Rodeln - Natalie Geisenberger macht erstmal Baby-Pause

Natalie Geisenberger

Ohne Drei – deutsche Rennrodel-Frauen vor schwieriger Saison

Rodeln - Natalie Geisenberger macht erstmal Baby-Pause

Von Andreas Ahn

Die viermalige Olympiasiegerin im Rennrodeln, Natalie Geisenberger, wird im kommenden Winter nicht an den Weltcups und den Weltmeisterschaften teilnehmen. Die 31-jährige Miesbacherin ist schwanger und wird im April 2020 ihr erstes Kind zur Welt bringen.

Deutschlands erfolgreichste Rennrodlerin hat neben ihren vier olympischen Goldmedaillen sieben Mal in Folge den Gesamtweltcup im Rennrodeln und neun Weltmeistertitel gewonnen. Nach Vancouver 2010, Sotschi 2014 und Pyeongchang 2018 noch ein viertes Mal an Olympischen Spielen teilzunehmen, ist für sie Motivation, ihre sportliche Karriere nach der Babypause fortzuführen.

Erfolgreiche Rückkehr wäre ein Novum

"Wir wollten Familie, wir haben vergangenes Jahr geheiratet, mein Mann Markus und ich; und wir wollten auch ein Kind. Mir war klar, dass ich nach Korea von Jahr zu Jahr schau“, erklärte die Weltklasse-Rennrodlerin in einem exklusiven Interview mit der Sportschau. "Irgendwann habe ich mich dazu entschieden, dass ich Lust auf die WM in Winterberg hatte, wo ich auch sehr froh bin, dass ich die mitgenommen habe. Jetzt haben wir uns gedacht, ein Kind wäre schön und das hat jetzt geklappt. Mein Plan ist, ab nächstem Jahr wieder dabei zu sein und mein langfristiges, aktuelles Ziel – wenn alles so läuft wie wir uns das denken - dann eben in Peking ´22 wieder am Start zu stehen.“

Schon einmal hat es eine Rennrodlerin geschafft nach der Geburt eines Kindes erfolgreich zurückzukehren. Steffi Walter, geborene Martin, brachte nach ihrem Olympiasieg 1984 in Sarajevo im Dezember 1986 einen Sohn zur Welt. Im Februar 1988 wiederholte sie im kanadischen Calgary ihren Olympiasieg. Nun plant auch Geisenberger, nach der Babypause wieder zurückzukommen. "Ich hätte die Unterstützung von meinem Mann, von meinen Eltern, und auch von meinem kompletten Umfeld. Die Reaktionen in der Trainingsgruppe und der Trainer waren : 'Du kannst das schaffen'“, sagt sie. – "Das freut mich, ich schaue jetzt einfach mal und wenn ich dann in Peking dabei bin, dann ist das echt gut gelaufen."

Kinderwagen statt Rennschlitten: Geisenberger nimmt Auszeit Sportschau 13.10.2019 01:32 Min. Verfügbar bis 13.10.2020 Das Erste

Deutsches Team nun "ohne Drei"

Cheftrainer Norbert Loch nahm es äußerlich gelassen, dass seine Top-Athletin der vergangenen zehn Jahre ihn vor wenigen Tagen überrascht hat. Geschockt war er nach eigener Aussage nicht. "Dafür bin ich zu lange im Geschäft. Ich weiß ja, dass die Damen familiär eingebunden sind, da gehört Familienplanung dazu. Wir haben es bei Dajana Eitberger gesehen, die den Weg so gewählt hat, und jetzt die Natalie, die sich in der gleichen Situation befindet“, erklärte der Cheftrainer während des ersten Nationalmannschafts-Lehrgangs in Oberhof.  "Natürlich fängt man das Überlegen an, mein Gott, wie geht’s weiter, du hast ganz anders geplant. Ich freue mich für Natalie und ich wünsche mir, sie wiederzusehen, sie wird immer einen Platz bei uns im Team haben.“

Natalie Geisenberger

Neben der angesprochenen Dajana Eitberger, die ebenfalls schwanger ist und ihr Kind im Februar erwartet, steht auch Tatjana Hüfner, vor Natalie Geisenberger fünf Mal in Folge Gesamtweltcup-Siegerin, nicht mehr zur Verfügung. Die mittlerweile 36-Jährige hatte am Ende der Saison 2018/2019 ihre sehr erfolgreiche Karriere beendet.

Auch ihre Trainingspartner vom Königssee, Felix Loch und das Doppel Tobias Wendl/ Tobias Arlt, freuen sich mit Geisenberger, auch wenn die drei Männer im kommenden Winter auf die einzige Dame aus der "Trainingsgruppe Sonnenschein" verzichten müssen. "Irgendwie hat sich das angedeutet. Aber wir waren super happy. Ich kenn es ja, für einen Mann ist es ja etwas leichter, Kinder zu haben, für eine Frau, die Sport macht, ist es deutlich schwieriger. Natalie ist in einem super Alter und wir drücken ihr die Daumen, dass alles gut läuft und freuen uns wirklich für Sie, und hoffen, dass Sie dann auch wirklich zurückkommt“, äußert Arlt, der genauso wie Loch schon zweifacher Vater ist.

"Natalie wird uns sehr fehlen"

Georg Hackl, der für Geisenberger seit vielen Jahren den Schlitten baut und vorbereitet, blickt schon in die Zukunft und auf die in knapp sechs Wochen in Innsbruck startende Weltcup-Saison. "Die Natalie wird auf jeden Fall sehr, sehr fehlen. Gut, wir haben jetzt jüngere Mädels dabei, die schicken sich an, dass sie in die Fußstapfen treten. Das ist natürlich schon noch ein ganzes Stück Arbeit. Ich habe natürlich jetzt mehr Zeit, mich um die Juniorinnen zu kümmern und das nehme ich auch wahr, so gut es geht.  Die Arbeit in der neuen Saison ist schon in vollem Gange.“

Stand: 14.10.2019, 06:00

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