Rodler Loch und Tüftler Hackl - das wiedererstarkte Erfolgsduo

Georg Hackl und Felix Loch

Rodel-Saisonauftakt

Rodler Loch und Tüftler Hackl - das wiedererstarkte Erfolgsduo

Von Bernd Eberwein

Rodler Felix Loch hat sich nach einer 22-monatigen Sieglos-Serie in Innsbruck eindrucksvoll zurückgemeldet. Loch und sein Coach Georg Hackl haben in der Vorbereitung vieles umgekrempelt, intensiv am Material gearbeitet und sich noch einmal neu erfunden.

Am Abend des ersten Advent durfte Rodler Felix Loch endlich mal abschalten. Nach dem erfolgreichen Weltcup-Auftakt in Innsbruck war ein kurzer Zwischenstopp in der Heimat am Königssee angesagt.

Zwei Stunden Zeit für die Kinder, die den Papa in den kommenden Wochen eher selten sehen werden. Denn schon am heutigen Montag (30.11.2020) geht's weiter nach Altenberg, wo am Sonntag schon der nächste Einzel- und Team-Weltcup für Loch ansteht.

Wenig Zeit, ein durchaus überraschendes Wochenende zu verarbeiten. 22 lange Monate musste der dreimalige Olympiasieger auf einen Weltcup-Sieg warten. "Wir haben die letzten Jahre vielleicht ein bisschen in eine falsche Richtung gearbeitet, was das Material betrifft", blickt Loch auf die bisher schwierigste Phase seiner Karriere zurück.

Der Winter 2019/20 hat Loch und sein Team zum Nachdenken gebracht: "Wir haben uns nach der Saison viele Gedanken gemacht, was können wir besser machen, wo müssen wir ansetzen, was machen die anderen besser?"

Loch und sein Team, allen voran der frühere Weltklasserodler Georg "Schorsch" Hackl, haben deswegen in der Sommervorbereitung an diversen Stellschrauben gedreht. "Wir haben sehr, sehr viel am Material gearbeitet, hart im Kraftraum und das athletische Training vorangebracht - und das alles zusammen macht den Ausschlag", erklärte Loch in Blickpunkt Sport im BR Fernsehen.

Loch: Saisonauftakt "hammergeil"

Der Lohn beim Weltcup-Auftakt in Innsbruck-Igls: Siege im Einzelrennen, im Sprint und mit der Teamstaffel. "Das ist natürlich hammergeil, wenn es gleich beim ersten Saisonrennen so perfekt funktioniert", sagte Loch, damit gerechnet habe er aber nicht.

Ganz anders sein Trainer und Mentor Hackl: Der hatte sich vor dem Auftakt in einem Interview für seine Verhältnisse doch recht weit aus dem Fenster gelehnt. "Ich sehe ihn jeden Tag rodeln und trainieren - und so gut wie er im Moment ist, habe ich ihn schon lange nicht mehr gesehen", sagte Hackl der "Sport Bild" vor dem Innsbruck-Wochenende.

Georg Hackl - der Ratgeber für alle Fälle

Hört man nun Loch reden wird klar, wie besonders das Verhältnis der beiden mittlerweile ist. Druck haben Hackls Aussagen keineswegs erzeugt. Vielmehr scheint Hackl nicht nur der entscheidende Techniktüftler wie in den vergangenen Wintern, sondern auch der Hauptmotivator zu sein.

"Der Schorsch hat über die ganze Vorbereitung gesagt: Felix, das schaut richtig gut aus, was du machst. Du fährst sauber, vom Material schaut's gut aus. Jetzt warten wir den ersten Weltcup ab und dann reden wir nochmal", erklärte Loch. Das Bilanzgespräch nach drei Weltcup-Siegen zum Auftakt fiel entsprechend positiv aus: "Er ist genauso riesig zufrieden wie ich, es hätte wirklich nicht besser laufen können an diesem Wochenende."

Es scheint, als hätte sich das Erfolgsduo Loch/Hackl noch einmal neu erfunden. Loch hebt seit Jahren immer wieder das "blinde Verständnis" der beiden hervor. Dass Hackl auch noch Stützpunkttrainer an Felix' Heimbahn am Königssee und noch immer ein unermüdlicher Materialtüftler ist - ein zusätzlicher Bonus.

Kampfansage an die Konkurrenz

Dank des Traumstarts in die neue Weltcup-Saison ist auch das 22 Monate kaum zu sehende Selbstvertrauen zurück. "Als ich den ersten Rennlauf unten gehabt habe, habe ich gewusst: Das passt, ich kann ganz beruhigt in den zweiten Lauf und die nächsten Rennen gehen", sagte Loch: "Und wir haben noch die eine oder andere Stelle, wo wir noch was rausholen können." Das wiedererstarkte Tandem Loch/Hackl ist hungrig, wieder die Rodel-Welt zu dominieren.

Loch kann sich Olympiastart 2026 vorstellen

Heim-WM 2021 am Königssee, Olympia 2022 in Peking - die Ziele sind Loch noch lange nicht ausgegangen. An ein frühes Karriereende denkt der heute 31-Jährige ohnehin nicht. Selbst Olympia 2026 ist noch eine Option.

"Die Spiele 2026 in Italien wären eigentlich immer noch gut machbar, mit Mitte 30. Wenn ich sehe: Der Georg Hackl ist bis fast 40 gerodelt. Ja, es ist auf jeden Fall machbar", sagte Loch schon weit vor dem Saisonstart im September in einem Instagram-Talk mit BR24 Sport. Loch und Mentor Hackl sind bereit für weitere Heldentaten im Eiskanal.

Stand: 30.11.2020, 11:04

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