesem Skisport zu tun, den wir lieben. Das muss weg vom Weltcup", fordert er in einem Interview mit der österreichischen Kronen-Zeitung: "Nur pushen, pushen, pushen und ein, zwei Übergänge. Wir sind doch keine Snowboarder. Die Kunst, sich auf diesen schmalen Dingern zu bewegen, muss wieder in den Vordergrund rücken. Bitte, liebe Leute von der FIS, das muss gestoppt werden."

beb/sid | Stand: 11.02.2020, 15:17

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