Feuz besiegt "Streif"-Fluch - Schwere Stürze überschatten Skirennen

Abfahrt - Stürze überschatten Rennen auf der Streif Sportschau 22.01.2021 02:01 Min. Verfügbar bis 22.01.2022 Das Erste

Ski Alpin | Weltcup in Kitzbühel

Feuz besiegt "Streif"-Fluch - Schwere Stürze überschatten Skirennen

Bei der Hahnenkamm-Abfahrt in Kitzbühel ist es am Freitag zu heftigen Unfällen gekommen. Der "ewige Zweite" Beat Feuz beendete das Chaos-Rennen auf der "Streif" als Sieger.

Beat Feuz hat seinen Kitzbühel-Fluch besiegt. Viermal war der Schweizer schon Zweiter, am Freitag (22.01.2021) klappte es endlich mit dem ersten Sieg auf der "Streif".

Der 33-Jährige riskierte auf der schwersten Abfahrtsstrecke der Welt alles und stellte mit Startnummer fünf eine Zeit (1:53,77 Minuten) auf, an der sich alle die Zähne vergebens ausbissen.

Ob es tatsächlich für den Sieg reichen würde, stand erst drei Stunden nach Rennbeginn fest. Die Abfahrt wurde wegen schweren Stürzen und Wind-Unterbrechungen zur Hängepartie. Als 30 Athleten im Ziel waren, brach die Jury das Rennen ab. Genau diese Zahl war nötig, um den Klassiker zu werten.

Kryenbühl stürzt schwer

So überwogen bei Feuz statt Freude Frust und Sorge. Sein Teamkollege Urs Kryenbühl stürzte beim Zielsprung, der zuvor schon scharf kritisiert worden war, schwer.

Kryenbühl, der beim Zielsprung die Kontrolle verlor, schlug mit 147 km/h auf die harte Piste auf und musste mit dem Helikopter ins Krankenhaus gebracht werden.

Nach seinem Sturz im Abfahrtsrennen wird Urs Kryenbuehl behandelt

Feuz hatte den Sturz in der Leadersbox mit ansehen müssen und forderte im ZDF eine Entschärfung des Zielsprungs: "Der Sprung ist seit drei Tagen ein Thema - er geht zu weit. Bei diesem Tempo muss es nicht 60, 70 Meter weit gehen. 40 Meter reichen auch." Laut Feuz habe Kryenbühl seinen Trainer erkannt, dass sei "schon ein gutes Zeichen", so Feuz.

Vor allem die Starter mit den höheren Startnummern kämpften mit dem tückischen Schlusssprung. Der Franzose Maxence Muzaton konnte einen Sturz gerade so verhindern, Josef Ferstl (Startnummer 21/Platz 12) flog wie ein Skispringer fast bis über die Ziellinie.

Bestzeit wackelt bisher nur einmal

Zu Beginn des Wettbewerbs waren die Bedingungen deutlich besser. So erlebten die TV-Zuschauer ein spannendes Rennen, doch die Bestzeit wackelte nur, als Vorjahressieger Matthias Mayer aus Österreich unterwegs war. Nach 3.312 rasanten Metern war Mayer 16 Hundertstel langsamer als Feuz.

Auf den dritten Platz fuhr der Italiener Dominik Paris, der schon dreimal in Kitzbühel gewinnen konnte, und mit seiner Fahrt Andreas Sander vom Podium kegelte.

Sander vom Podest gekegelt

So wurde Sanders furioser Auftritt nicht von Erfolg gekrönt. Der Bayer, der unmittelbar nach Feuz gestartet war, war im oberen Teil sogar knapp schneller als der Schweizer. Weil er den Hausberg aber nicht ideal erwischte, verfehlte er die Bestzeit um 95 Hundertstel. Das bedeutete Platz zwei. Vorerst.

Der Deutsche Andreas Sander während der Abfahrt am Hahnenkamm

Andreas Sander ist nach Platz fünf heiß auf die zweite Chance am Samstag.

