Norwegen siegt - Deutsche Langlauf-Staffel abgeschlagen

Nordische Ski-WM - die 10-km-Staffel der Männer in der Zusammenfassung Sportschau 05.03.2021 01:38 Min. Verfügbar bis 05.03.2022 Das Erste

Nordische Ski-WM

Norwegen siegt - Deutsche Langlauf-Staffel abgeschlagen

Die norwegische Langlauf-Siegesserie geht auch nach der Staffel der Männer weiter. Das deutsche Quartett verpasste die Top 6.

Die großen Langlauf-Favoriten aus Norwegen haben die 4x10-Kilometer-Staffel bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf gewonnen. Das Quartett Paal Goldberg, Emil Iversen, Hans Christer Holund und Johannes Hösflot Kläbo verteidigte den Titel letztlich souverän. Nach 40 Kilometern und 1:52,39,0 Stunden konnte Kläbo den Russen Alexander Bolschunow noch distanzieren und kam zwölf Sekunden vor dem Skiathlon-Weltmeister ins Ziel. Im vierten Langlauf-Männer-Rennen der Titelkämpfe von Oberstdorf siegten die Norweger damit zum dritten Mal.

Einen Dreikampf um Bronze gewann der Franzose Jules Lapiere (+ 1:12,6 Minuten) gegen die Konkurrenz aus Schweden und der Schweiz.

Deutsches Quartett wird Siebter

Bei schwierigen Bedingungen mit Schneefall und Temperaturen um Null Grad verpassten die Deutschen die erhoffte Medaille deutlich. Das Quartett Jonas Dobler, Janosch Brugger, Lucas Bögl und Friedrich Moch kam nicht über Rang sieben hinaus. Der Rückstand auf die norwegischen Sieger betrug 2:37,9 Minuten. Nach zuletzt drei sechsten Plätzen bei den Weltmeisterschaften 2017 und 2019 sowie bei Olympia 2018 liefen die Deutschen damit zum schlechtesten Ergebnis seit 2015, als sie in Falun ebenfalls Siebte wurden.

Norwegen setzt Siegesserie bei der Nordischen Ski-WM fort

Sportschau 05.03.2021 00:52 Min. Verfügbar bis 05.03.2022 Das Erste


Russe attackiert früh

Das Rennen begann mit einer Attacke, da waren noch keine drei Kilometer gelaufen. Der russische Startläufer Alexey Chervotkin verschärfte vorn das Tempo. Das bis dahin dichte Feld der 18 Athleten zerriss, Chervotkin konnte sich absetzen. Während der Russe mit starker Form und schnellen Ski seinen Vorsprung nun kontinuierlich ausbaute, musste ein Favorit reißen lassen. Der Norweger Paal Goldberg kam mit seinen Ski nicht richtig vorwärts und hatte beim ersten Wechsel schon 56,6 Sekunden Rückstand.

Schlickenrieder: "Kräfte sparen"

Deutschlands Startläufer Jonas Dobler machte ein gutes Rennen und hielt die Deutschen auf Medaillenkurs. Der Traunsteiner zeigte sich im vorderen Feld, vermied aber Führungsarbeit. Damit setzte er die Taktik von Bundestrainer Peter Schlickenrieder perfekt um: "Unsere Startläufer sollen dranbleiben und keine Sperenzien machen. Jonas soll nicht so viel Arbeit in der Fläche und der Führungsarbeit machen. Er soll Kräfte sparen", sagte der Coach während des Rennens im ZDF.

Peter Schlickenrieder: "Platz sieben ist nicht das, was wir uns vorgenommen haben" Sportschau 05.03.2021 03:42 Min. Verfügbar bis 05.03.2022 Das Erste

Dobler: "Großteil der Arbeit im Wachs-Truck"

Jonas Dobler in Oberstdorf

Jonas Dobler: "Erfahrung im Wachsteam war wichtiger ..."

Dobler übergab in einer sechsköpfigen Verfolgungsgruppe als Fünfter (+ 45,9 Sekunden) und lobte nach dem Rennen die Techniker: "Die Erfahrung vom Wachsteam war heute entscheidender als meine Erfahrung. Ein Großteil der Arbeit ist heute im Wachs-Truck ausgetragen worden. Kleinigkeiten beim Ski haben bei den Bedingungen heute einen viel größeren Einfluss als sonst", sagte er nach seinem Rennen im ZDF.

