Langlauf-Coach Peter Schlickenrieder - Heim-WM 2021 fest im Blick

Peter Schlickenrieder

Interview

Langlauf-Coach Peter Schlickenrieder - Heim-WM 2021 fest im Blick

Von Torsten Schwenke

Seit April 2018 ist der ehemalige Skilangläufer Peter Schlickenrieder als Bundestrainer aktiv. In der anstehenden Weltcup-Saison sehen er und sein Team vor allem eines: Die intensive Vorbereitung auf die Nordischen Skiweltmeisterschaften 2021 in Oberstdorf im Allgäu.

Sportschau.de: Neben Leistungsträgerin Nicole Fessel hat auch die beste deutsche Sprinterin Sandra Ringwald ihre Karriere beendet. Mit 28 verkündete Ringwald ihre Entscheidung. Hat sie das überrascht?

Peter Schlickenrieder: "Sandra Ringwald ist relativ spät in der Weltspitze angekommen. Dafür hat sie viele Jahre einen sehr hohen Aufwand betrieben. Nun war ihre private Planung aber so, dass sie nicht mehr so viel Energie in den Langlauf reinstecken kann und will. Sie ist einen sehr langen Weg gegangen. Von daher ist diese Entscheidung nachvollziehbar. Mit 28 kann man den Leistungssport an den Nagel hängen und sich verstärkt um die berufliche Zukunft kümmern."

Wie groß ist die Lücke, die sie hinterlässt?

Schlickenrieder: "Wir hätten Sandra natürlich gut gebrauchen können, sind aber dennoch gut aufgestellt. Wunderdinge sollte man zwar nicht erwarten. Aber alle arbeiten hart und akribisch."

Kann die 24-jährige Victoria Carl die neue Team-Leaderin werden?

Schlickenrieder: "Nach einer Knie-Operation im Anschluss an die Ski-WM in Seefeld konnte sie vier Monate lang nicht trainieren. Damit Victoria wieder auf ihr altes Level kommen kann, geben wir uns zwei Jahre. Sie ist derzeit auf einem absolut guten Weg."

Was kann man von ihr in dieser Saison verlangen?

Schlickenrieder: "Wir erwarten wenig konkrete Ergebnisse. Es geht mehr um technische Entwicklungen, die Renneinteilung - Schritt für Schritt. Der Schwerpunkt für das gesamte Team liegt in dieser Saison auf dem Training und der Vorbereitung auf die Heim-Weltmeisterschaft 2021 in Oberstdorf."

Es ist ihr zweites Weltcup-Jahr als Bundestrainer. Was hat sich verbessert? Wo hakt es noch?

Schlickenrieder: "Das Team ist in dieser Zeit deutlich enger zusammengerückt. Wir leben als Trainer eine konstruktive und kooperative Zusammenarbeit. Das übertragen wir auch auf die Betreuer und Athleten. Wir wollen gleichberechtigt Dinge entwickeln. Es herrscht eine Kultur des Austausches, offene und direkte Kommunikation wird gepflegt. Wissenschaftsteam, Ernährungsteam, psychologisches Team - jeder weiß, was zu tun ist. Aus meiner Sicht sind wir auf einem richtig guten Weg. Wir schrauben gemeinsam am nächsten Step für den Langlauf-Erfolg.

Es gibt auch Baustellen, die noch offen sind. Wir sind etwa dabei, die engere Anbindung der Heimtrainer sowie den Austausch und die Abstimmung mit ihnen weiter zu perfektionieren. Dort steckt noch Potential drin."

Was macht der Langlauf-Nachwuchs?

Schlickenrieder: "Da tut sich viel. Ich kann da aber keine einzelnen Athleten rausheben. Es gibt viele, die gute Resultate erzielt haben. Das Team um Trainer Markus Hofmann macht einen sehr guten Job."

Die norwegische Dominanz im Lauglauf kann sicher nicht kurzfristig durchbrochen werden. Wie könnte aber der Abstand verringert werden?

Schlickenrieder: "Die Grundlage ist: arbeiten, arbeiten, arbeiten. In Norwegen wird man viel schneller Profilangläufer als hier. Wir müssen die Leute dafür motivieren, sich länger quälen zu wollen und dafür zu kämpfen. Es braucht die Lust, sich zu messen und weiter zu entwickeln. Sicher würde es dann auch mal den einen oder anderen geben, der mal als 'Seiteneinsteiger' zu uns kommt."

Würde mehr Medienpräsenz dem Langlauf helfen?

Schlickenrieder: "Natürlich ist Medienpräsenz sehr hilfreich. Noch viel wichtiger sind aber solche Erlebnisse wie Ende September am Rennsteig. Im Rahmen unserer Leistungsdiagnostik konnten sich alle bei einem Jedermann-Rollskirennen mit den Leistungsträgern des deutschen Langlaufs messen."

Wie steht es nach seinem Schien- und Wadenbeinbruch im Frühjahr um Thomas Bing?

Schlickenrieder: "Sein Splitterbruch im Unterschenkel war ein massiver Ausfall. Er musste sogar wieder richtig laufen lernen. Mitte der Saison wird er auf Europacup-Ebene in die Saison einsteigen. Wenn es richtig gut läuft, macht er vielleicht am Ende noch ein, zwei Weltcups. Geplant ist er aber erst wieder für den Weltcup 2020/21."

Keine Winterspiele, keine WM - worauf freuen sie sich in diesem Zwischenjahr?

Schlickenrieder: "Ich freue mich auf die Vorbereitung für die Weltmeisterschaft 2021 im eigenen Land. Wir tragen die Deutsche Meisterschaft schon auf den WM-Strecken in Oberstdorf aus. Man versucht in so einem Zwischenjahr, einen deutlichen Schritt nach vorn zu machen. Ergebnisse sind nicht so wichtig, aber wir nehmen natürlich alles mit, was herausspringt. Es muss allerdings mit Lockerheit passieren. Arbeiten, arbeiten, arbeiten ist angesagt, gerade mit Blick auf die Heim-WM."

Stand: 19.11.2019, 10:15

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