Das sind unsere internationalen Top 5 des Winters

Alena Kostornaia, Johannes Thingnes Bö, Fedeica Brignone, Jarl Magnus Riiber, Marte Olsbu Röiseland (Collage)

Wintersport-Saisonrückblick

Das sind unsere internationalen Top 5 des Winters

Von Dirk Hofmeister

Rekorde, Ästhetik, Überraschungen und die Verbindung von Babypause und Weltcup-Triumph - das sind unsere Top 5 der internationalen Wintersportler der vergangenen Saison.

Unsere Nummer 5: Alena Kostornaia (Russland) - Eiskunstlaufen

Mit 16 Jahren zum Eiskunstlauf-Europameistertitel. Alena Kostornaia zählt zur neuen russischen Eiskunstlauf-Generation, die ihre Sportart derzeit mit immer neuen akrobatischen Bestleistungen revolutionieren. Das ist nicht ganz unumstritten. Kritiker dieser Entwicklung meinen, dass mit immer neuen Vierfachsprüngen die Ästhetik im Eiskunstlaufen verloren gehen würde. Bei der Europameisterschaft im Januar verzichtete Kostornaia anders als ihre ein Jahr jüngeren russischen Teamkolleginnen Anna Tscherbakowa und Alexandra Trusowa aber auf eine Vierfach-Festival - und siegte mit Dreifachsprüngen und einer ästhetisch ansprechenden Vorstellung. Das ist uns eine Saison-Top-fünf-Platzierung wert. Als Weltranglistenerste wäre Kostornaia auch als eine der Favoritinnen in die WM in Montreal gegangen. Doch wegen der Corona-Pandemie wurden die Titelkämpfe verschoben - vermutlich auf den Herbst.

Eiskunstlauf-EM - die Kür der Siegerin Alena Kostornaia Sportschau 25.01.2020 08:01 Min. Verfügbar bis 25.01.2021 Das Erste

Unsere Nummer 4: Jarl Magnus Riiber (Norwegen) - Nordische Kombination

Auf Jahre hinaus unbesiegbar - Franz Beckenbauers Versprechen für den deutschen Fußball in den 1990er Jahren könnte sich in diesen Tagen in der Nordischen Kombination erfüllen. Jarl Magnus Riiber ist der absolute Dominator der Sportart. Mit 14 Saisonsiegen steigerte der erst 22-jährige Norweger seinen eigenen Rekord noch einmal - nur zweimal stand er den gesamten Winter nicht ganz oben auf dem Siegerpodest. Mit insgesamt 27 Siegen steht der junge sprungstarke Norweger von auf Rang vier der ewigen Bestenliste. Vor allem an der Schanze ist Riiber weiterhin so dominierend, dass er regelmäßig weit vor der Konkurrenz ins Rennen geht - und dann einsam ins Ziel läuft. Hoffnung dürfte vor allem den deutschen Fans wohl nur machen, dass Bundestrainer Hermann Weinbuch sein Team für Großveranstaltungen immer perfekt einstellen kann. Und 2021 ist die Nordische Ski-WM in Oberstdorf …

Nordische Kombination - Rießle Zweiter bei Riibers Kristallkugel-Party Sportschau 07.03.2020 00:43 Min. Verfügbar bis 07.03.2021 Das Erste

Unsere Nummer 3: Federica Brignone (Italien) - Ski alpin

Olympia-Dritte war sie bereits, außerdem WM-Dritte - als Ski-Alpin-Weltcup-Gesamtsiegerin hatte Federica Brignone vor der Saison aber sicher niemand auf dem Schirm gehabt. Doch die Technikspezialistin aus dem italienischen Gute-Laune-Team hatte am Ende einer aus Corona-Gründen verkürzten Alpin-Saison die Nase vorn. Mit 153 Punkten Vorsprung auf Favoritin Mikaela Shiffrin (USA) feierte Brignone den größten Erfolg ihrer Karriere. Allerdings auch, weil Shiffrin wegen des plötzlichen Todes ihres Vaters einen Monat pausiert und acht Rennen ausgelassen hatte. Dennoch: Die bereits 29-jährige Brignone feierte in der besten Saison ihrer Karriere 16 Podestplatzierungen. Neben der großen Kristallkugel durfte die 15-fache Weltcupsiegerin auch noch die kleinen Kugeln für den Riesenslalom und die Kombinationswertung ins krisengeschüttelte Italien mitnehmen.

