Freestyle: Slopestyle, Buckelpiste und Co. - so geht's

Großbritanniens Gus Kenworthy beim Slopestyle Finale bei der Dew Tour Copper Mountain

Freestyle-Regeln

Freestyle: Slopestyle, Buckelpiste und Co. - so geht's

Von Wolfram Porr

Die fünf Disziplinen im Ski Freestyle sind die jüngsten Wintersportarten. Die Sportschau zeigt, worauf es im Slopestyle, auf der Buckelpiste und Co. ankommt.

Abseits der klassischen Disziplinen im Ski Alpin und Ski Nordisch haben sich in den letzten Jahren unter der Sammelüberschrift "Freestyle" einige "junge" Sportarten etabliert, bei denen es - egal ob auf Skiern oder auf dem Snowboard - mehr als anderswo auch um Style und Persönlichkeit geht.

1988 bei den Olympischen Spielen in Calgary war Freestyle noch ein Demonstrationswettbewerb. Ab 1992 wurden die verschiedenen Disziplinen aber nach und nach olympisch. Insgesamt wird in fünf Disziplinen unterschieden. Wir stellen sie Ihnen vor:

Slopestyle

Norwegens Oystein Braaten bei den Olympischen Spielen 2018 im Slopestyle

Norwegens Oystein Braaten bei den Olympischen Spielen 2018 im Slopestyle

Auf einem Slopestyle-Parcours warten auf die Sportler verschiedenste kleine Schanzen und Rails (Geländer), die bewältigt werden müssen. Die Fahrer kombinieren ihre Tricks so, dass es einen möglichst flüssigen Ablauf gibt. Der Schwierigkeitsgrad der Tricks, Kreativität, aber auch Style sind die Kriterien, nach denen eine Fahrt bewertet wird.

Der Japaner Ruki Tobita und die Britin Katie Ormerod gewannen 2019/2020 den Slopestyle-Weltcup. Die deutschen Frauen und Männer hinken im internationalen Vergleich deutlich hinterher. In diesem Winter erst recht, nachdem Lisa Zimmermann angekündigt hat, nicht mehr im Weltcup zu starten. Einzig Sabrina Cakmakli fuhr vergangenen Winter regelmäßig in die Top-15. Der Sprung ganz nach vorne in die Weltspitze lässt noch auf sich warten.

Skicross/Snowboardcross

Szene aus dem Skicross-Weltcup

Skicross kommt noch am nächsten an die klassischen alpinen Wettbewerbe heran. Allerdings fahren die Athleten hier nicht nacheinander und gegen die Uhr, sondern es kommt zu direkten Viererduellen auf den extra dafür angelegten Kursen mit eingebauten Sprüngen, Wellen und teils engen Kurven. Gestartet wird nebeneinander aus einer Startbox. Jedes Rennen wird im K.o.-System gewertet. Es kommen pro Lauf immer die zwei schnellsten Athleten eine Runde weiter bis zum Finale der besten Vier. In einem "kleinen Finale" werden im Weltcup auch die Positionen fünf bis acht ausgefahren. Für die weiteren Platzierungen werden die Qualifikationszeiten genommen.

Snowboardcross gehört seit 2006 (Turin), Skicross seit 2010 (Vancouver) zum olympischen Programm.

Deutschlands Daniel Bohnacker überquert die Zielleine beim Skicross

Deutschlands Daniel Bohnacker überquert die Zielleine beim Skicross

Den Skicross-Weltcup gewannen im vergangenen Winter der Kanadier Kevin Drury und die Schwedin Sandra Näslund, In der Top-Gruppe fahren bei den Frauen Heidi Zacher und Daniela Maier (7. im Gesamtweltcup 2019/2020) für den DSV, bei den Männern Daniel Bohnacker (8. im Gesamtweltcup 2019/2020), Ferdinand Dorsch, Tim Hronek, Tobias Müller sowie Florian Willsmann (5. im Gesamtweltcup).

Im Snowboardcross dominierten Alessandro Hämmerle (Österreich) und Michela Moioli (Italien) das Feld. Paul Berg als Neunter der Gesamtwertung gehört zur erweiterten Weltklasse. Bei den Frauen wird der 21-jährigen Jana Fischer zugetraut, öfters mal in den Punktelisten aufzutauchen.

