Rodeln – so läuft die kommende Saison

Natalie Geisenberger

Saisoncheck

Rodeln – so läuft die kommende Saison

Von Sanny Stephan

Deutschland und Rodeln - das ist eine ganz große Liebe. Seit Jahrzehnten fahren die Deutschen von Sieg zu Sieg. Auch wenn die Männer zuletzt schwächelten, ist mit den Deutschen fest zu rechnen. Unser Saisoncheck.

Saisonauftakt

Die Rodlerinnen und Rodler starten am 28./29. November in Innsbruck in die Weltcup-Saison. Die deutschen Meisterschaften am Königssee sind bereits gefahren. Erst danach will Bundestrainer Norbert Loch gemeinsam mit seinen Trainerkollegen über das Weltcup-Team entscheiden. Die Qual der Wahl hat Loch vor allem bei den Frauen und Doppelsitzern. Die WM-Medaillengewinner Julia Taubitz und die Doppelsitzer Toni Eggert/Sascha Benecken haben ihren Startplatz im Weltcup sicher.

So lief die vergangene Saison aus deutscher Sicht:

Wie so oft: überragend. Zumindest was die Rodel-Frauen und die Doppelsitzer betrifft. Vor allem bei den Frauen war nicht damit zu rechnen, schließlich fehlten Natalie Geisenberger und Dajana Eitberger, die Kinder bekamen. Der Nachwuchs schloss die Lücke. Julia Taubitz wurde zur Nummer 1, gewann den Gesamtweltcup und eine WM-Medaille. Anna Berreiter rodelte in ihrer ersten Saison zu zwei Weltcupsiegen. Die Doppelsitzer räumen ohnehin seit Jahren ab.

Julia Taubitz, Rennrodlerin

Julia Taubitz nutzte die Gunst der Stunde und schnappte sich den Gesamtsieg.

Spannend war dabei oft nur die Frage: Fahren Toni Eggert/Sascha Benecken oder Tobias Wendl/Tobias Arlt zum Sieg? Einzig die Einzel-Männer trieben Cheftrainer Loch Sorgenfalten auf die Stirn. Bei Sohn Felix ging fast nichts zusammen. Bester Rodler war Johannes Ludwig mit drei Siegen und Platz vier in der Gesamtwertung.

So lief die Vorbereitung:

Mit einer kleinen Ausnahme ganz gut. Weil ein Trainer Mitte Oktober positiv getestet wurde, musste das Team zehn Tage lang eine Trainingspause einlegen. Ansonsten "scharren" (Loch) alle mit den Hufen und können den Weltcupstart kaum erwarten. Die Rückkehrerinnen Eitberger und Geisenberger hinterließen laut Loch einen starken Eindruck, und auch die Nachwuchs-Athleten machen Druck. Max Langenhan, der sich in der vergangenen Saison mit einer Handgelenksverletzung quälte, zeigte sich in sehr guter Frühform. Auch die Doppelsitzer bekommen neue interne Konkurrenz. Die 19-jährigen Hannes Orlamünder/Paul Gubitz überzeugten in den Testwettbewerben.

Die Top-Favoriten

Als ärgster Widersacher hat sich zuletzt Russland entpuppt. Tatjana Iwanowa, Wiktorija Demtschenko, Roman Repilow und Semjon Pawlitschenko werden wohl auch in diesem Winter die größten Konkurrenten sein. Dazu ist der Italiener Dominik Fischnaller immer für Siege gut. Bei den Doppelsitzern darf man auf die Österreicher Thomas Steu/Lorenz Koller gespannt sein. Beide verpassten nahezu die komplette vergangene Saison, weil sich Steu bei einem Trainingssturz das Bein gebrochen hatte.

Deutsche auf der Überholspur ... oder doch Russland?

Die deutschen Rodler sind seit Jahren auf Sieg programmiert. Zuletzt sorgten die Frauen und Doppelsitzer für Siege. Doch so klar wie einst ist die Dominanz nicht mehr. Unser Blick auf die Favoriten.

Tatjana Iwanowa jubelt

Tatjana Iwanowa (Russland): Die Konkurrenz ist groß und kommt vor allem aus Russland. Tatjana Iwanowa rodelt seit 2008 im Weltcup, so gut wie in der vergangenen Saison war sie bisher nur 2015/16. Iwanowa wurde Zweite in der Gesamtwertung. Die 29-Jährige muss man auf der Rechnung haben.

