Hermann Weinbuch - Skispringen entscheidet über Silberhochzeit

Hermann Weinbuch

Nordische Kombination | Interview

Hermann Weinbuch - Skispringen entscheidet über Silberhochzeit

Von Sanny Stephan

Seit 23 Jahren ist Hermann Weinbuch der Goldschmied der Nordischen Kombinierer. An Motivation mangelt es dem 59-Jährigen nicht. Über seine Zukunft, "Spionage" beim Training, Stallorder und die Sprungleistungen spricht der Bundestrainer im Interview mit sportschau.de.

Herrmann Weinbuch, Sie stecken mit Ihrer Mannschaft mitten in der Vorbereitung. Am 29. November geht es in Kuusamo los. Ist eine Vorbereitung in eine Saison ohne WM und Olympische Spiele anders?

"Im Grunde ist die Vorbereitung fast identisch. Nur der Aufbau weicht ab. Man baut das Training nicht so auf, dass man Ende Februar gut in Form ist, sondern versucht, möglichst schon am Anfang gute Ergebnisse zu erzielen, um Selbstvertrauen zu tanken."

Ist es in so einem "Übergangsjahr" leichter, dem Nachwuchs eine Chance zu geben?

"Sicherlich, aber das hängt sehr von den Startplätzen ab. Wir haben sechs Startplätze im Weltcup und die sind von den Arrivierten normalerweise besetzt. Zum Glück ist Julian Schmid letztes Jahr Junioren-Weltmeister geworden und hat damit ein weiteres Weltcup-Ticket erkämpft. In den ersten drei Springen dürfen wir aufgrund der Leistungen im Continentalcup einen achten Athleten nominieren."

Wissen Sie schon, wer das sein wird?

"Der Oberstdorfer David Mach bekommt den Platz. Er ist erst 19 Jahre alt, hat letzte Saison schon reingeschnuppert und seine Sache gut gemacht."

Apropos Nachwuchs. Ende Februar findet die Junioren-WM in Oberwiesenthal statt. Welchen Stellenwert hat dieses Event für Sie?

"Die Junioren-WM ist bezeichnend für den Nachwuchs. Da sollte man schon vorn dabei sein. Wir hatten in den letzten Jahren immer wieder einen Medaillengewinner oder Weltmeister dabei, der dann auch in unserer Leistungsgruppe aufgeschlagen ist. Insofern ist die Junioren-WM schon ein Gradmesser. Wer dort gewinnt, hat gute Chancen sich im Weltcup-Team zu etablieren."

Kommen wir zur aktuellen Saison: Seit wann wird wieder trainiert und wo lag der Schwerpunkt?

Eric Frenzel

Eric Frenzel schwebt durch die Luft. Im vergangenen Jahr fehlten auch bei ihm oft ein Meter zu den Besten.

"Wir sind seit 1. Mai im Training und haben den Schwerpunkt auf das Sprungtraining gelegt. Wir wollen das verlorene Terrain im Springen aufholen. Die Weltspitze im Skispringen der Nordischen Kombination hat in den letzten beiden Jahren Riesensprünge und eine Mordsentwicklung gemacht, da konnten wir nicht ganz mithalten. Wir müssen versuchen, diese Lücken kleiner zu machen, um mit Blick auf die Heim-WM 2021 in Oberstdorf um Medaillen mitkämpfen zu können."

Woran liegt es, dass Norweger oder Österreicher deutlich weiter gesprungen sind?

"Der Auslöser war Jarl Magnus Riiber. Der Norweger ist ein überragender Springer, der das Niveau angehoben hat. Ein paar junge Springer konnten sich da anpassen. Sie wurden zum Teil auch anders aufgebaut. Der Schwerpunkt in ihrer Ausbildung lag beim Springen. Wir haben Athleten, die schon länger dabei sind und eine eingeschliffene Sprungtechnik haben. Für diese Burschen ist es eine echte Herausforderung, ihre Technik noch einmal entscheidend zu verbessern."

Wie zufrieden sind Sie mit dem aktuellen Stand der Vorbereitung?

"Wir haben uns im Sommer-Grand-Prix schwer getan, das ist vielleicht ganz gut gewesen. So sind wir geschärfter in die weitere Vorbereitung gegangen und haben akribischer gearbeitet. In den letzten zwei, drei Monaten haben wir einiges bewegen können. Ich hoffe, dass wir aufgeholt haben, aber wo wir wirklich stehen, zeigt sich erst beim Weltcup-Auftakt in Kuusamo. Das ist die schönste, aber auch die schwerste Schanze."

