Nach Disqualifikation von Kläbo: Wirbel um Langlauf-Rangelei

Disqualifikation von Kläbo: Ein Rennen mit zwei Verlierern Sportschau 08.03.2021 02:50 Min. Verfügbar bis 08.03.2022 Das Erste

Nordische Ski-WM

Nach Disqualifikation von Kläbo: Wirbel um Langlauf-Rangelei

Langlaufstar Johannes Kläbo feierte schon sein viertes WM-Gold, dann wurde er disqualifiziert: Die letzte Entscheidung von Oberstdorf sorgte noch einmal für mächtig Wirbel.

Viele halten Langlauf ja für langweilig. Aber der letzte Wettkampftag bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf hat gezeigt, wie hitzig es im Kampf um den Sieg zugehen kann. Erst vor ein paar Wochen sorgte Alexander Bolschunow für Aufsehen: Der Russe hatte nach einem umkämpften Schlusssprint, bei dem ihm sein finnischer Rivale Joni Mäki auf der Zielgeraden keinen Platz ließ, wütend reagiert.

Er schlug zunächst mit der Faust in Richtung des Finnen und streckte diesen nach dem Überqueren der Ziellinie in vollem Tempo per Bodycheck nieder - fortan wurde der 24-jährige Russe als "Langlauf-Rüpel" bezeichnet.

Bolschunow den Tränen nahe

Und eben jener "Langlauf-Rüpel" war wieder Hauptakteur bei der umstrittensten Szene der WM - doch diesmal war der Russe das Opfer. Johannes Kläbo hatte nach 50 km auf der Zielgeraden seinem Kontrahenten Bolschunow die Vorfahrt genommen, bei einem leichten Zusammenstoß war der Stock des zu diesem Zeitpunkt führenden Russen dann gebrochen. Bolschunow hatte im Zielsprint keine Chance mehr. Der Norweger siegte - scheinbar.

Alexander Bolschunow

Alexander Bolschunow kämpft mit den Tränen.

Der ehrgeizige Russe, der unbedingt einen weiteren Titel gewinnen wollte, saß bedient im Zielraum und kämpfte mit den Tränen. Kläbo durfte sich aber nur eine Stunde über seine vierte Goldmedaille in Oberstdorf freuen, denn er wurde disqualifizert. Weltmeister wurde der zunächst zweitplatzierte Norweger Emil Iversen. Bolschunow holte Silber, Bronze ging an den Norweger Simen Hegstad Krüger.

Wer hatte mehr Platz? Kläbo oder Bolschunow?

"Für mich fühlte es sich so an, als wollte er mich abdrängen. Auf der anderen Seite hatte er viel Platz", rechtfertigte sich Kläbo. "Mit einem Stock kann ich nicht um Gold kämpfen. Entweder gewinnt Kläbo oder ich, aber nicht Iversen", sagte Bolschunow, der bei der Siegerehrung darauf verzichtete, sich seine Medaille um den Hals zu hängen.

Bundestrainer Peter Schlickenrieder kann die Disqualifikation nachvollziehen. "Das war grenzwertig von Kläbo. Da war einfach kein Platz mehr", sagte er: "Wenn er meint, er muss die Spur wählen, die der vor ihm laufende Bolschunow wählt, finde ich es grenzwertig. Wenn er hinten dran ist, muss er normalerweise um Bolschunow herumlaufen und die linke Spur wählen."

Kläbo verliert Gold - der Zielsprint über die 50 km in Oberstdorf Sportschau 07.03.2021 00:41 Min. Verfügbar bis 07.03.2022 Das Erste

Kläbo ist von der FIS enttäuscht

Unterdessen hat sich der norwegische Langlaufstar in den sozialen Medien zu Wort gemeldet. Es sei der härteste Tag seiner Karriere gewesen, so Kläbo, der enttäuscht über die Entscheidung der FIS ist: "Erst hat die FIS mich als Gewinner bekannt gegeben und die Situation wurde als Rennvorfall gehandhabt, dann hat die FIS ihre Meinung geändert und beschlossen, mich zu disqualifizieren. Ich werde vorsichtig sagen, was ich gerade im Sinn habe, aber ich bin sehr enttäuscht von der Art und Weise, wie die FIS mit der Situation umgegangen ist."

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Und Bolschunow? Der konnte sich offenbar doch noch über die Silbermedaille freuen, wie Bilder auf seinem Instagram-Account zeigen.

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red/dpa/sid | Stand: 08.03.2021, 12:24

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