Kombinationssiegerin Brignone: "Bin besser, wenn es nicht so einfach ist" Sportschau 12.01.2020 01:22 Min. Verfügbar bis 12.01.2021 Das Erste

Unsere Nummer 2: Marte Olsbu Röiseland (Norwegen) - Biathlon

Die Italienerin Dorothea Wierer hat als erste Biathletin seit Magdalena Forsberg 2001/02 geschafft, ihren Sieg im Gesamtweltcup zu verteidigen. Und was hat Marte Olsbu Röiseland in dieser Saison geschafft, um Wierer aus unseren Top 5 zu verdrängen? In vier Worten: sieben historische WM-Medaillen. Bei den Titelkämpfen im Februar in Antholz lief die 29-Jährige fünf Mal zu Gold und zweimal zu Bronze. Sieben WM-Medaillen in sieben WM-Rennen - das schaffte zuvor noch niemand. Und auch für Röiseland, die zuvor fünf Medaillen in sechs Großveranstaltungen gewann, wird dieser Rekord wohl einmalig bleiben.

Weltmeisterin Röiseland: "Heute will ich einfach nur lachen" Sportschau 14.02.2020 07:32 Min. Verfügbar bis 14.02.2021 Das Erste

Unsere Nummer 1: Johannes Thignes Bö (Norwegen) - Biathlon

Was für eine Saison für Johannes Thingnes Bö: Geburt des Sohnes Gustav, fünf WM-Medaillen und am Ende sogar noch der Sieg im Gesamt-Weltcup. Mit zehn Saisonsiegen und einem abschließenden vierten Platz in der Verfolgung von Kontiolahti durfte der 26-jährige Norweger am Ende erneut die große Kristallkugel mit nach Hause nehmen. Denkbar knappe zwei Punkte lag Bö nach 21 Rennen vor Fourcade. Und dass, obwohl er im Januar die beiden Weltcups in Oberhof und Ruhpolding wegen der Geburt seines Sohnes komplett ausgelassen hatte.

Biathlon-Weltmeister 2020: Johannes Thingnes Bö

Biathlon-Weltmeister 2020: Johannes Thingnes Bö

Das sind die Gewinner im Gesamt-Weltcup

Die Saison im Wintersport ist Geschichte - zum Teil planmäßig, zum Teil aber auch vorzeitig wegen der Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus. Wer hatte die Nase vorn im Kampf um die großen Kristallkugeln? Eine Übersicht.

Johannes Thingnes Bö

Biathlon: Johannes Thingnes Bö ist zum zweiten Mal in Folge der Biathlon-Champion. Dabei feierte der überragende Norweger eine Punktlandung. Platz vier beim letzten Weltcup in Kontiolahti reichte zum Gewinn der großen Kristallkugel. Nach Abzug der Streichresultate hatte Bö zwei Punkte Vorsprung vor Martin Fourcade.

Biathlon: Johannes Thingnes Bö ist zum zweiten Mal in Folge der Biathlon-Champion. Dabei feierte der überragende Norweger eine Punktlandung. Platz vier beim letzten Weltcup in Kontiolahti reichte zum Gewinn der großen Kristallkugel. Nach Abzug der Streichresultate hatte Bö zwei Punkte Vorsprung vor Martin Fourcade.

Biathlon: Die Entscheidung um den Gesamtsieg bei den Frauen entwickelte sich zu einem Krimi. Tiril Eckhoff aus Norwegen verspielte den Sieg beim letzten Stehendschießen des Winters. So durfte erneut Dorothea Wierer aus Italien jubeln. Sie wiederholte damit ihren Vorjahrestriumph.

Skispringen: Zum zweiten Mal in seiner Karriere hat Stefan Kraft den Gesamtweltcup gewonnen. Der Österreicher sammelte während der Saison 1.659 Punkte - und sicherte sich den Sieg vor dem viermaligen Saisonsieger Karl Geiger aus Oberstdorf (1.519).

Skispringen: Maren Lundby ist obenauf! Die Norwegerin dominierte die Saison der Skispringerinnen und feiert einen Gesamtsieg-Hattrick. Sie hatte schon 2017/18 und 2018/19 gewonnen.

Ski alpin: Die Italienerin Federica Brignone sicherte sich durch das vorzeitige Saisonende wegen Corona zum ersten Mal in ihrer Laufbahn den Gesamtweltcup, zudem gewann sie die Riesenslalom-Wertung und die kleine Kugel in der alpinen Kombination. Brignone hatte die Führung im Kampf um die große Kristallkugel im Februar von Mikaela Shiffrin übernommen. Die US-Amerikanerin hatte nach dem Tod ihres Vaters eine Wettkampfpause eingelegt und wollte bei den abgesagten Rennen in Are ihr Comeback feiern.

Ski alpin: Bei den Herren ist der Norweger Aleksander Aamodt Kilde erstmals in seiner Karriere Sieger im Gesamtweltcup. Der Speedspezialist aus Norwegen profitierte auch von der Absage der letzten Technikrennen des Winters im slowenischen Kranjska Gora.