Oben standen aber noch zahlreiche Mitfavoriten, unter anderem Vorjahressieger Mayer und Abfahrtsspezialist Paris. Beide verdrängten den Deutschen, später im Rennen war auch Johan Clarey aus Frankreich, der am Donnerstag noch gestürzt war, flotter als Sander. Am Ende stand Platz fünf zu Buche.

500. Abfahrt der Weltcup-Geschichte

Lange ärgern wird sich der 31-Jährige sich nicht. Am Samstag (11.30 Uhr) gibt es die neue Chance. Dann bei der "echten" Streif-Abfahrt, bei der es deutlich mehr Geld für den Sieger gibt. Das Rennen am Freitag war die von Wengen auf die "Streif" verlegte Abfahrt. Sie brachte Kitzbühel zugleich einen Eintrag in den Ski-Geschichtsbüchern. Es war die 500. Abfahrt der Weltcup-Geschichte.

Und auch ohne den großen Zirkus war die berühmt-berüchtigste Abfahrt ein sportliches Spektakel, bei dem Sander entscheidend mitspielte: "Ich habe mich richtig gut gefühlt. Heute war ein guter Lauf, aber morgen werde ich noch einmal drauf losfahren. Ob die bessere Leistung zur besseren Platzierung reicht, wird am dann sehen", sagte er im ZDF.

Baumann schneller als Kriechmayer

Neben Gewinnern gab es auch große Verlierer. Der Trainingsbeste vom Donnerstag, Vincent Kriechmayer (Österreich), landete abgeschlagen auf dem neunten Platz - und damit hinter Romed Baumann, der als Zweitbester aus dem DSV-Team Achter wurde. "Ich bin gerade etwas sprachlos", sagte Kriechmayer im ORF, der "mit so einem Ergebnis nicht gerechnet hat".

Skifahrer Baumann spricht über "cooles Ergebnis" in Kitzbühel

Sportschau 22.01.2021 02:53 Min. Verfügbar bis 22.01.2022 ARD


Enttäuscht war auch Ryan Cochran-Siegle aus den USA, Schnellster beim Training am Mittwoch. Er übersah eine Welle und flog von der Strecke in ein Fangnetz. Cochran-Siegle klagte über Schmerzen in der Schulter und wurde ins Krankenhaus gebracht.

Hohe Startnummern als Nachteil

Dominik Schwaiger (Startnummer 26) musste fast zweieinhalb Stunden auf seinen Start warten und zeigte ein nervenstarkes Rennen. Er wurde Zwölfter und verdrängte damit Josef Ferstl (Startnummer 21) - im Training ebenfalls schnell unterwegs - auf Rang 13. Beide hatten bei schlechterer Sicht einen deutlichen Nachteil.

"Doppelpack" - und auch sonst alles anders

Der Franzose Matthieu Bailet beim Sprung während des Abfahrtsrennen

Atemberaubend: Der Franzose Matthieu Bailet beim Sprung während des Abfahrtsrennens.

In Kitzbühel ist und war in diesem Jahr alles anders: Stille statt Spektakel, ein leeres Stadion statt 90.000 Fans, ein emotionsloser Kommentator statt den bekannten Einheizern, doch Mausefalle, Steilhang, Hausberg und Zielsprung sorgten für die gleiche Herausforderung wie immer in der 90-jährigen Geschichte des berühmtesten alpinen Rennens. Samstag gibt es einen Nachschlag.

Drei deutsche "Streif"-Sieger

Thomas Dreßen, Gewinner der Streif 2018, verfolgte das Spektakel diesmal verletzt vor dem TV. Nach einer Hüft-Operation stand er am Donnerstag erstmals wieder "vorsichtig" auf Ski. Neben Dreßen gewannen Sepp Ferstl (1978 und 1979) sowie Ludwig Leitner (1965) das Hahnenkamm-Rennen.

Sanny Stephan | Stand: 22.01.2021, 14:49

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