Felix Neureuther beendet seine Karriere

Felix Neureuther

Abschied mit 34

Felix Neureuther beendet seine Karriere

Nur noch ein Slalom - dann ist Schluss: Felix Neureuther, Deutschlands bester Skirennläufer, hat angekündigt, seine Karriere nach dem Weltcup-Finale zu beenden.

Seit Wochen war über den möglichen Schritt des 34-Jährigen spekuliert worden. Nun ist es raus. Neureuther hört auf. Via Facebook verkündete er am Samstag (16.03.2019), dass der Slalom in Soldeu der letzte seiner langen Karriere sein wird.

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"Danke für ein wunderschönes Kapitel"

"Danke für die eine unglaubliche Zeit", schrieb Neureuther auf seinem Account: "Für all die Daumen die ihr mir gedrückt habt, die Freude, Tränen und das Lachen was ihr mit mir in all den Jahren geteilt habt!" Und weiter: "Ich habe meinen Kindheitstraum in vollen Zügen leben dürfen und dafür bin ich so unendlich dankbar. Aber mein Herz und vor allem mein Körper haben mir in den letzten Monaten deutlich zu verstehen gegeben, dass es an der Zeit ist, dieses für mich so wunderschönes Kapitel "Skirennsport' zu beenden."

Die ganze Saison über, aber auch schon vorher, hatte der Sohn von Rosi Mittermaier und Christian Neureuther immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Alleine in diesem Winter stoppten ihn mehrere Verletzungen. Sie gaben sicher mit den Ausschlag für den Rücktritt. Weitere Gründe könnten gewesen sein, dass es im deutschen Technikteam nicht mehr stimmte. Zuletzt hatte sich der Slalom- und Riesenslalom-Spezialist über das Niveau und auch die Stimmung beklagt und geäußert, es müsse sich etwas ändern, wenn er noch weitermachen soll.

Neureuther beendet Karriere: "Zeit für etwas Neues"

Sportschau 16.03.2019 01:16 Min. ARD

Hirscher: "Beeindruckend feiner Kerl!"

Marcel Hirscher und Felix Neureuther

Marcel Hirscher und Felix Neureuther

Marcel Hirscher, jahrelang Neureuthers größter Konkurrent im Weltcup, äußerte die Hoffnung, "dass er dem Skisport hoffentlich in irgendeiner Form verbunden bleibt". Den Deutschen würdigte er als tadellosen Sportsmann und "beeindruckend feinen Kerl", der selbst in der Phase, als sie große Rivalen waren, immer fair gewesen sei und ihm mit Rat und Tat beiseite gestanden habe. DSV-Cheftrainer Mathias Berthold sagte: "Ich habe ihn zu seiner Entscheidung beglückwünscht. Er ist glücklich damit, dann ist es auch richtig. Er hat in seinem tiefsten Innern gewusst, er hat die Motivation nicht mehr. Aber man wird schon ein bisschen wehmütig, wenn man weiß, was er noch für Möglichkeiten hat. Es war eine wirklich coole Zeit, ich schätze Felix in erster Linie für seine Persönlichkeit abseits des Sports, aber für uns war er auch als Siegfahrer wichtig."

Eine Karriere mit vielen Aufs und Abs

Felix Neureuther ist mit 13 Weltcupsiegen und insgesamt fünf WM-Medaillen (darunter 2005 in Bormio Gold mit der Mannschaft) der erfolgreichste deutsche Skirennläufer. Seine Karriere war geprägt von großen Erfolgen und langwierigen Verletzungen. Nun hört er auf - langweilig wird ihm dann aber nicht.

"Man hat sich irgendwann mal das Ziel gesetzt, dass man Weltcup-Rennen fahren darf, dann hat man sich das Ziel gesetzt, dass man auf dem Podium stehen darf, dann hat man sich das Ziel gesetzt, dass man Rennen gewinnen will und das hab ich jetzt heute geschafft." - Neureuthers nüchterne Analyse nach seinem ersten Weltcup-Sieg klingt ein wenig wie eine Zusammenfassung seiner gesamten Karriere: Ein Schritt nach dem anderen, immer wieder von vorne anfangen, immer neue Ziele setzen, so lange, bis man sie erreicht hat.

"Mich gefühlt wie Alberto Tomba"

Schon früh fährt er Ski. Sein Idol ist damals aber weder Vater Christian noch seine Mutter Rosi. "Ich bin immer daheim auf dem Berg gefahren und hab so getan, als ob ich Alberto Tomba wäre", sagte Neureuther einmal. Sein großes Vorbild trifft er dann bei einem Kinderrennen. "Da war er Schirmherr. Und das habe ich gewonnen. Es war für mich so eine Ehre, dieses Kinderrennen zu fahren", erzählt er noch Jahre später stolz.

Erfolgreichster Deutscher im alpinen Ski-Weltcup

Felix Neureuther

Felix Neureuther

2003 debütiert Neureuther im Weltcup, sieben Jahre danach gelingt ihm, worauf er so akribisch hingearbeitet hat. Im Januar 2010 gewinnt er den Slalom in Kitzbühel. Es ist der erste von 13 Weltcup-Siegen, insgesamt fährt er bis heute 47 Mal auf das Podest - so oft, wie kein deutscher Skirennfahrer zuvor. Auch bei Weltmeisterschaften bringt er seine Leistung: Weltmeister mit dem Team 2005, dazu einmal Team-Bronze, im Slalom einmal Silber und zweimal Bronze.

Lange Verletzungsgeschichte

Doch neben den Erfolgen sind es auch Verletzungen, die Neureuthers Karriere prägen. Der letzte Kreuzbandriss datiert vom November 2017. Die anschließende Reha bestreitet er mit Teamkollege Stefan Luitz, gemeinsam sehen sie sich Skirennen im Fernsehen an. "Das sind Momente, die verbinden dich ein Leben lang", sagt Neureuther später.

Vater, Sportbotschafter, Kinderbuchautor

Miriam und Felix Neureuther

Miriam und Felix Neureuther

Felix Neureuther hat sich ein Leben abseits des Sports aufgebaut. Seit 2017 ist er mit Biathletin Miriam Gössner verheiratet, Tochter Matilda kam im Oktober 2017 zur Welt. Das hat ihn lockerer gemacht, wie er selbst sagt, "weil es meiner Tochter wurscht ist, ob ich gewinne oder ausscheide. Ich bin immer noch ihr Papa. Sie freut sich einfach, wenn ich nach Hause komme." Neureuther betreut verschiedene Projekte, die Kindern den Spaß am Sport nahebringen sollen. Und er geht unter die Autoren: Gemeinsam mit Bastian Schweinsteiger schrieb er 2017 ein Kinderbuch. Die beiden sind schon lange befreundet, in ihrer Kindheit traten sie bei Skirennen gegeneinander an, stehen gemeinsam auf dem Podest - Schweinsteiger auch mal vor Neureuther. "Wir haben viel zusammen erlebt", sagt Neureuther über den "Basti". Inzwischen gibt es schon zwei Bücher von Neureuther, im anderen geht es um Eishockey. Vom Skistar zum gefeierten Kinderbuchautor? Sieht so aus, als hätte Felix Neureuther auch nach der Ski-Karriere noch genug Ziele, die er sich setzen und erreichen kann.

red | Stand: 16.03.2019, 14:13

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