Fabian Rießle - Dieser Winter wird abwechslungsreicher

Fabian Rießle

Nordische Kombination | Interview

Fabian Rießle - Dieser Winter wird abwechslungsreicher

Von Sanny Stephan & Ronny Eichhorn

Fabian Rießle ist einer der deutschen Vorzeige-Kombinierer. In der vergangenen Saison lief es aber nicht so rund für den Schwarzwälder. Wie geht er in den neuen Winter? Konnte er seine Sprungform verbessern? Wie ist das Verhältnis zu Bundestrainer Weinbuch? Und was peilt er für den Saisonstart in Ruka an? Im Interview mit sportschau.de gibt er ausführlich Auskunft.

Frage: Sie sind 29, frisch gebackener Meister im Einzel und Teamsprint. Sind Sie überrascht über die starke Frühform?

Fabian Rießle: "Darüber war ich schon ein bisschen überrascht, weil es im Vorfeld der Deutschen Meisterschaften nicht so rund lief. Ich habe mich auf der Schanze im Sommer ziemlich schwer getan, aber bei den Meisterschaften hat es dann ganz gut funktioniert."

Hermann Weinbuch lobt Sie für Ihre starken Laufleistungen und meint, Sie seien in der Loipe noch stärker geworden. Problem sei der Absprung. Wie schätzen Sie sich persönlich ein?

Rießle: "Grundsätzlich hat er Recht. Im Laufbereich bin ich ganz gut drauf, aber bei mir steht und fällt alles auf der Schanze. Wenn ich dort einen guten Job mache, dann kann ich ziemlich weit vorn reinspringen. Das Skispringen ist aber nicht so ganz einfach."

Einzelkämpfer oder Teamgeist? Gibt es einen Kombinierer, mit dem sie besonders gut können? Einen Zimmerkollegen?

Rießle: "Das ist bei uns cool. Wir haben ein intaktes Team, da kann Jeder mit Jedem. Bei der Zimmeraufteilung setzen wir auf Routine. Da hat jeder seinen festen Zimmerpartner. Bei mir ist das Manuel Faißt."

Herrscht immer Harmonie oder kracht es bei euch beiden auch immer mal?

Rießle: "Man ist viele Tage im Jahr zusammen auf dem Zimmer, aber eigentlich funktioniert das ganz gut. Bei Männern ist das nicht so wild wie bei Frauen. (lacht)"

Die letzte Weltcup-Saison lief für die erfolgsverwöhnten deutschen Athleten nicht so glatt, die WM dafür dann aber super. Gab es Änderungen in der Saisonvorbereitung im Vergleich zum vergangenen Jahr?

Rießle: "Grundlegend kann man das System nicht ändern und das Rad nicht neu erfinden. Man muss an den guten Sachen festhalten und die weniger guten trainieren. Wir haben unser Sprungtraining intensiviert und unsere Ausdauerkilometer anders verteilt. Wir hoffen, dass wir dabei die richtigen Stellschrauben gefunden haben, um im Weltcup weiter vorn reinzukommen."

Apropos Sprungtraining. Auf der Schanze haben sich die deutschen Kombinierer letzte Saison schwer getan. Wie soll das besser werden?

Rießle: "Wir haben versucht, über mehr Sprünge besser zu werden. Was man öfter übt, sollte ja besser werden."

Sie sind 29, ihre gleichaltrige Freundin Sandra Ringwald hat ihre Karriere beendet, studiert Lehramt. Wie lange wollen Sie sich noch diesen Stress "antun"?

Rießle: "Ich bin zwar schon einer von den Älteren aus unserem Team, aber noch unter 30. Über das Karriereende habe ich mir deshalb noch keine Gedanken gemacht. Ich würde schon gern bis zu den Olympischen Spielen 2022 weitermachen. Danach ist entscheidend, ob ich noch Spaß auf tägliches Training habe und mir es noch antun will, durch die Weltgeschichte zu reisen."