Buckelpiste (Moguls)

Perrine Laffont bei der Mogul Abfahrt bei der Weltmeisterschaft 2019 in China

Perrine Laffont bei der Mogul Abfahrt bei der Weltmeisterschaft 2019 in China

Bei Buckelpistenrennen, auch Moguls genannt, müssen die Fahrer eine künstlich angelegte Buckelpiste bewältigen. Dabei sind zwei Sprünge vorgeschrieben, für die auch kleine Schanzen eingebaut werden. Punktrichter bewerten die Fahrt nach den Kriterien Technik (50 Prozent), gefahrene Geschwindigkeit (25 Prozent) sowie Ausführung der Sprünge (25 Prozent), wobei Salti erst seit 2003 erlaubt sind.

Seit 1986 werden Weltmeister auf der Buckelpiste ermittelt. Olympisch ist die Disziplin seit 1992 in Albertville. Erfolgreichste Deutsche in dieser Sportart war und ist Tatjana Mittermayer, die 1988 WM-Gold und 1998 in Nagano olympisches Silber gewann. Die überragenden Buckelpistenfahrer des vergangenen Winters waren Mikaël Kingsbury (Kanada) und Perrine Laffont (Frankreich). Für den DSV sorgte zuletzt lediglich Laura Grasemann (Heidelberg) hier und da für eine Weltcupplatzierung.

Aerials/Big Air

Noe Roth beim Training vor der Freestyle Weltmeisterschaft in den USA

Noe Roth beim Training vor der Freestyle Weltmeisterschaft in den USA

Waghalsige, atemberaubende Kunstsprünge von kleineren und größeren Schanzen gibt es bei den Aerials bzw. beim Big Air zu sehen. Bei den Aerials zeigen die Sportler ähnlich wie die Wasserspringer vom Turm ihre Sprünge verschiedener Schwierigkeitsgrade, die vorher festgelegt werden. Die Punktrichter bewerten dann die Ausführung. Diese Punkte werden mit dem Schwierigkeitsgrad multipliziert. Jeder Teilnehmer hat zwei Sprünge.

Beim Big Air - von der etwas größeren Schanze - versuchen die Athleten möglichst viele und schwierige Tricks einzubauen. Hier urteilen die Judges nach den Kriterien Style, Schwierigkeit, Höhe des Tricks sowie der Landung.

Der Schweizer Noé Roth und die Australierin Laura Peel gewannen vergangenen Winter den Aerial-Weltcup, beim Big Air lagen der Norweger Birk Ruud und die Schweizerin Giluia Tanno vorne. Deutsche Teilnehmer sucht man in beiden Disziplinen derzeit vergeblich. Auch Snowboarder wagen sich auf die Big-Air-Schanzen: Hier konnte sich 2020 Chris Corning (USA) den Gesamtweltcup sichern. Bei den Frauen war die Japanerin Reira Iwabuchi top.

Halfpipe

Shaun White aus den USA jubelt nach dem letzten Lauf im Finale im Bogwang Phoenix Schnee-Park

Shaun White aus den USA jubelt nach dem letzten Lauf im Finale im Bogwang Phoenix Schnee-Park

DAS Gesicht der Wettbewerbe in der Halfpipe war lange der dreimalige Olympiasieger Shaun White. In der Pipe geht es darum, möglichst schwierige und hoch angesetzte Sprünge, Tricks und Moves zu zeigen. Die einzelnen Punkte hierfür werden am Ende addiert. In der vergangenen Saison waren Aaron Blunk (USA) und die Russin Walerija Demidowa auf Skiern die Besten in der Halfpipe. Bei den Snowboardern waren Scotty James und Cai Xuetong (China) ganz vorne.

Aus deutscher Sicht lohnt es sich, etwas genauer auf André Höflich zu schauen. Deutschlands Bester fuhr im Boardercross-Weltcup auf Rang fünf und kommt der Weltspitze immer näher. Bei den Frauen wird der erst 19-jährigen Leilani Ettel zugetraut, für Überraschungen zu sorgen.

Stand: 20.11.2020, 08:00

Darstellung: