Hermann Weinbuch: "Sieben Startplätze, aber acht sehr gute Kombinierer"

Die Nordischen Kombinierer Johannes Rydzek (l-r), Fabian Riessle, Vinzenz Geiger und Eric Frenzel stehen mit Bundestrainer Hermann Weinbuch

Interview mit dem Bundestrainer der Nordischen Kombinierer

Hermann Weinbuch: "Sieben Startplätze, aber acht sehr gute Kombinierer"

Die Nordischen Kombinierer starten in die WM-Saison. Bundestrainer Hermann Weinbuch gibt sich im Interview mit sportschau.de sehr optimistsich - denn seine Athleten hätten sich im Springen erheblich gesteigert.

Sportschau: Ende November ist der Saisonauftakt für die Nordischen Kombinierer. Lief die Vorbereitung trotz Corona wie geplant?

Hermann Weinbuch: Im Großen und Ganzen schon, wir mussten aber sehr flexibel sein. Wir haben nicht alle Schanzen wie gewohnt besuchen können - da hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir haben aber trotzdem sehr gut trainiert. Wir konnten alles, was wir uns vorgenommen hatten, umsetzen. Wir haben uns auch an der 48-Stunden-Regel orientiert: kürzere Aufenthalte, dafür öfter.

Gibt es spezielle Corona-Maßnahmen im Team?

Weinbuch: Wir haben versucht, möglichst immer Einzelzimmer zu bekommen, das hat allerdings nicht immer geklappt; dann waren jeweils Athleten eines Stützpunkts zusammen in Doppelzimmern untergebracht. Beim Essen haben wir uns auf mehrere Tische verteilt, und wir haben natürlich auch immer wieder Tests gemacht.

In der vergangenen Saison hatten die DSV-Athleten Probleme mit dem Springen und gingen oft mit großem Rückstand in die Loipe. Jetzt steht Ihnen mit Heinz Kuttin ein erfahrener Skisprung-Trainer zur Seite. Wurde nun der Schwerpunkt auf das Sprungtraining gelegt?

Bundestrainer Hermann Weinbruch

Bundestrainer Hermann Weinbruch

Weinbuch: Ja, das haben wir. Ich hatte meine Ideen und habe mich mit Heinz Kuttin abgestimmt. Wir waren da auf einer Linie und haben da auch wirklich was geschafft. Wir sind vorwärts gekommen. Wir werden sicher stärker springen als im vergangenen Jahr. Wenn ich aber die Ergebnisse von Jarl Magnus Riiber (Gesamt-Weltcup-Sieger der vergangenen Saison/Anm. d. Red.) sehe, der bei den norwegischen Meisterschaften der Spezialspringer ganz vorne mitmischte, wissen wir, was uns blüht.

Keine Angst, dass die Laufleistung darunter leidet?

Weinbuch: Da sind wir schon ein Risiko eingegangen. Das haben wir etwas weniger trainiert. Aber die Mannschaft hat da eine hohe Substanz, dass da kein Schaden entsteht. Zwei, drei Athleten sind beim Laufen sogar besser geworden. Und die superguten Läufer haben ihr Niveau halten können – bei denen wäre aber auch mit anderen Trainingsschwerpunkten kaum mehr eine Steigerung möglich gewesen.

Die vergangene Saison verlief für die beiden Routiniers Eric Frenzel und Johannes Rydzek eher enttäuschend, sie blieben ohne Podestplatz. Welchen Eindruck haben beide bislang hinterlassen?

Eric Frenzel

Eric Frenzel

Weinbuch: Sie haben sehr konzentriert, fleißig und akribisch trainiert. Eric musste anfangs lang arbeiten, bis was vorwärts ging. Er hat da aber wirklich Ruhe bewahrt. Zum Schluss, die letzten drei, vier Wochen, ging es steil bergauf. Er hat zuletzt richtig gute Sprünge gemacht.

Und Johannes Rydzek ...?

Weinbuch: Johannes Rydzek war in der vergangenen Saison sehr schwach im Springen. Da mussten wir erst mal wieder das Selbstvertrauen aufbauen. Das ist gelungen. Er erzielte schnell gute Sprungergebnisse. Sein Problem ist aber oft die Stabilität. Wir haben ihm spezielle Aufgaben gegeben, die hat er gut bewältigt. Er agiert nun viel stabiler, bei internen Tests war er ganz vorne.

Wie sieht es beim Nachwuchs aus? Drängt sich da jemand auf?

Johannes Rydzek

Johannes Rydzek

Weinbuch: Die Dynamik und Konkurrenz werden immer mehr. Wir haben nur sieben Startplätze, aber acht richtig gute Kombinierer im Kader. Fast jeder kann jeden schlagen. Die Jungen sind näher an die Etablierten herangekommen. Es wird spannend, wer sich von den Jungen durchsetzen kann. Julian Schmid, der Jüngste im Kader, wird zwar in Kuusamo nicht dabei sein. Er darf dann aber in Lillehammer starten. Nach diesen Wettkämpfen treten die besten sieben dann in Ramsau an.

Bislang planen die Veranstalter bei der Heim-WM in Oberstdorf mit Zuschauern - wenn auch mit wenigen. Wie wäre eine WM ohne Fans?

Weinbuch: Das wäre schon sehr traurig. Eine WM in Oberstdorf ist immer ein Fest. Speziell 2005: Das war die schönste Weltmeisterschaft, die ich erlebt habe. Ich hoffe, dass wenigstens die 2.500 Zuschauer zugelassen werden. Es wäre schon schön für die Athleten, dass, wenn sie bei einer Heim-WM etwas gewinnen, mit der Begeisterung der Fans belohnt werden.

Welche Erwartungen haben Sie insgesamt an die Saison?

Weinbuch: Wir wollen besser springen. Dann werden wir noch weiter vorne sein. Wir wollen an Riiber rankommen und ihn vielleicht auch mal schlagen. Das wäre das erste Ziel. Dann will ich vor allem, dass die jungen Leute immer näher an die Weltspitze rankommen und das umsetzen, was sie sich im Training erarbeitet haben. Bei der WM will ich von meinen Zielen der vergangenen Jahre nicht abweichen. Wir haben vier Wettbewerbe, drei Medaillen wollen wir gewinnen. Wenn eine goldene dabei wäre, wäre das richtig gut - das sind hohe Ziele, aber keine überzogenen.

Das Gespräch führte Nicole Hornischer.

Stand: 10.11.2020, 19:21

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