Historischer Samstag in der Nordischen Kombination

Die Nordische Kombiniererin Jenny Nowak

Nordische Ski-WM

Historischer Samstag in der Nordischen Kombination

Erstmals in der Geschichte findet bei einer WM in der Nordischen Kombination ein Frauen-Wettbewerb statt. Es soll der Beginn einer großen Ära werden.

"Meiner Meinung nach hat es viel zu lange gedauert", sagt Svenja Würth deutlich. Die 27-Jährige ist eine von vier deutschen Kombiniererinnen, die bei der WM-Premiere in Oberstdorf dabei sind.

Der 27. Februar 2021 wird in die Geschichte eingehen - als Tag, an dem die letzte Männerbastion des Wintersports fiel. Fast 100 Jahre nach dem ersten WM-Rennen in der Kombination bei den Männern dürfen nun auch Frauen um Medaillen springen und laufen.

Seit 1931 Frauen bei der Alpinen Ski-WM

"Das ist ein Meilenstein. Jetzt sind wir komplett", sagte DSV-Funktionär Horst Hüttel. Bei der Premiere werden 33 Frauen aus zehn Nationen am Start sein. Was auf den ersten Blick wenig wirkt, relativiert sich beim Vergleich mit anderen Sportarten. 2009 feierten die Skispringerinnen mit 36 Starterinnen ihre WM-Premiere. Die erste Weltmeisterschaft der Biathletinnen 1984 in Chamonix nahmen 35 Skijägerinnen in Angriff und die erste Alpin-WM mit Frauen fand schon 1931 mit 19 Starterinnen statt.

Hüttel nimmt die überschaubare Teilnehmerzahl gelassen: "Es wird wachsen", glaubt er und stellt einen Vergleich mit den Alpinen an: "In einer seit 50 Jahren etablierten FIS-Disziplin wie der Ski-Abfahrt waren es zuletzt auch nur 39 Damen". Daher seien 33 Starterinnen in einer jungen Sparte "ganz okay".

Jenny Nowak - die Pionierin

Die Nordische Kombiniererin Jenny Nowak

Jenny Nowak schwebt ins Tal. Für die junge Kombiniererin geht am Samstag ein Traum in Erfüllung.

Der deutsche Skiverband war eine treibende Kraft auf dem Weg zur Etablierung der Frauen in der Nordischen Kombination. Hüttel gehörte auch einer Expertengruppe der FIS an, die sich mit der Entwicklung der Frauen-Kombination beschäftigte. 2015 starteten die zwölf- bis dreizehnjährigen Mädchen in der Nordischen Kombination im FIS-Youth-Cup erstmals auf internationaler Ebene.

Eine, die von Beginn an dabei ist, ist Juniorenweltmeisterin Jenny Nowak aus dem sächsischen Sohland. "Ich bin gemeinsam mit dieser Sportart gewachsen. Ich war beim ersten Continental Cup dabei, beim ersten Weltcup, und jetzt auch bei der ersten WM. Das macht mich stolz", sagte Nowak. Zu den Medaillen-Kandidatinnen gehört Nowak wie auch die anderen drei deutschen Starterinnen Svenja Würth, Maria Gerboth und Cindy Haasch nicht.

Zweiklassen-Gesellschaft

Und trotzdem werden es alle genießen. International hatten die Kombi-Frauen bisher kaum Chancen, sich zu zeigen. Umso schöner, dass sie am Samstag (10 Uhr Springen, 15.30 Uhr 5-km-Langlauf im Sportschau-Stream) um Gold, Silber und Bronze kämpfen werden. Bis zur Gleichberechtigung der Geschlechter im Skisport ist es aber immer noch ein weiter Weg - und das wurde vor allem im Corona-Winter klar.

Während in der Kombination der Männer 15 Weltcups ausgetragen wurden, war es bei den Frauen nur einer. Die Zwei-Klassen-Gesellschaft zwischen Frauen und Männern zeigt sich auch im Skispringen. "Das hat damit zu tun, dass die Ausrichter mit einem Weltcup der Männer Geld verdienen können, während die Frauen ein Zuschussgeschäft sind", erklärte Skisprung-Frauen-Bundestrainer Andreas Bauer.

Nordische Kombination der Frauen in Ramsau - die Zusammenfassung Sportschau 18.12.2020 12:48 Min. Verfügbar bis 18.12.2021 Das Erste

Die WM-Premiere der Frauen in der Nordischen Kombination ist ein Anfang und ein kleiner, aber wichtiger Schritt.

red/sid | Stand: 26.02.2021, 21:17

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