"Unser Haus brennt" - Eisschnelllauf-Gemeinschaft droht Insolvenz

Eisschnelllauf

Initiative "DESG gemeinsam retten" fordert Politik

"Unser Haus brennt" - Eisschnelllauf-Gemeinschaft droht Insolvenz

Haben Eisschnelllauf und Short Track in Deutschland eine Zukunft? Aus finanziellen Gründen könnte bereits im Frühjahr das Licht ausgehen. Um den Kollaps abzuwenden, sollen Politik und DOSB dem Verband jetzt unter die Arme greifen. Eine Initiative hat bereits für Februar zu einem Treffen geladen.

Kein Hauptsponsor und ab Ende März fehlt das Geld für laufende Kosten - der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) droht als erstem olympischen Sportverband aus Deutschland der finanzielle K.o. Sollte die DESG bis März die Deckungslücke nicht stopfen können, droht den Eisschnellläufern die Insolvenz.

Initiative fordert: Politik soll Verband helfen

Um die Zahlungsunfähigkeit noch abzuwenden, hat sich am Samstag (11.01.2020) die Initiative "DESG gemeinsam retten" in Berlin getroffen. Die Idee dieses "Zukunftsgremiums", das sich im Dezember um Athletensprecher Moritz Geisreiter gegründet hat: Die Politik soll dem Verband finanziell unter die Arme greifen. In einer "Einladung zu einem Spitzengespräch" heißt es unter der Überschrift "Auch unser Haus brennt!": "Es geht um die gesellschaftliche Grundsatzfrage: Wollen Deutschland und Sportdeutschland weiterhin und langfristig die Sportarten Eisschnelllauf und Short Track (...) betreiben oder nicht."

Einladung zu Krisentreffen im Februar

In einem ersten konkreten Schritt lädt die Initiative im Februar zum Krisengespräch mit der Politik und dem Deutschen Olympischen Sportbund. Neben dem für den Sport mitverantwortlichen Bundesinnenminister Horst Seehofer sind auch die Sport-Spitzenpolitiker aller im Bundestag vertretenen Parteien und die DOSB-Spitze eingeladen. In dem Schreiben heißt es: "Das Zukunftsgremium wird auf diesem Treffen allererste Eckpunkte einer möglichen Neuaufstellung zur Diskussion stellen. (...) Noch besteht die Chance 'den Brand im Hause Eisschnelllauf & Short Track' zu löschen (...) Bitte unterstützen Sie uns dabei."

Ist die DESG noch zu retten?

Im "Deutschlandfunk" konkretisierte Rainer Erdmann, der Sprecher der Initiative, am Sonntag (12.01.2020): "Im Frühjahr geht das Licht aus, wenn es nicht gelingt, die Finanzlücke zu schließen." Die Frage, ob die DESG noch zu retten sei, beantwortete Erdmann resiginert: "Von innen heraus nicht." Die Gründe dafür sind hausgemacht, so Erdmann. Denn, so sagte der Berliner der dpa: "Die DESG ist keine Gemeinschaft, jeder arbeitet gegen den anderen. Der Verband ist eine Ansammlung von Splittergruppen, die alle eigene Ziele verfolgen."

Erste Hilfe: DOSB verzichtet auf Geld

Wie DESG-Schatzmeister Dieter Wallisch berichtet, gibt es wohl auch schon erste Hilfsanzeichen vom DOSB. Wallisch sagte der Nachrichtenagentur dpa, der Olympische Sportverband habe zugesagt, auf einen Teil der geforderten zehn Prozent Eigenmittel im Jahresbudget zu verzichten. Auch die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA hatte jüngst die Kosten der Verbände für das Ergebnis-Management reduziert.

Gesamter Sportbetrieb gefährdet

Nach dpa-Angaben beziffert sich das Finanzloch derzeit auf rund 400.000 Euro. Die Spitzensportler seien von den Engpässen nicht betroffen, da diese direkt vom Bundesinnenministerium bezahlt werden. Gefährdet sei allerdings die DESG-Geschäftsstelle in München und deren Angestellte. "Und damit auch der gesamte Sportbetrieb", so Wallisch.

dh/pm/dpa | Stand: 12.01.2020, 10:37

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