Dramatischer Abschluss: Kläbo verliert Gold über 50 Kilometer

Johannes Hoesflot Klaebo jubelt

Nordische Ski-WM

Dramatischer Abschluss: Kläbo verliert Gold über 50 Kilometer

Johannes Hösflot Kläbo war zum Abschluss der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf nach 50 Kilometern als Erster über die Ziellinie gestürmt. Doch der Überflieger wurde nachträglich disqualifiziert - Gold geht demnach an seinen Teamkollegen Emil Iversen.

Was für ein Drama zum Abschluss der Nordischen Ski-WM: Nach dem Zielsprint im 50-km-Langlaufrennen hatte es nach einem norwegischen Doppelerfolg und dem nächsten Triumph von Johannes Hösflot Kläbo ausgesehen. Nach über zwei Stunden schien die Entscheidung im Zielsprint gefallen, doch die Jury disqualifizierte den 24-Jährigen nach langer Beratung - ein weiterer Gegenprotest der Norweger wurde abgelehnt.

Was war passiert? Kläbo, Iversen und Alexander Bolschunow waren zu dritt auf die Ziellinie abgebogen. Dabei stritten sich Kläbo und Bolschunow vor Iversen um die "bessere" Spur, Bolschunow wählte als erster die rechte von vier Spuren. Kläbo schob sich noch rechts daneben und erwischte Bolschunow dabei am Arm. Der Russe setzte daraufhin seinen Stock schräg auf - Stockbruch. So hatte Bolschunow natürlich keine Chance mehr im Sprint gegen die Norweger.

Kläbo verliert Gold - der Zielsprint über die 50 km in Oberstdorf Sportschau 07.03.2021 00:41 Min. Verfügbar bis 07.03.2022 Das Erste

Hin und Her nach Protest und Gegenprotest

Nach der Anhörung von Hösflot Kläbo und Bolschunow entschied die Jury dann auf Disqualifikation des Norwegers, da er den Russen behindert habe. So einen Abschluss hatte sich wohl keiner der Beteiligten für die Königsdisziplin gewünscht. Von dem Dilemma profitierte Emil Iversen, der ohne den Stockbruch vielleicht gar nicht an Bolschunow vorbeigekommen wäre, so aber zum Weltmeister ernannt wurde. Alexander Bolschunow gewann Silber, Simen Hegstad Krüger rutschte unverhofft auf Bronze vor.

Für den den eigentlichen Überflieger Kläbo endete die Nordische Ski-WM damit im Tal der Tränen. Völlig enttäuscht zog sich der Norweger in den Teamcontainer zurück.

"Das war grenzwertig von Kläbo. Da war einfach kein Platz mehr", sagte Bundestrainer Peter Schlickenrieder zu der Szene: "Wenn er meint, er muss die Spur wählen, die der vor ihm laufende Bolschunow wählt, finde ich es grenzwertig. Wenn er hintendran ist, muss er normalerweise um Bolschunow herumlaufen und die linke Spur wählen."

Jonas Dobler bester DSV-Langläufer

Das Team des DSV-Bundestrainers hatte mit der Entscheidung nichts zu tun. Als bester deutscher Starter lief Jonas Dobler als 18. ins Ziel. "Ich hab alles gegeben", so Dobler nach dem Rennen, auch wenn es nicht in die Top 15 gereicht hat. Der erst 20-jährige Friedrich Moch wurde 21.: "War ganz schön anstrengend, doch es ging besser als gedacht", sein Fazit. Lucas Bögl kam als 34., Janosch Burgger als 40. ins Ziel. "Ein versöhnlicher Abschluss", fand Bundestrainer Schlickenrieder. Und "Hut ab" vor Youngster Moch.

Feld geht die ersten Runden geschlossen an

Das komplette Feld mit 57 Startern ging die ersten Kilometer geschlossen an. In den Abfahrten war die Dichte eine Herausforderung für die Athleten. Das Tempo versuchte immer wieder der Russe Alexey Chervotkin zu machen. Die Topfavoriten hielten sich zurück: Bolschunow zeigte sich wie Titelverteidiger Hans Christer Holund und die Mitfavoriten noch nicht in Angriffslaune. Dobler und Bögl hielten wie Moch und Brugger im Feld mit. Paal Goldberg war nach einem kurzen Ausreißversuch bei Kilometer 12,5 schnell wieder eingefangen. Bei steigendem Tempo reduzierte sich das Hauptfeld. Das taktische Geplänkel zog sich aber auch in der vierten Runde.

Peter Schlickenrieder: "Ein versöhnlicher Abschluss für meine Männer"

Sportschau 07.03.2021 01:19 Min. Verfügbar bis 07.03.2022 Das Erste


Moch und Dobler zur Halbzeit noch vorne dabei

Zur Halbzeit übernahm dann der im Gesamtweltcup Führende die Spitze und versuchte sich auch abzusetzen. Niskanen blieb dran, und auch die Norweger fingen den Russen schnell wieder ein. Nicht abhängen ließen sich auch Moch, Dobler und Bögl. Brugger versuchte, den Anschluß zu halten. Bei Kilometer 29 zeigte sich dann, dass auch Bögl Probleme hatte.

DSV-Youngster auf Top-15-Kurs

Niskanen versuchte sich am Ende der sechsten Runde abzusetzen, doch in die vorletzte Runde ging er hinter Kläbo und Burman. Auch dem Trio gelang es nicht, eine große Lücke zu reißen. Moch lag als 14., wie Dobler (19.) noch in guter Position für ein Top 15-Resultat.

Sextett zieht Tempo an

Iversen, Kläbo, Niskanen und Burman gelang es dann gemeinsam rund 10 Kilometer vor dem Ziel, die Lücke zu reißen. Nur Bolschunow und Titelverteidiger Holund konnten aufschließen. Im Führungs-Sextett machten jetzt die drei Norweger das Tempo. Überraschend liefen auch Krüger und Musgrave noch vor dem letzten Burgstall-Anstieg zur Spitzengruppe auf.

Kläbo freut sich nur kurz

Die letzten 2,2 Kilometer ging jedoch ein Quintett mit vier Norwegern und einem Russen an. Bolschunow griff an, doch nach dem Stockbruch war im Zielsprint nichts mehr zu machen. Am Ende zog auch Iversen noch am Russen vorbei. Am Ende ging der Weltmeistertitel nach Norwegen - allerdings am "grünen Tisch".

Beim Allgäuer Moch (+2:57,5 Min) reichten am Schluss die Körner nicht mehr. Der 20-Jährige beendete das Rennen dennoch auf einem hervorragenden Platz 21. Jonas Dobler wude mit einem Rückstand von 2:46,1 Minuten 18.

mla/red | Stand: 07.03.2021, 13:53

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