Nordische Kombination: An Jarl Magnus Riiber kam in dieser Saison kein Kombinierer auch nur ansatzweise heran. Der Norweger flog und lief allen davon. Seine Rekordserie machte die Sportart aber auch sehr einseitig. Der 22 Jahre alte Norweger feierte insgesamt 14 Einzelsiege und stand vier Rennen vor Saisonende als Gesamtsieger fest.

Langlauf: Der Russe Alexander Bolschunow darf sich über den Sieg im Gesamtweltcup freuen. Er profitierte dabei auch vom freiwilligen, vorzeitigen Saisonende der Norweger, die wegen der Ausbreitung des Coronavirus nicht mehr beim Weltcupfinale antraten.

Langlauf: Bei den Langläuferinnen führte in dieser Saison fast nichts an Therese Johaug vorbei. Die Norwegerin blickt auf eine beindruckende Saisonbilanz von 17 Einzelsiegen zurück.

BobFrancesco Friedrich hat als erster Sportler der Welt zum sechsten Mal in Folge den WM-Titel im Zweier gewonnen: Im Vierer setzte er sich dann zum dritten Mal in Folge die WM-Krone auf. Angesichts dieser historischen Leistung geriet seine Erfolgsserie im Weltcup fast in den Hintergrund: Friedrich gewann den Gesamtweltcup im Zweier und im Vierer.

Bob: Mit 1.611 Punkten jubelte Stephanie Schneider (BSC Sachsen Oberbärenburg) über den Sieg im Gesamtweltcup. Die Sächsin verwies bei ihrem ersten Gesamtsieg Mariama Jamanka auf den zweiten Platz.

Rodeln: Die Oberwiesenthalerin Julia Taubitz konnte erstmals in ihrer Karriere den Gesamtweltcup gewinnen und setzte damit die seit 22 Jahren andauernde Erfolgsserie der deutschen Frauen fort. Schon davor war der jungen Deutschen der Sieg im Sprint-Weltcup sicher. Der Russe Roman Repilow gewann Gesamt- und Sprint-Weltcup bei den Männern.

Rodeln: Die Weltmeister Toni Eggert und Sascha Benecken (Ilsenburg/Suhl) sind zum vierten Mal in Serie Gewinner des Doppelsitzer-Gesamtweltcups. In einem der engsten Saisonfinals der vergangenen Jahre machten sie die Entscheidung ausgerechnet am Königssee perfekt, auf der Heimbahn ihrer Rivalen Tobias Wendl/Tobias Arlt (Berchtesgaden/Königssee). Den Sprint-Weltcup gewannen das Duo Juris Sics/Andris Sics aus Lettland.

Skeleton: Was zunächst nach einer klaren Sache aussah, wurde am Ende eine Zitterpartie: Mit einem achten Platz im letzten Weltcup-Rennen in Sigulda gewann die 25-jährige Jacqueline Lölling den Gesamtweltcup, gerade einmal 18 Punkte vor der Österreicherin Janine Flock.

Skeleton: Altmeister Martins Dukurs (35) aus Lettland, sechsfacher Weltmeister, ist seiner Favoritenrolle gerecht geworden und hat sich den Weltcup-Gesamtsieg gesichert. Das ist für ihn mittlerweile Routine. Es war sein neunter Erfolg im Gesamtweltcup.

Snowboard: Mit einem Sieg im vorletzten Parallel-Riesenslalom des Winters in Blue Mountain sicherte sich Ramona Hofmeister vorzeitig den Disziplinen-Weltcup, nur einen Tag darauf legte sie Sieg Nummer zwei in Kanada nach und gewann vorzeitig den Gesamtweltcup - als erst zweite Deutsche nach Amelie Kober in der Saison 2008/09.

Snowboard: Der Italiener Roland Fischnaller ist der überragende Fahrer der Saison bei den Alpin-Snowboarder. Bereits vor den letzten Parallel-Riesenslaloms im kanadischen Blue Mountain stand er als Gesamtweltcupsieger und Gewinner des Parallel-Riesenslalom-Weltcups fest.

Snowboard: Xuetong Cai (China) und Scotty James (Australien) flogen erfolgreicher als alle anderen durch die Halfpipe. Die Saison der Snowboard-Asse ist bereits beendet.

Snowboard: Auch beim BigAir gibt es keine Wettbewerbe mehr. Die besten beim Sprung über einen Kicker waren die Japanerin Reira Iwabuchi und Chris Corning aus den USA.

Die Kristallkugeln: Über 70 Kristallkugeln werden in einer Wintersportsaison für Gesamt- und Disziplinen-Weltcupgewinner vergeben. Produziert werden die begehrten Trophäen in Bodenmais im Bayerischen Wald. Die große Kugel hat einen Durchmesser von 23 Zentimetern, die gesamte Trophäe ist 46 Zentimeter hoch und wiegt zwölf Kilogramm. Die kleine Kugel kommt bei einer Höhe von 36 Zentimetern auf acht Kilogramm.

Stand: 16.03.2020, 08:00

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