Die andere Nordische Ski-WM - eine Bilanz

Jonas Dobler

WM-Fazit

Die andere Nordische Ski-WM - eine Bilanz

Von Laura Schmitt (Oberstdorf)

Die Nordische Ski-WM in Oberstdorf ist zu Ende. Eine ganz andere WM als sonst, nicht nur wegen der Corona-Pandemie.

"And the Winner is…": Leiser Applaus gleitet durch den Nachthimmel, die Bässe der Musik hallen im Stadion, die Jubelschreie der Athleten werden durch die FFP2-Masken gedämpft. Die Nordische Ski-WM in Oberstdorf ist zu Ende. Es waren Titelkämpfe der anderen Art. Lange Zeit vor den Wettbewerben war man skeptisch, ob sie während einer globalen Pandemie überhaupt stattfinden können beziehungsweise sollen.

Hygienekonzept funktionierte – 23.000 Tests, nur neun positive Fälle

Doch die Veranstalter blieben fokussiert, verschärften kurz vor Beginn das Hygienekonzept noch einmal und sind damit gut gefahren. Insgesamt sind mehr als 4.500 Athleten, Betreuer, freiwillige Helfer und Medienschaffende nach Oberstdorf gekommen. "Wir hatten 23.000 Tests, davon neun positive Fälle. Das Konzept hat also voll gegriffen", sagte Franz Steinle, DSV-Präsident, am letzten Wettkampftag.

Das Konzept funktionierte, die Stimmung an den Wettkampforten war entsprechend gut. Man fühlte sich sicher. Doch wirkliche WM-Atmosphäre kam nicht auf. Die Gassen der Marktgemeinde teilweise wie ausgestorben, nur vereinzelt hatten Anwohner ihre Häuser geschmückt.

Hitze, Schnee und Regen – wettertechnisch war alles dabei

Langläufer Mark Pollock in kurzen Hosen

Dem Australier Mark Pollock war es in Oberstdorf ganz schön warm.

Das Thermometer zeigte zu Beginn fast 20 Grad - bei einer Weltmeisterschaft im Wintersport. Viele der Mitwirkenden stiegen deshalb aufs Fahrrad um. Ungewöhnlich, womit die Veranstalter auch nicht unbedingt gerechnet hatten. Für die Langläufer eine Herausforderung: Die Anzüge wurden kurzerhand abgeschnitten, oder sie glitten gleich nur in kurzer Hose und Leibchen durch die Loipe.

Auch hier eine Herausforderung für die Veranstalter, die Strecken so zu präparieren, dass Wettkämpfe stattfinden konnten. Und gegen Ende der WM? Da kam der Winter noch einmal zurück. Beim Skispringen von der Großschanze Schneegestöber, Wind und eisige Temperaturen. Bei der WM war wirklich alles dabei.

Athleten und Betreuer sehr zufrieden

"Oberstdorf hat sich mehr als WM-würdig präsentiert", bilanzierte Langlauf-Bundestrainer Peter Schlickenrieder. "Es ist auch toll, wie positiv hier die freiwilligen Helfer mitgearbeitet haben. Das ist für jeden ein Mehraufwand und eine größere Belastung. Und trotzdem hast du die lächelnden Augen bei denen gesehen, die uns geholfen habe. Das ist eben unsere große Ski-Familie."

Auch die Resonanz bei den Athleten war positiv. "Das haben sie hier wirklich sehr cool gemacht", sagte Skispringern Carina Vogt. Und blieb doch etwas wehmütig: "Wir haben schon gesagt, wie es wohl wäre, jetzt auch bei dem Wetter, wenn Zuschauer da wären." Alles in allem eine gelungene WM – auch aus sportlicher Sicht. Die Organisatoren haben gezeigt, dass mit den richtigen Konzepten ein Großereignis auch während einer Pandemie möglich ist.

Stand: 08.03.2021, 10:27

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