Brugger lässt reißen: "Total enttäuscht"

Janosch Brugger in Oberstdorf

Brugger: "Zäh wie Kaugummi"

Anders als Dobler hatte Janosch Brugger nicht das beste Material. Der Schluchseer musste bei einer Tempoverschärfung nach rund 13 Kilometern reißen lassen. Bis zum Wechsel auf Lucas Bögl verlor er 1:05,4 Minuten auf die Spitze und übergab als Achter. "Der Ski war nicht der Beste. Aber auch bei mir, sobald es schnell geworden ist, war es zäh wie Kaugummi. Ich bin total enttäuscht, ich hätte die Mannschaft gern im Kampf um die Medaille gehalten", sagte der 23-Jährige.

Norwegen läuft nach vorn

Und auch beim zweiten russischen Läufer Ivan Yakimushkin passten Form und Ski nicht gut zusammen. Nach knapp 15 Kilometern wurde er von den Verfolgern gestellt, bis zum Wechsel nach 20 Kilometern verlor er 23,6 Sekunden auf die Spitze. Ganz vorn nun wieder die Norweger, Emil Iversen holte auf seinen 10 Kilometern mehr als 1:15 Minuten auf Yakimushkin auf. Mit Iversen konnte noch der Finne Iivo Niskanen mithalten, die Verfolger aus der Schweiz und Frankreich hatten schon mehr als 12 Sekunden Rückstand.

Schlickenrieder: "Geben uns mit Rang acht nicht zufrieden"

Für Lucas Bögl, der für die Deutschen den Freistilteil eröffnete, gab Schlickenrieder die Taktik aus, "Gas zu geben. Er ist stark am Berg. Er läuft jetzt offensiv. Wir geben uns mit Rang acht nicht zufrieden." Die Konkurrenz drückte aber ebenfalls aufs Tempo. An der Spitze setzte sich der Norweger Hans Hollund ab. Die Verfolger aus Finnland, Schweden, Frankreich, der Schweiz und dem russischen Team folgten mit etwa 20 Sekunden Rückstand. Bögl verlor weiter, hatte nach 28 Kilometern als Siebter schon zwei Minuten Rückstand. Beim Wechsel auf Schlussläufer Friedrich Moch lag das deutsche Team auf Rang acht, mit 2:18,0 Minuten Rückstand auf die Spitze.

Bögl: "Man kann noch so ein kräftiger Stier sein"

Lucas Bögl in Oberstdorf

Bögl: "Leichte Athleten sind bevorzugt"

Wie auch Brugger war dem 30-jährigen Bögl die Enttäuschung nach dem Rennen ins Gesicht geschrieben. "Man kann noch so ein kräftiger Stier im Wald sein und kann trotzdem nicht schnell den Berg hochlaufen. Wenn man gar keine Kraft hat, kommt man auch nicht mit", sagte der Gaissacher nach dem Rennen: "Leichte Athleten sind heute bevorzugter als Muskelprotze. Wir sind enttäuscht, wir wollten in der Gruppe um drei mitlaufen. Wir hatten uns eigentlich über den Wetterumschwung gefreut, das ist immer eine große Chance. Leider konnten wir aber nicht vom Wetterumschwung profitieren."

Schlussrunde: Bolschunow stellt Klaebo

Friedrich Moch in Oberstdorf

Friedrich Moch

Auf der Schlussrunde lief der Russe Alexander Bolschunow zunächst in nur 4 Kilometern die 35-Sekunden-Lücke auf Norwegens Klaebo zu. Immer wieder wollte sich dann der russische Läufer absetzen - was nicht gelang. Die entscheidende Attacke zum Sieg konnte dann Klaebo am letzten Anstieg vor dem Ziel setzen.

Für den deutschen Schlussläufer Friedrich Moch war die Lücke nach vorn zu groß. In der Dreiergruppe mit dem US-Amerikaner Gus Schumacher und dem Kanadier Remi Drolet konnte sich das erst 20-jährige Talent aus Isny aber durchsetzen und überquerte als Siebter das Ziel.

Dirk Hofmeister | Stand: 05.03.2021, 15:17

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