Kombiniererin Jenny Nowak - Mit mentaler Stärke in den historischen Winter

Jenny Nowak, Nordische Kombination, jubelt

Vor dem ersten Weltcup-Winter für die NoKo-Frauen

Kombiniererin Jenny Nowak - Mit mentaler Stärke in den historischen Winter

Von Dirk Hofmeister

Seit dem vergangenen Wochenende haben die deutschen Nordischen Kombinierer auch eine deutsche Meisterin. Jenny Nowak sicherte sich den Platz in den Geschichtsbüchern. Weitere Kapitel könnten schon in diesem Winter dazukommen - nur der Olympia-Traum erfüllt sich noch nicht so bald.

Eigentlich kennt sich Jenny Nowak ziemlich gut damit aus, wie es sich als Pionierin ihrer Sportart so anfühlt. Die Nordische Kombiniererin gewann 2018 bei der Junioren-WM den Präsentations-Wettkampf, holte ein Jahr später bei der ersten regulären WM für die Junioren-Kombiniererinnen eine Medaille, stand bei der Jugend-Olympia-Premiere der Kombiniererinnen im Januar 2020 auf dem Treppchen und feierte schließlich bei der Junioren-WM im März in Oberwiesenthal zwei Mal Gold.

Nowak: "Etwas ganz Besonderes"

Der vergangene Samstag (24.10.2020) brachte dann aber doch noch einmal ganz was Neues. Nowak sicherte sich als erste deutsche Meisterin in der Nordischen Kombination einen weiteren Platz in den Geschichtsbüchern ihrer Sportart. "Es ist schön, die Erste zu ein, die etwas gewonnen hat. Das ist etwas ganz Besonderes", strahlte die 18-Jährige nach ihrem überlegenen Sieg auf Skirollern in Oberstdorf.  

Erstmals Weltcups und WM für Kombiniererinnen

Mit dem deutschen Meistertitel und den Plätzen eins und zwei eine Woche zuvor (17./18.10.2020) beim international gut besetzten Alpen-Cup in Klingenthal erwischte Nowak einen perfekten Start in eine historische Saison. Erstmals werden in diesem Winter Weltcups für die Kombiniererinnen ausgetragen, im März feiern die Frauen zudem Premiere bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf. "Die Sportart hat eine tolle Entwicklung genommen. Wir sind ziemlich gut aufgestellt", freut sich auch Horst Hüttel, beim Deutschen Skiverband (DSV) Teammanager der Kombinierer, auf die Premieren-Saison.

Aus fünf mach zwei - Corona verkleinert Kalender

Eine Premieren-Saison, in der die Nordische Kombination wie alle Sportarten weltweit mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen hat - was vor allem die Frauen zu spüren bekommen. Im vom Weltverband FIS Anfang Oktober verabschiedeten vorläufigen Weltcup-Kalender finden sich nahezu alle bereits im März geplanten Männer-Weltcups. Bei den Frauen wird es aber nur zwei von ursprünglich fünf vorgesehenen Weltcups geben. "Das ist Corona geschuldet. Auch bei uns im Lande", erklärt Hüttel: "Leider wird es beim Weltcup in Schonach keinen Damen-Wettbewerb geben. Aus finanziellen und logistischen Gründen habe das der Deutsche Skiverband gemeinsam mit dem Organisationskomitee so entschieden."

Gemeinsame Wettkämpfe der Frauen und Männer

Jenny Nowak, Nordische Kombination, beim Skispringen.

Jenny Nowak in der Luft (Archivbild).

So bleiben als Höhepunkte für die Frauen die Weltcups Anfang Dezember im norwegischen Lillehammer, Anfang Januar im estnischen Otepää und schließlich die Nordische Ski-WM im Februar und März in Oberstdorf. Die etablierten Männer und die aufstrebenden Frauen gehen dabei an allen drei Orten gemeinsam von der Schanze und in die Loipe. Anders als bei den Skisprung-Frauen, die zumeist einen von den Männern abweichenden Kalender und damit weniger Öffentlichkeit haben, sollen die NoKo-Frauen damit von der medialen Aufmerksamkeit für die Männer profitieren können.

