Südkorea - Weitere Berichte über sexuellen Missbrauch im Short Track

In Südkorea werfen Sportlerinnen Trainer im Short Track sexuellen Missbrauch vor

Athletinnen erheben Vorwürfe

Südkorea - Weitere Berichte über sexuellen Missbrauch im Short Track

Von Chaled Nahar

Short Track zählt in Südkorea zu den wichtigsten und beliebtesten Sportarten - nun aber zeigt sich, dass die Hierarchie zwischen Sportlerinnen und Trainern Vergewaltigungen und Missbrauch begünstigt haben.

Die sexualisierte Gewalt im südkoreanischen Short Track ist in der Politik angekommen. Sohn Hye-won, bis vor Kurzem Abgeordnete in der Nationalversammlung "Gukhoe", sprach für die Gruppe "Solidarität für junge Eisläuferinnen". Sie berichtete von Missbrauch, von ungewollten Küssen und Umarmungen sowie von negativen strukturellen Folgen bei nicht erfolgter Erwiderung der ungewollten Annäherungen. Namentlich genannt wurden die Opfer, die teils in ihren Teenager-Jahren gewesen seien, nicht.

Fünf weitere Fälle von sexuellem Missbrauch im südkoreanischen Short Track kamen durch die Gruppe ans Licht, nachdem die zweimalige Olympiasiegerin Shim Suk-hee zuvor von mehrfacher Vergewaltigung durch ihren Trainer berichtet hatte.

Die wenigsten Täter wurden bestraft

Die Short-Track-Olympiasiegerin Shim Suk-hee berichtet von mehrfahrer Vergewaltigung

Die Short-Track-Olympiasiegerin Shim Suk-hee berichtet von mehrfahrer Vergewaltigung

Die heute 21 Jahre alte Olympiasiegerin Shim sagte, dass ihr Trainer Cho Jae-beom sie mehrfach vergewaltigt habe, seit sie 17 war. Cho wurde kurz vor den Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang entlassen und sitzt derzeit eine zehnmonatige Haftstrafe wegen des Missbrauchs mehrerer Athletinnen ab. Die Vorwürfe bestreitet er. Die Parlamentarierin Sohn beklagte, dass solche Strafen die Ausnahme sind. "Es gibt zahlreiche Berichte über solche Vorfälle im Eisschnelllauf, die meisten Täter wurden aber nicht bestraft."

Eine Schlüsselfigur im südkoreanischen Short Track ist der frühere Nationaltrainer Jeon Myeong-gyu. Er unterrichtete auch an der nationalen Sport-Universität von Seoul , aus der immer wieder Olympiateilnehmerinnen hervorgingen. Die Abgeordnete Sohn forderte Ermittlungen auch gegen ihn, da er Opfer unter Druck gesetzt haben soll, die Taten ihrer Peiniger zu decken. Der frühere Nationaltrainer Jeon sagte daraufhin, dass er die Vorfälle bedaure, aber keine Kenntnis von ihnen gehabt habe.

Weitere Missbrauchsfälle im Short Track in Südkorea Sportschau 23.01.2019 00:59 Min. Verfügbar bis 23.01.2020 Das Erste

Klare Hierarchien begünstigen den Missbrauch

Short Track ist in Südkorea eine der wichtigsten Sportarten. Im Wintersport spielt die Kurzbahn des Eisschnelllaufs die wohl wichtigste Rolle in Südkorea. Es herrscht großer Druck für die Läuferinnen - und der südkoreanische Spitzensport ist bekannt für überharte Trainingsmethoden und für klare Hierarchien zwischen Trainern und Sportlerinnen.

Diese Hierarchien haben die Taten offenbar begünstigt, wie Kritiker in Südkorea bemängeln. Viele Läuferinnen vernachlässigen für Erfolge im Short Track ihre Ausbildung oder ihre Schullaufbahn. Die Folge ist ein noch größeres Abhängigkeitsverhältnis, das es den Sportlerinnen erschwert, aufdringliche Trainer abzuweisen. Probleme, die hinter dem sportlichen Erfolg standen. Nun könnte der nötige Druck entstehen, um die Missstände anzugehen.

Anfang Januar bat der Präsident des koreanischen Sport- und Olympischen Komitees (KSOC), Lee Kee-heung um Entschuldigung. Er räumte "große Mängel" beim Schutz von Sportlerinnen ein. Er versprach, Maßnahmen zu ergreifen und den Betroffenen zu helfen. Selbst Staatspräsident Moon Jae-in nahm Stellung und bezeichnete die Vorfälle als "unsere Schande".

Short Track bleibt nicht der einzige Sport

Eine weitere bittere Erkenntnis in Südkorea aber ist, dass das Problem nicht auf Short Track beschränkt bleibt. Die Judoka Shin Yoo-young hat ebenfalls von mehrfacher Vergewaltigung durch ihren früheren Trainer berichtet. Die Taekwondo-Kämpferin Lee Ji-hye spricht von fünf Jahre dauernden sexuellem Missbrauch durch einen Trainer.

Stand: 23.01.2019, 12:17

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