Nordische Kombination - so läuft die kommende Saison

Vinzenz Geiger beim Seefeld-Triple

Saisoncheck

Nordische Kombination - so läuft die kommende Saison

Die letzte Saison verlief für die deutschen Kombinierer eher enttäuschend. Zu oft standen sie im Schatten des Dominators Jarl Magnus Riiber. Wie sehen die Chancen für die WM-Saison aus? Wer sind die Favoriten?

Saisonauftakt

Die Nordischen Kombinierer starten mit den Langläufern in die neue Weltcupsaison: Der erste Wettbewerb (142 HS/5 km Langlauf) findet am 27. November im finnischen Ruka statt. An diesem Wochendende stehen noch zwei weitere Kombinationen auf dem Programm. Nach dem Skispringen geht es dann jeweils über 10 km in die Loipe.

So lief die vergangene Saison aus deutscher Sicht

Für die deutschen Kombinierer war die letzte Saison die schlechteste seit 1999/2000. Auch die zehn Podestplätze - davon zwei Siege- von Vinzenz Geiger konnten das Gesamtergebnis nicht aufpolieren.

Der Norweger Jarl-Magnus Riiber dominierte von Beginn an die Saison, gewann 13 der 16 Einzel und sorgte mit seiner Überlegenheit für reichlich Langeweile. Auch in den Mannschafts-Wettbewerben führte der 23-Jährige Norwegen zum Sieg. Mit 5660:3826 Punkten lag "Norge" in der Nationenwertung glasklar vor Deutschland, das drei Jahre zuvor noch die Skandinavier mit 6688:2823 deklassiert hatte.

Vor allem die beiden erfolgreichsten deutschen Kombinierer erlebten eine schwarze Saison. Rekordweltmeister Eric Frenzel blieb erstmals seit 2008/09, Doppel-Olympiasieger Johannes Rydzek erstmals seit 2009/10 ohne Podestplatz. Aus der deutschen Mannschaft schaffte es ansonsten nur Fabian Rießle als Dritter zwei Mal aufs Stockerl.

So lief die Vorbereitung

"Auf uns wartet viel Arbeit", sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch nach der verkorksten Saison. Immerhin war die Baustelle schnell ausgemacht: "Am Laufen liegt es sicher nicht", sagte Fabian Rießle: "Wir müssen einfach schauen, dass wir auf der Schanze vorwärts kommen." Denn die Sprungschwäche der DSV-Athleten offenbarte sich die komplette letzte Saison.

Es folgten personelle Konsequenzen: Der langjährige Skisprungtrainer Ronny Ackermann zog sich zurück, für ihn kam Heinz Kuttin. Mit dem Österreicher soll die Leichtigkeit auf der Schanze zurückkehren. "Wir werden mit Heinz das Skispringen nicht neu erfinden. Aber er bringt eine andere Philosophie rein", stellte Weinbuch fest. Kuttin war lange Jahre Cheftrainer der österreichischen Spezialspringer. Um auf der Schanze wieder konkurrenzfähig zu sein, sei man sogar "ein gewisses Risiko eingegangen, indem wir im Laufen einiges weggenommen haben. Wir haben fürs Skispringen sehr viel hinten angestellt", so der Bundestrainer weiter.

Die Top-Favoriten

Top-Favorit in dieser Saison ist ganz klar: Jarl Magnus Riiber. Der Norweger war der Dominator im letzten Winter. Der 23-Jährige legte eine beeindruckende Serie von 18 Podestplätzen in Folge hin und sicherte sich vorzeitig den Gesamtweltcup vor seinem Landsmann Jörgen Graabak und Geiger. Dass Riiber zumindest im Springen noch in Top-Form ist, bewies er unlängst bei den norwegischen Skisprungmeisterschaften: Da wurde er beachtlicher Fünfter.

Überhaupt sind die Norweger nicht zu unterschätzen: Der Gesamt-Weltcup-Zweite Graabak und der erst 20-Jährige Jens Luraas Oftebro sollten die NoKo-Fans auf dem Zettel haben. "Es reizt uns, wieder die Nummer eins der Welt zu werden. Im Moment sind wir die Nummer zwei", sagte Weinbuch.

Deutsche Chancen

Und dann sind da ja noch die DSV-Athleten: Wenn sie es schaffen, zur alten Sprungstärke zurückzukehren, dann können sie vorne wieder mitmischen. Allen voran der Gesamt-Dritte der letzten Saison Vinzenz Geiger. Hoffnung auf den ein oder anderen Podestplatz darf sich auch Fabian Rießle machen. Der Team-Olympiasieger von 2018 konnte jüngst seinen Titel bei den Deutschen Meisterschaften verteidigen.

Aber auch Eric Frenzel und Johannes Rydzek werden noch mal angreifen - schließlich steht ja in Oberstdorf eine Heim-WM (26. Februar - 6. März 2021) an. "Goldschmied"-Trainer Hermann Weinbuch geht noch einmal voll in den Angriffsmodus, gibt aber unverblümt zu, dass er sich Gedanken gemacht habe, ob er den Jungs noch helfen und sie vorwärts bringen könne. Nach einem eindeutigen Votum der Jungs blieb Weinbuch und geht in seine 25. Weltcupsaison als Trainer.

Höhepunkte

Die WM ist neben dem Seefeld-Triple Ende Januar der Höhepunkt der Saison für die Nordischen Kombinierer. Und für die WM hat Weinbuch auch schon Ziele ausgegeben: "Wir haben vier Wettkämpfe, drei Medaillen wollen wir gewinnen. Es wäre natürlich sehr schön, wenn eine goldene dabei wäre. Zuhause will man schon glänzen. Man erwartet von uns viel, wir können aber mit dem Druck umgehen."

Auswirkungen der Corona-Pandemie

Der Weltcup-Kalender der Kombinierer blieb trotz Pandemie nahezu unberührt. Zwei Weltcups werden in Deutschland ausgetragen, im Februar in Klingenthal (6./7. Februar) und der Saisonabschluss im März in Schonach (20./21. März).

Allerdings ist fraglich, ob auch überall Zuschauer die Athleten anfeuern können. Der erste Weltcup in Ruka wird wohl ohne Fans stattfinden. Die Organisatoren bei der WM in Oberstdorf hoffen dagegen auf Publikum: Man plane mit "mindestens 2.500 Zuschauern im Skisprungstadion" und "2.000 + X im Langlaufstadion", sagte Moritz Beckers-Schwarz, einer der Geschäftsführer der Nordischen Ski-WM GmbH, im November. "Wir haben das Thema Pandemie sehr ernst im Blick und gehen kein Risiko in dem Ganzen."

red/sid/dpa | Stand: 26.11.2020, 13:17

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