Stichwort Sandra Ringwald. Bisher war für beide der Sport immer die Nummer eins. Training, Wettkampf. Wie ist die neue Situation jetzt, sie ganz ohne Leistungssport?

Rießle: "Es war eine brutale Umstellung, Als Profisportler konnte man sich den Tag ziemlich gut einteilen und das Training planen. Da hatten wir beide den gleichen Tagesablauf. Jetzt hat Sandra einen festen Stundenplan an der Uni. Wir mussten uns ganz schön umstellen, aber Sandra macht es Spaß und irgendwann ist die Zeit für etwas Neues reif. Es ist ja das Schöne am Leben, dass sich immer mal etwas ändert und etwas Neues dazukommt."

Sie sagten in einem Interview dieses Jahr, sie wünschten sich ein, zwei Kinder und ein Häuschen. Wie weit sind die Planungen fortgeschritten?

Rießle: (lacht) "Da schauen wir jetzt mal, wann Häuschen und Kind kommen …"

Zurück zum Sportlichen: Der Norweger Jarl Magnus Riiber - gerade mal 22 - hat die letzte Saison dominiert. Wie kann man den Überflieger stoppen?

Rießle: "Es war schon beeindruckend, was er letzten Winter gezeigt hat. Er springt extrem gut und hat über die letzten zwei, drei Jahre gelernt, wie man sich taktisch gut verhält. Er wird wieder der Mann sein, den man schlagen muss, wenn man gewinnen will."

Welche Nationen/Sportler erwarten Sie noch ganz vorn in der neuen Saison?

Rießle: "Ich glaube, dieser Winter wird abwechslungsreicher als die letzten Jahre. Die Österreicher werden stärker und Nationen, wie Frankreich oder Italien, die man letztes Jahr nicht so auf dem Schirm hatte, kommen besser auf. Die haben nicht die breite Masse an Athleten, aber ein, zwei gute Leute."

Es gibt immer wieder junge Athleten, die auch im deutschen Team nachrücken. Wie schätzen Sie die Youngster ein?

Rießle: "Sie bringen neuen Schwung, reißen uns Ältere mit ihrer jugendlichen Art mit und spornen uns doppelt an. Das passt schon sehr gut."

Ihr letzter Weltcup-Sieg gelang im März 2018 in Klingenthal. Warum wird Fabian Rießle am 29. November im finnischen Ruka ganz oben stehen?

Rießle: "Puh, Ruka ist nicht gerade meine Lieblingsschanze, aber es wäre ja mal eine klasse Abwechslung, wenn diesmal etwas anderes passieren würde. So ein Auftaktsieg würde mich schon freuen."

Was nehmen Sie sich für die kommende Saison vor?

Rießle: "Ich versuche, ohne Druck und Qualis im Hinterkopf in den Weltcup zu starten und nehme wir vor: Langsam reinkommen, dann immer besser werden und noch besser aufhören."

Hermann Weinbuch arbeitet seit so vielen Jahren mit der Mannschaft. Wie schafft er, das Team zu kitzeln und immer wieder zu motivieren?

Rießle: "Das ist wirklich beeindruckend. Er ist ein ganz wichtiger Mann, der nie an einer Methode festhält. Er hat uns immer angetrieben, was Neues zu versuchen und nie auf der Stelle stehen zu bleiben. Das macht ihn aus und fordert uns, weil er immerzu mit neuen Ideen um die Ecke kommt. Er liebt den Sport und will uns einfach immer besser machen."

Rießle - "Musst vom ersten Meter Vollgas geben" Sportschau 18.01.2019 01:12 Min. Verfügbar bis 18.01.2020 Das Erste

Vielen Dank für das Gespräch!

Stand: 27.11.2019, 10:23

Nordische Kombination | Weltcupstand Herren

NameP
1.Jarl Magnus Riiber500
2.Joergen Graabak335
3.Jens Luraas Oftebro265
4.Vinzenz Geiger242
5.Espen Björnstad228
Darstellung: