Als Eberhard Riedel den Alpin-Stars davonfuhr

Eberhard Riedel beim Schneekristall-Slalom-Rennen in Oberwiesenthal 1964

Ski-Geschichte

Als Eberhard Riedel den Alpin-Stars davonfuhr

Von Thomas Purschke

Eberhard Riedel war der beste Skirennfahrer der DDR und ließ mehrfach die Weltelite hinter sich. In den 1950er und 1960er Jahren fuhren DDR-Sportler ohnehin regelmäßig gute Ergebnisse ein.

Es war eine skihistorische Sensation. Der 22-jährige DDR-Athlet Eberhard Riedel aus dem Erzgebirge bezwang im Januar 1961 in Adelboden (Schweiz) die Ski-Stars der Alpenländer im Riesenslalom mit 1,3 Sekunden Vorsprung.

Für seinen Sieg auf der schwierigen Piste wurde er 2004 auf den "Place of Fame" in Adelboden aufgenommen, wo er auf dem Dorfplatz seinen in Beton gegossenen Fußabdruck hinterließ. Riedel erfüllt es bis heute mit Stolz, "dass man mich nach so vielen Jahren auch dort nicht vergessen hat.", sagt er am Telefon.

Neureuther und Riedel deutsche Sieger in Adelboden

Sportschau-Experte Felix Neureuther schmunzelte vor zwei Jahren, als er gefragt wurde, ob ihm der Name Eberhard Riedel etwas sage: "Ja klar, ich habe in Adelboden die lange Siegerliste dieses traditionsreichen Ski-Wettkampf-Klassikers gesehen. Es hat mich sehr gefreut, dort seinen Namen zu lesen. Es ist schon cool, dass wir zwei dort deutsche Skigeschichte geschrieben haben."

Ganze 53 Jahre hatte es gedauert, bis mit Felix Neureuther am 11. Januar 2014 wieder ein Deutscher den Riesenslalom in Adelboden gewinnen konnte.

DDR-Sportler früher erfolgreiche Alpine

In den 1950er und 1960er Jahren fuhren bei den alpinen Ski-Weltmeisterschaften und den Ski-Klassikern auch Alpine aus der DDR mit. Namen wie Eberhard Riedel, Ernst Scherzer, Heinz Gahler, Peter und Werner Lützendorf sind noch heute nicht nur im Erzgebirge bekannt.

Speed-Training auf der Seilbahn-Trasse

Eberhard Riedel galt dabei als "das Wunder vom Fichtelberg" - mit 1.214 Metern der höchste Berg der DDR. Dort trainierten die DDR-Skifahrer mangels Alternativen auf der Trasse der Seilbahn, die zum Gipfel führt.

Auch im Sommertraining galt es zu improvisieren. Mit Bohnerwachs wurden die Skier präpariert - und dann wurde auf mit Wasser besprengten Wiesen in Oberwiesenthal der Slalom geübt. Auch Athletiktraining und Wasserskifahren standen auf den Trainingsplan.

Aus für den Ski-Alpin-Leistungssport in der DDR

Nach den Spielen von Grenoble 1968 kam das Aus für die Förderung des alpinen Skirennsports in der DDR. Zu teuer, zu wenig Medaillenchancen und nicht in das sozialistische Bild passend, hieß es von offizieller Seite. Riedel und seine Sportkameraden mussten ihre Reisepässe abgeben, Starts im westlichen Ausland waren ab 1969 nicht mehr möglich.

Zielgelände von der Streif-Abfahrts- und Super G-Strecke in Kitzbühel 2020

Zielgelände von der Streif-Abfahrts- und Super G-Strecke in Kitzbühel 2020

Für Riedel "war dieser verordnete K.o.-Schlag extrem bitter". 1969 beendete er frustriert seine Sportlerkarriere.

Riedel gab Ulbricht Ski-Alpin-Stunden

Dass er dem damaligen DDR-Staatschef Walter Ulbricht Jahre zuvor Skiunterricht gegeben hatte, nützte ihm nichts. Der damals schon 70-jährige Ulbricht sei vor den Winterspielen 1964 mit der Bitte auf Riedel zugekommen, ihm die Slalomtechnik beizubringen.

Er wollte unbedingt den "Großen Fichtelberg" mit Skiern hinabfahren: "Etwas mulmig war mir schon dabei. Wenn Ulbricht etwas passiert wäre, dann wäre wohl was los gewesen. Als er es tatsächlich mit einigen Mühen ins Tal geschafft hatte, hat er dann gesagt: 'Na, so schwer war es doch gar nicht.'"

Mühsamer Wiederaufbau nach Wiedervereinigung

Der Wiederaufbau des alpinen Skisports in Ostdeutschland begann in den neunziger Jahren. Es ist bis heute ein schwieriger Weg geblieben. Weitaus besser sieht es bei den Nachbarn in Osteuropa aus, wo der alpine Skisport während der kommunistischen Diktatur weiter gefördert worden war.

 Vlhová und Ledecká als Vorbilder

Während Petra Vlhová aus der Slowakei im Weltcup Siege feiert oder die Tschechin Ester Ledecká bei den Winterspielen 2018 Olympiagold im Super-G holte, hat es aus der Talentschmiede Oberwiesenthal bislang niemand in den alpinen Weltcup geschafft.

Nur zwei Alpin-Trainer arbeiten am Sportgymnasium in Oberwiesenthal. DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier setzt sich seit Jahren für den Wiederaufbau ein und gibt sich optimistisch, dass "in Zukunft hoffentlich auch Talente aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die Nationalmannschaft unterstützen werden".

 Muzaton-Szene von Riedel

Derzeit verfolgt Eberhard Riedel die Alpine Ski-WM in Cortina d’Ampezzo und freut sich vor allem über die Medaillen für das deutsche Team. Manchmal erinnert er sich dabei auch an seine eigene aktive Zeit - etwa bei der akrobatischen Flugeinlage des Franzose Maxence Muzaton bei der WM-Abfahrt. In den 1960er Jahren fuhr Riedel bei einem Rennen in St. Anton mit voller Wucht gegen eine im Schnee eingefrorene Torstange, die damals noch aus Holz bestand und keinen Kippmechanismus hatte: "Da hat es mich auch gedreht und ich fuhr etliche Meter rückwärts talwärts, bis ich mich dann doch noch überschlug."

Spektakuläre Rettungsaktion - Muzaton bewahrt sich vor Sturz Sportschau 14.02.2021 02:07 Min. Verfügbar bis 14.02.2022 Das Erste

Nun sehnt er sich danach, dass er im nächsten Winter wieder auf den heimischen Pisten in Oberwiesenthal skilaufen kann. Und natürlich darauf, dass es "auch mal wieder Alpin-Sportler aus Mitteldeutschland in die Weltspitze schaffen".

Stand: 18.02.2021, 10:59

Ski Alpin | Weltcupstand Damen

NamePkt
1.Lara Gut-Behrami1256
2.Petra Vlhová1220
3.Michelle Gisin969
4.Marta Bassino840
5.Federica Brignone817

Ski Alpin | Weltcupstand Herren

NamePkt
1.Alexis Pinturault1050
2.Marco Odermatt969
3.Marco Schwarz718
4.Matthias Mayer700
5.Vincent Kriechmayr675
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