Tatjana Iwanowa (Russland): Die Konkurrenz ist groß und kommt vor allem aus Russland. Tatjana Iwanowa rodelt seit 2008 im Weltcup, so gut wie in der vergangenen Saison war sie bisher nur 2015/16. Iwanowa wurde Zweite in der Gesamtwertung. Die 29-Jährige muss man auf der Rechnung haben.

Wiktorija Demtschenko (Russland): Die Tochter des ehemaligen Weltklasse-Rodlers Albert Demtschenko hat sich in der Weltspitze festgebissen und mit WM-Bronze und Platz 3 in der Weltcup-Gesamtwertung angedeutet, wohin ihr Weg gehen soll.

Natalie Geisenberger (Deutschland): Die neunmalige Weltmeisterin ist zurück. Nur knapp sechs Monate nach der Geburt ihres Sohnes greift die Vollblut-Rodlerin wieder an. Ihr großes Ziel bleibe Olympia 2022, im Weltcup wolle sie nicht im Mittelfeld landen, Siege am Fließband wie vor der Pause seien aber unrealistisch, meinte Geisenberger.

Dajana Eitberger (Deutschland): Zwei Monate vor Natalie Geisenberger wurde Dajana Eitberger ebenfalls Mutter. Als Bundestrainer Norbert Loch sie erstmals wieder im Eiskanal sah, hatte er ein "breites Grinsen" im Gesicht. Eitberger hat nichts verlernt und wird angreifen wollen.

Roman Repilow (Russland): Schon als blutjunger Athlet spielte Roman Repilow im Konzert der Großen mit. Er ist erst 24, aber schon Doppel-Weltmeister und zweimaliger Weltcup-Gesamtsieger.

Semjon Pawlitschenko (Russland): Der größte Konkurrent kommt aus dem eigenen Land: Semjon Pawlitschenko gewann den Gesamtweltcup 2018/19, musste sich aber im vergangenen Jahr geschlagen geben. Es dürfte ein packender Zweikampf werden.

Dominik Fischnaller (Italien): Macht ein Italiener den Russen einen Strich durch die Rechnung und wird der lachende Dritte? Zuzutrauen ist es Dominik Fischnaller auf alle Fälle.

Toni Eggert/Sascha Benecken (Deutschland): Der Sieg bei den Doppelsitzern geht nur über ein deutsches Doppel, oder? Zumindest war in den vergangenen Jahrzehnten nur selten ein Kraut gegen die Deutschen gewachsen. Mit fünf Weltcup-Gesamtsiegen stehen die Thüringer wieder als Top-Favoriten am Start.

Tobias Wendl/Tobias Arlt (Deutschland): Sie sind das zweite deutsche Ausnahme-Rodel-Duo. Die beiden Tobis sind viermalige Olympiasieger und viermalige Weltcup-Gesamtsieger - und immer noch hungrig.

Thomas Steu/Lorenz Koller (Österreich): Die Doppelsitzer aus Österreich dürften so etwas wie die Wundertüte werden. Beide waren in der letzten Saison in Topform und wurden durch einen Trainingssturz, bei dem sich Thomas Steu das Bein brach, jäh gestoppt.

Deutsche Chancen

Natürlich wollen die deutschen Top-Athleten wieder die erste Geige spielen. Bei den Frauen und Doppelsitzern gehören Julia Taubitz und möglicherweise auch Natalie Geisenberger und Dajana Eitberger zum Favoritenkreis. Bei den Doppelsitzern muss man Wendl/Arlt und Eggert/Benecken nennen. Eine Wundertüte sind die deutschen Männer. Es bleibt spannend, ob der einstige Siegfahrer Felix Loch zu alter Stärke zurückfindet.

Höhepunkte

Neben den neun Weltcuprennen ist die Heim-Weltmeisterschaft vom 29. bis 31. Januar am Königssee der Höhepunkt. Eigentlich sollte in Whistler um WM-Medaillen gerodelt werden, wegen der Corona-Pandemie entschied sich der Weltverband FIL, die Wettkämpfe nach Bayern zu vergeben.

Auswirkungen der Pandemie

Die Amerika-Weltcups sind gestrichen, die WM findet nicht im kanadischen Whistler, sondern am Königssee statt. Das sind die größten Auswirkungen. Neu - und Corona-geschuldet - ist die Aufteilung der Trainingsgruppen in ein Team "Thüringen" und ein Team "Bayern, NRW und Sachsen". Beide Gruppen trainieren getrennt voneinander. "Sollte es in dem einen Team einen Fall geben, müssen die anderen antreten. So stellen wir sicher, dass wir im Weltcup immer starten können", erklärt Loch die ungewöhnlichen Maßnahmen vor einer ungewöhnlichen Saison.

Stand: 23.11.2020, 11:06

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