Deutscher Meister Rießle: "Mega-cool"

Ein Schritt, den Weltmeister und Olympiasieger Fabian Rießle "mega-cool" findet, wie der Schwarzwälder am Samstag (24.10.2020) nach seinem Sieg bei den deutschen Meisterschaften sagte. "Die Mädels brauchen wohl noch ein, zwei Jahre zur Entwicklung. Es ist aber auf jeden Fall wichtig, dass es angeschoben wird." Eric Frenzel, als fünffacher Weltcup-Gesamtsieger langjähriger Kombinations-Dominator sagte bereits nach Nowaks Junioren-WM-Sieg im März: "Ich bin begeistert. Es ist der richtige Schritt, dass die Frauen bei Großereignissen dabei sind. Die Frauen haben in der kurzen Zeit eine tolle Entwicklung gemacht."

Nowak: Nervenstärke und Gelassenheit

Nowak hört das Lob gern, entgegnet auf die Frage nach einer möglichen Aufregung vor der ersten Saison im großen Rampenlicht aber gelassen: "Nervös bin ich nicht. Ich freue mich eher auf die Saison mit den Weltcups und der Heim-WM." In den Winter kann sie mit einigem Selbstbewusstsein gehen. Läuferisch zählt sie zu den Besten der Welt und auf der Schanze hat sie sich im Sommer, auch dank der vom Spezialskispringen zu den Kombiniererinnen gewechselten Svenja Würth, noch einmal verbessert. Hinzu kommen mentale Eigenschaften wie Nervenstärke, Konzentrationsstärke und Gelassenheit, mit denen sie bereits im März in ihrem Wohnort Oberwiesenthal den Druck abschütteln konnte und zu Doppel-Gold gelaufen ist. "Sie ist ein ganz feines Mädel. Und, dass sie sich bei wichtigen Wettkämpfen auf den Punkt top konzentrieren kann, ist ein Merkmal von ihr", weiß Nowaks Oberwiesenthaler Heimtrainer Uwe Schuricht.

Zu Olympia 2022 durch die Hintertür?

Unter Beweis stellen kann Nowak das, wenn am ersten Dezember-Wochenende zwei Weltcup-Wettkämpfe in Lillehammer anstehen. An Medaillen bei der WM in Oberstdorf will Nowak noch nicht denken. "Mein Ziel ist, dass ich mich erstmal für die WM qualifiziere und daheim starten darf." Dafür denkt Nowak schon an die ganz große Bühne der Olympischen Spiele. "Wie bei jedem Sportler ist es auch mein Traum, da dabei zu sein." Bis zu diesem Höhepunkt muss sich die Erzgebirglerin aber noch ein bisschen in Geduld üben. "Für 2022 in Peking wird das noch nichts werden", erklärt Hüttel. "Die einzige Chance, dass die Kombination der Frauen bereits 2022 ins Olympia-Programm aufgenommen wird, besteht darin, dass China selbst einen Antrag stellt. Das würden wir natürlich begrüßen", sagt Hüttel, der nicht nur beim DSV sondern auch beim Weltverband FIS einer der Spitzenfunktionäre für die Nordische Kombination ist.

Pläne für Olympia 2026 - "Ich bin ja noch jung"

Die Chancen für Olympia 2026 stehen laut Hüttel aber gut. Im Sommer 2022 soll beim Kongress des Internationalen Olympischen Komitees die Aufnahme der NoKo-Frauen in den Olympia-Kalender beschlossen werden. Aussichten, auf die Nowak mit einem Lächeln reagiert: "Ich hoffe, dass wir 2026 dabei sein dürfen. Da ich noch sehr jung bin, habe ich ja auch noch ein bisschen Zeit." Und wenn es mit der bisher so hoffnungsvollen Karriere des deutschen Top-Talents bis dahin so steil weitergeht, könnte Nowak auch in sechs Jahren als Pionierin Geschichte schreiben.

Nordische Kombination: Deutsche Weltmeisterin bei Junioren-Ski-WM Morgenmagazin 05.03.2020 01:33 Min. Verfügbar bis 05.03.2021 Das Erste

Jenny Nowak über die Nordische Kombination: "Hat sich schnell entwickelt" Sportschau 12.12.2019 00:17 Min. Verfügbar bis 12.12.2020 Das Erste

Stand: 26.10.2020, 12:01

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