Im Fußball gibt es Scouts. Wird auch in der Nordischen Kombination "spioniert"?

"Wir machen das nicht, aber wir wurden beobachtet. Speziell die Japaner und Österreicher fotografieren alles. Uns reicht, was wir beim Sommer Grand-Prix gesehen haben."

Welcher Ihrer "Burschen" ist aktuell in der besten Verfassung?

"Das ist schwierig zu beantworten. Wir haben in der Vorbereitung neun Trainingswettbewerbe gemacht und es gab sechs verschiedene Sieger. Der Sieger war aber auch mal Letzter."

Sind alle gesund und verletzungsfrei durch die Saison gekommen?

Johannes Rydzek (r.) musste wegen eines Ermüdungsbruchs pausieren.

Johannes Rydzek (r.) musste wegen eines Ermüdungsbruchs pausieren.

"Johannes Rydzek musste wegen eines Ermüdungsbruchs fast sechs Wochen pausieren. Er hat so auch den Sommer-Grand-Prix verpasst, ist jetzt aber auf einem guten Weg und kann voll belasten."

Wie lauten die Ziele?

"Unser Hauptziel ist es, uns im Springen zu verbessern. Da muss ein Aufwärtstrend zu sehen sein. Und im Weltcup wollen wir auf das Stockerl kommen."

Sie sind seit 1996 Bundestrainer. Feiern also 23-Jähriges. Glückwunsch dazu. Machen Sie bis zur Silberhochzeit weiter?   

"Ich denke immer von Jahr zu Jahr. Wenn unser Konzept nicht so aufgeht oder sich abgenutzt hat, dann muss man schon überlegen, ob die Jungs mal etwas Neues brauchen."

Wo nehmen Sie eigentlich Jahr für Jahr die Motivation her?

"Ich habe viele neue Partner und Co-Trainer, die auch neue Reize mitgebracht haben. Außerdem bin ich ziemlich offen für Neuigkeiten, ich liebe diese Sportart und bin ein Fanat, wie man das in Bayern so sagt. Die Erfolge und positiven Rückmeldungen sorgen natürlich auch für Motivation. Außerdem habe ich ein tolles Team, mit dem es unglaublich Spaß macht zusammenzuarbeiten. Ich bin viel mit jungen Leuten unterwegs, die wissbegierig sind und sich verbessern wollen. Wenn man es schafft, die Jungs besser zu machen, dann freut man sich mit den Aktiven und das gibt immer wieder neue Motivation."

Sie sind immer im Team unterwegs und trotzdem geht es oft um Einzelsiege. Wie hält man den Laden zusammen und den Teamgeist aufrecht?

"Ein gutes Klima ist extrem wichtig, daraus schöpft man Energie. Man muss ständig daran arbeiten und mal klappt es besser, mal weniger gut. Im Sommer  ist es leichter als im Winter. Wenn die Wettkämpfe beginnen ist der Teamkollege der Gegner, den man versucht zu schlagen. Jeder versucht besser zu sein als der andere. So geht jeder ein kleines Stück seinen eigenen Weg. Als Trainer musst du aufpassen, dass du alle gleichberechtigt behandelst."

Gibt’s eigentlich - wie in der Formel 1 -eine Stallorder?

"Ja, das gibt es immer mal wieder. Par excellence hat das bei den letzten Olympischen Spielen in Pyeongchang geklappt. Wir haben den Jungs vor dem Lauf gesagt, wenn sie zusammenarbeiten, haben sie die einmalige Chance, alle drei auf das Podest zu laufen. Ich habe ihnen den Plan gegeben, wie es gehen könnte. Sie haben sich entschieden, es so zu machen und die eigenen Bedürfnisse hinten angestellt. Jeder hat seine Aufgabe fürs Team gemacht und auf den letzten zwei Kilometern galt: Feuer frei. Da konnte jeder machen, was er wollte. Am Ende hatten wir drei Medaillen."

Weinbuch: "Bin unheimlich bewegt" Sportschau 22.02.2019 03:35 Min. Verfügbar bis 22.02.2020 Das Erste

Stand: 13.11.2019, 12:12

Nordische Kombination | Weltcupstand Herren

NameP
1.Jarl Magnus Riiber500
2.Joergen Graabak335
3.Jens Luraas Oftebro265
4.Vinzenz Geiger242
5.Espen Björnstad228
Darstellung: