Para Biathlon: Anja Wicker reist mit Rückenwind nach Östersund

Anja Wicker

WM in Östersund

Para Biathlon: Anja Wicker reist mit Rückenwind nach Östersund

Anja Wicker steht vor ihrer sechsten WM-Teilnahme im Para Ski nordisch. Die Welt-Para-Sportlerin des Monats Januar ist mit Rückenwind zur WM im schwedischen Östersund (12.-15.03.2020) gereist.

Zehn Tage lang hat sich das deutsche Nordic Paraski Team in Ridnaun auf die Para Biathlon-Weltmeisterschaft vorbereitet. Anja Wicker hätte nichts dagegen, aus dem Ort des finalen Trainingslagers ein gutes Omen für die Wettkämpfe in Östersund abzuleiten. Der Geist von Ridnaun trug sie vor sechs Jahren zum größten Erfolg ihrer Karriere: Paralympics-Gold 2014 in Sotschi. Der Triumph im Biathlon über zehn Kilometer kam damals aus dem Nichts – "auch wenn ich mich schon in Ridnaun gut gefühlt hatte", wie sie sich erinnerte. Für die Athletin des MTV Stuttgart war es der Start in drei erfolgreiche Jahre. Sie gewann viele Weltcup-Rennen, den Gesamt-Weltcup der Jahre 2015 und 2017 und bei der Heim-Weltmeisterschaft 2017 in Finsterau den Titel über 12,5 Kilometer.Vor ihrer sechsten Teilnahme an einer Weltmeisterschaft könnte sich Wicker theoretisch entspannt zurücklehnen. Doch sie will es sich selbst beweisen.

Überlastungssyndrom im Arm wirft Wicker zurück

Nach der WM in Finsterau lief für Wicker mit einem Mal nichts mehr zusammen. Sie beschrieb: "Ich konnte nicht mehr richtig trainieren, konnte mich nicht belasten. Ich wusste nicht, was mit mir los war." Als klar war, dass gesundheitliche Probleme die Ursache für ihren Leistungseinbruch waren, hatte sie eineinhalb Jahre ins Land gehen sehen. Vor der WM 2019 in Prince George wähnte sich Wicker wieder auf dem Weg zurück, machte ihr ein Überlastungssyndrom im Arm zu schaffen. Sie hatte es mit dem Training übertrieben. Sie erklärte: "Ich musste erst wieder mühsam lernen, auf meinen Körper zu hören und ihm zu vertrauen." Erst im Mai 2019 war sie wieder fit.

Anja Wicker

Anja Wicker

Weil vor allem die US-amerikanische Konkurrenz mit Oksana Masters und Kendall Gretsch einen unwahrscheinlichen Leistungssprung gemacht und frühere Probleme am Schießstand in den Griff gekriegt hatte, war der Abstand zur Weltspitze für Anja Wicker gewaltig. Anpassungen am Faktorsystem, das im Para-Sport Leistungsgerechtigkeit zwischen Sportlern mit unterschiedlichen Graden der Beeinträchtigung herstellen soll, erschwerten es ihr zusätzlich, vorn dabeizusein.

Höhere Frequenz - kürzere Skistöcke

Um dem entgegenzuwirken, entschied sie mit dem Betreuerstab um Bundestrainer Ralf Rombach, ihre Technik umzustellen. Wicker sollte die Frequenz ihres Stockeinsatzes erheblich erhöhen. Die Länge ihrer Stöcke hat sie in den Sommermonaten 2019 kontinuierlich gekürzt. Sie arbeitete an ihrer Kraftausdauer und quälte sich mit Skirollern Alpenpässe hinauf. Die Stunde der Wahrheit schlug im Dezember beim Weltcup-Auftakt in Lillehammer. Wicker holte sich als Langlauf-Achte über die Kurzdistanz ein gutes Gefühl: "Ich konnte mich voll belasten und habe mein Tempo durchgehalten." Beim Heim-Weltcup im sächsischen Altenberg heimste sie zuerst einen zweiten Platz und tags darauf sogar einen Sprint-Sieg ein. Sie sagte: "Mir ist ein Riesenstein vom Herzen gefallen. Ich habe schon daran gezweifelt, jemals wieder auf dem Podium zu sehen."

Anja Wicker

Anja Wicker

Der Lohn: Das Internationale Paralympische Komitee nominierte Wicker für die Wahl zur Para-Sportlerin des Monats Januar. 54 Prozent stimmten für die 28-Jährige, die sagt: "Ich habe gar nicht damit gerechnet. Aber man merkt durch so etwas, dass man im Aufwind ist und andere das auch wahrnehmen." Den Rückenwind will sie mit in die drei WM-Rennen in Östersund nehmen. Die vielen Kurven dort liegen ihr normalerweise nicht. Aber die Organisatoren habendie Strecke im Vergleich zum Weltcup 2019 verändert. Wicker begrüßt das: "Wenn die Bedingungen passen, will ich ums Podium mitlaufen." Konkurrenz kommt von Masters, Gretsch, Andrea Eskau (USC Magdeburg) und das qualitativ und quantitativ starke russische Team, das erstmals seit 2015 für ein Großereignis zugelassen ist. Wicker beurteilt die Rückkehr der gesperrten Mannschaft mit gemischten Gefühlen. Eine höhere Konkurrenz mach den Wettbewerb interessanter, so Wicker: "Ich möchte mich mit ihnen messen."

mkö | Stand: 11.03.2020, 12:40

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