Plötzlich Nummer eins - Rennrodlerin Julia Taubitz

Vor dem Weltcup-Start in Innsbruck

Plötzlich Nummer eins - Rennrodlerin Julia Taubitz

Von Ronny Eichhorn

Die vergangene Saison war die von Julia Taubitz. Im Dezember 2018 gelang der erste Weltcup-Sieg, es folgten zwei WM-Silbermedaillen im Sprint und Einzel. Und jetzt ist die 23-Jährige plötzlich der "alte Hase" im jungen deutschen Rennrodler-Team, nachdem Tajana Hüfner ihre Karriere beendete, Natalie Geisenberger und Dajana Eitberger eine Baby-Pause einlegten. Wie die sympathische Sächsin vom WSV Oberwiesenthal mit ihrer neuen Rolle umgeht und welche sportlichen Ziele sie sich gesetzt hat, verriet Taubitz im Gespräch mit sportschau.de.

Sie sind die Nummer eins im deutschen Rennrodel-Team. Wir fühlt sich das an?

Julia Taubitz: "Das war schon erstmal ein komisches Gefühl. Ich war ja schon im Sommer-Lehrgang die Älteste, da wusste ich das mit den Schwangerschaften aber noch nicht. Es ist ungewohnt und irgendwie ist 'das Schlimmste', dass alle auf mich schauen. Dabei bin ich selber noch nicht fehlerfrei und bräuchte noch jemand. Aber mittlerweile habe ich mich damit abgefunden, es ist auch schön, dass ich schon so ein Standing habe. Nächste Woche werden wir sehen, wie gut es läuft."

Mit Tatjana Hüfner hatten Sie eine besonders enge Verbindung.

"Tatjana und ich, wir waren ja Zimmerkolleginnen. Da konnte ich mir einiges abschauen. Bei ihr wusste ich aber auch, dass sie aufhört. Wir haben dann zum Beispiel in Lake Placid ein Eis gegessen, weil wir wussten, es ist dort ihr letztes Rennen gewesen."

Tatjana Hüfner und Julia Taubitz - die Rodel-WG Sportschau 10.02.2019 02:32 Min. Verfügbar bis 10.02.2020 Das Erste

Nachdem drei starke deutsche Damen nicht dabei sind, wer sind die Hauptkonkurrentinnen für Julia Taubitz in der kommenden Saison?

"Tajana Iwanowa aus Russland schätze ich sehr stark ein. Sie war wegen der Olympischen Spiele 2014 gekränkt (Amn.: Team-Silber wurde zunächst wegen Dopings aberkannt, später wurde die Sperre durch den Internationalen Sportgerichtshof wieder aufgehoben). Sie ist sehr stark geworden. Und dann noch die WM 2020 in Sotschi, da werden alle russischen Athletinnen stark sein. Dazu kommen noch Summer Britcher und Emily Sweeney aus den USA. Und die Lettinnen können gut dabei sein, wenn sie keine Fehler machen."

Anna Berreiter, Cheyenne Rosenthal und Jessica Tiebel heißen ihre Teamkolleginnen, allesamt im Weltcup noch grün hinter den Ohren. Dürfen die zu Ihnen kommen und um Rat fragen?

"Nur Jessica hat Weltcup-Erfahrung. Ich biete natürlich meine Hilfe an. Bei Fragen können sie gern zu mir kommen. Ich muss aber auch auf mich schauen. Bundestrainer Norbert Loch machte schon klar, dass die Zeit der Seriensiege erstmal vorbei ist. Das ist eine Herausforderung auch für ihn. Einiges wird anders, wir müssen erst mal sehen, wo wir stehen."

Wie lauten Ihre Ziele für die neue Saison? Gibt es einen Angriff auf die große Kugel?

Julia Taubitz

Julia Taubitz

"In der Weltcup-Saison habe ich mir vorgenommen, eine Kugel mit nach Hause zu nehmen. Also Platz eins bis drei in der Gesamtwertung. Die Ansprüche sind natürlich höher, mit Platz sechs oder sieben wäre ich nicht zufrieden. Andererseits ist es auch schwer nach einer guten Saison. Es gibt hohe Erwartungen, ich bin jetzt die Nummer eins, Aber ich bin mittlerweile entspannt, habe mir nur ein, zwei Tage darüber einen Kopf gemacht."

Höhepunkt wird die Weltmeisterschaft in Sotschi. Was macht die Bahn dort so schwer?

"Bei der WM wird es für Deutschland schwer. Ich bin beim Weltcup vergangene Saison zum ersten Mal dort runter und wurde Fünfte. Mit Fehlern. Die Bahn ist von oben sehr schnell. Und es gibt lange Kurven, zwei bis drei Schlüsselstellen. Als ich das erste Mal runtergefahren bin, dachte ich nach der zweiten Kurve, „Holla die Waldfee“. Da ging gleich die Post ab."

Gibt es ein Medaillenziel im Hause Julia Taubitz und Toni Eggert, ihrem Lebensgefährten?

"Wir haben kein Medaillenziel für Sotschi. Wir sind gut durch die Vorbereitung gekommen, nahezu verletzungsfrei."  

Wenn Natalie Geisenberger und Dajana Eitberger nach der Babypause zurückkehren, macht dann Julia Taubitz „Pause“?

"Mit Kindern, das hat noch Zeit. Da ist in den nächsten ein, zwei Jahren noch nichts geplant. Außerdem würde das bei mir bedeuten, dass ich meine sportliche Karriere beende. Dann haben andere Dinge Vorrang."

Noch ein Blick auf den 23. November, da steigt der erste Weltcup in Innsbruck/Igls. Mit welchem Ziel?

"Ich mag die Bahn in Igls, da bin ich von klein auf gefahren. Letzte Saison habe ich dort einen Bahnrekord aufgestellt, den würde ich gern verbessern. Ziel ist ein Platz zwischen eins und drei."

Vielen Dank für das Gespräch 

Stand: 12.11.2019, 15:52

Rodeln | Weltcupstand Damen

NamePkt
1.Natalie Geisenberger1052
2.Julia Taubitz793
3.Summer Britcher637

Rodeln | Weltcupstand Herren

NamePkt
1.Semjon Pawlitschenko788
2.Roman Repilow718
3.Felix Loch685

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